Mit dem Smartphone wird gemobbt

„Keiner ist dafür selbst verantwortlich, wenn er gemobbt wird“: Kriminalhauptkommissar Björn Harms informiert bei der Veranstaltung des Kinderschutzbundes zum Thema Cybermobbing. (Foto: Wiebke Molsen)
 
Schulleiterin Christiane Nustede begrüßt Kriminalhauptkommissar Björn Harms in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule zum Infoabend. (Foto: Wiebke Molsen)

Kinderschutzbund klärt über Folgen für Opfer und Täter auf 

LEHRTE (wim) „Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füge auch keinem Anderem zu!“ – wenn dieser althergebrachte Spruch auch in der modernen Welt mehr Beachtung finden würde, dann gäbe es keine Probleme mit Cybermobbing. Zu dieser Schlussfolgerung kommt Björn Harms, Beauftragter für Jugendsachen bei der Polizeiinspektion Burgdorf, beim Infoabend des Kinderschutzbundes auf Initiative und Einladung von Christiane Nustede, Schulleiterin der Albert-Schweitzer-Schule. „Die Empathie, sich also in Andere einfühlen zu können, geht heutzutage verloren“, sagt er. Da werde per Smartphone gemobbt, ohne auch nur einmal an die Folgen für das Opfer zu denken, bei dem weitreichende Verhaltensänderungen wie Depressionen, gesundheitliche Probleme und der Leistungsabfall in der Schule hervorgerufen werden können. Wichtig sei es deshalb, schnell zu reagieren und Eltern oder Lehrer um Hilfe zu bitten, bevor die Kinder in eine Opferrolle verfallen. „Keiner ist dafür selbst verantwortlich, wenn er gemobbt wird“, stellt der Kriminalhauptkommissar klar und fordert dazu auf, sich zu wehren und für sich einzustehen. Zudem sei es wichtig, Beweise mit Datum und Uhrzeit per Screenshot zu sichern, die Taten aufzuschreiben und den Täter beim Chatbetreiber zu melden. Bis zu einem gewissen Grad sollten Lehrer und Sozialpädagogen versuchen, das Mobbing mit pädagogischen Mitteln zu unterbinden. Ein weiterer Schritt könne die Abmahnung durch einen Anwalt sein. „Wenn das alles nicht hilft, sollte man bei der Polizei Anzeige erstatten“, empfiehlt Björn Harms. Den Tätern drohten neben verschiedenen erzieherischen Maßnahmen der Jugendarrest und ein Eintrag in das Führungszeugnis. „Soweit sollte man es nicht kommen lassen“, sagt er.
Der Polizist wünscht sich, dass Kinder und Jugendliche beim Umgang mit dem Smartphone von den Eltern begleitet werden, damit sie eine Risikokompetenz entwickeln. „Verbote bringen nichts“, ist er sich sicher. Vielmehr sollten die Kinder dafür sensibilisiert werden, welche Folgen der unbedachte Umgang mit sozialen Medien haben kann. „Wer das Ansehen eines Anderen schädigt, macht sich strafbar“, zitiert Björn Harms den entsprechenden Gesetzestext. Das können neben Beleidigungen und Beschimpfungen auch Ausgrenzung und das Androhen einer Straftat sein oder Gewaltdarstellungen und die Verbreitung von Pornos an unter 18-Jährige. Genauso verboten ist die Verletzung des persönlichen Lebensbereichs durch das Fotografieren in Toiletten, Umkleideräumen oder von Unfallopfern. „Erstmal den Kopf einschalten“, empfiehlt Björn Harms, bevor unüberlegt etwas in das Netz gestellt werde. Denn Inhalte verbreiteten sich extrem schnell und das Publikum sei unüberschaubar groß. Deshalb sei Cybermobbing auch so gefährlich. „Das Internet vergisst nichts“, sagt er. Bei sozialen Medien wie Instagram und Snapchat empfiehlt er deshalb, auf die Privatsphäre-Einstellungen zu achten. „Und wenn der neue Freund unbedingt ein Nacktfoto haben möchte, dann vielleicht lieber ohne Kopf verschicken“, rät Björn Harms. Denn wenn die Liebe zerbricht, würden solche Fotos manchmal ungeahnte Wege gehen.
Weitere Informationen bieten die Internetseiten Polizeiberatung.de, Klicksafe.de oder Juuuport.de.