Mitreißender Blues vom Feinsten

Mundharmonika-Mann Paul Lamb (rechts) brachte mit seiner Band The King Snakes das Fachwerkhaus zum Kochen. (Foto: Susanna Veenhuis)

Paul Lamb & The King Snakes gastierten im Fachwerkhaus

LEHRTE (sv). Ganz ruhig fing es an: Mit dem sehr persönlichen „Mr. Lamb's Groove Walk“ eröffneten Paul Lamb und seine Band „The King Snakes“ das erste Blues Special der Saison. Aber das war nur der Anfang. Die fünf hervorragenden Musiker von der britischen Insel servierten im Fachwerkhaus einen Feuertopf des Blues, wie man ihn sich heißer und mitreißender nicht vorstellen konnte. Jeder Song toppte quasi den vorangegangenen, die Spielfreude und der Ideenreichtum der Instrumentalvirtuosen kannte schier kein Ende.
Gut 100 Besucher waren der Einladung des Vereins „Blues in Lehrte“ ins Fachwerkhaus gefolgt. Neben dem jährlichen Lehrter Bluesfestival mit hochkarätiger internationaler Bandauswahl veranstaltet der Verein in der Wintersaison kleine, aber feine Konzerte mit echten Perlen des Blues in gemütlicher Clubatmosphäre – Leckerbissen nicht nur für Bluesfans.
Diesmal stand es auf wackeligen Füßen, hätte fast abgeblasen werden müssen: Durch eine Terminverwechslung stand das Andere Kino als sonst übliche Spielstätte nicht zur Verfügung. Da lobten die Veranstalter die Flexibilität der Stadt Lehrte, die kurzerhand das Fachwerkhaus anbot. Auch dem Tanzkreis gebührte ein großes Dankeschön, denn der hatte spontan seinen dort üblichen Spielenachmittag verlegt und ermöglichte so den Bluesfreunden schon tagsüber den Aufbau und die Vorbereitungen für das abendliche Konzert.
Egal, wo – Paul Lamb, Baujahr 1955 und seit 30 Jahren auf den Bluesbühnen dieser Welt unterwegs, mehrfacher Abräumer sämtlicher Preise, die man als Blues-Mundharmonikaspieler erreichen kann, und eine echte Gute-Laune-Rakete, hätte auch in einem Kanalschacht eine fette Blues-Party initiiert. Mit Chad Strentz als souveränen Gitarrenmann und tollen Sänger hat er da den richtigen Zuspieler an seiner Seite. Bei Ryan „Junior“ Lamb kann man nicht sagen: ganz der Papa, denn er spielt Gitarre, erzeugte aber Begeisterungsstürme mit seinen Soli. Für den soliden Taktteppich sorgte Mike Thorne. Rod Demick, mit seinen 71 Lenzen auch nicht gerade erst seit gestern am Bass, zupfte wie in Trance die perfekten Bassläufe dazu und grinste gut gelaunt unter seiner schwarzen Sonnenbrille ins Publikum.
„Live At The Royal Albert Hall“ heißt der 2017 erschienene Silberling der Band, mit dem die Briten dem Lehrter Fachwerkhaus ein kleines bisschen von dem Ruhm der berühmten Londoner Konzerthalle angedeihen ließen – allerdings ganz ohne Bühne, fast in direktem Kontakt mit den Fans. „Das ist das Beste, was ich je in Lehrte gehört habe“, hieß es von einem Besucher. Der war kurz zuvor sogar in die Knie gegangen – nicht aus Ehrfurcht, das wäre denn doch zuviel des Guten gewesen. Aber Paul Lamb spielte gern mit dem Publikum, und das machte bereitwillig mit und ließ sich sogar auf dem Boden des Fachwerkhauses nieder, als der 63-Jährige sich beim Harp-Spielen hinkniete und aufforderte, es ihm gleichzutun, denn: „The Blues is low“ - der Blues ist unten, erklärte er.
Mit dem bekannten „Midnight Special“ als Zugabe fuhr die Band nach heißen zwei Stunden in den wohl verdienten Feierabend und hinterließ ein glückliches und sehr entspanntes Publikum.