Ministerpräsident Stephan Weil unterwegs

Rundgang auf dem Gut Adolphshof mit Stopp an der Ziegenherde: Stephan Weil, Sabine Adam und Thordies Hanisch (rechts). (Foto: Gabriele Gosewisch)
 
Stepahn Weil mit Reinhard Kindt (rechts) auf der Streuobstwiese. (Foto: Gabriele Gosewisch)

Sommertour mit Station auf dem Gut Adolphshof und im Sozialen Kaufhaus

Lehrte (gg). Wenn Ministerpräsident Stephan Weil auf Sommerreise in Niedersachsen unterwegs ist, schaut er sich bekanntlich markante Betriebe an. Er informiert sich über jegliche Profession, unmittelbar, nimmt Sorgen, Nöte und auch Wünsche der dort Tätigen auf. Für die Sommerreise in Lehrte hat Thordies Hanisch, SPD-Landtagsabgeordnete im hiesigen Wahlkreis, zunächst den Besuch des Guts Adolphshof auf die Tagesordnung gesetzt – wohl wissend, wie beeindruckend dies werden würde. „Es ist unfassbar lehrreich“, merkte sie zu Beginn an, als Betriebsleiterin Sabine Adam auch schon loslegte und die Struktur erklärte. Die biologisch-dynamischen Landwirtschaft auf 130 Hektar Acker- und Grünland steht im Mittelpunkt, organisiert im Verein „Gemeinnützige Landbau-Forschungsgesellschaft“. 35 Kühe, 120 Ziegen, 80 Schweine und 450 Hühner gehören dazu. Ebenso eine hofeigene Bäckerei und Käserei. Getreide- und Molkereiprodukte erfüllen Demeter-Standard und werden im Hofladen und auf den Wochenmärkten verkauft. Die Produkte ernähren jedoch auch die 140 Menschen, die auf dem Hof leben und arbeiten. „Es sind 40 Mitarbeiter in der landwirtschaftlichen Produktion, auch in Teilzeit oder mit speziellen Aufgaben betraut. In der Umrechnung arbeiten wir mit 18 Vollarbeitskräften je Hundert Hektar, das ist ein hoher Aufwand“, erklärte Sabine Adam. Seit dem Jahr 2018 ist die HB-Stiftung Berneburg gGmbH Träger. Sie verpachtet den Hof und das Land an die „Betriebsgemeinschaft Gut Adolphshof“ und einige Flächen an die „Gut Adolphshof Sozialtherapie gGmbH“, eine sozialtherapeutische Einrichtung mit 45 Therapieplätzen. Bildungsarbeit mit den Schwerpunkten Landwirtschaft und Ernährung, durch die HB-Stiftung Berneburg, kommt als Lebensbereich auf dem Gut Adophshof noch dazu.
Beim Rundgang um den Hof zeigte Sabine Adam die Betriebsteile. Was der lebendige Boden hervorbringt, wurde sicht- und begreifbar. Es ging nicht, wie in früheren Jahren in der öffentlichen Diskussion vorherrschend, um die ethischen Grundsätze der biologischen-dynamischen Produktion, nicht um Philosophien, sondern um die Qualität der Produkte. Den stabilen Betriebsorganismus zu erhalten, erfordert komplexe betriebliche Steuerung. Die Grundlage der Nahrungsmittelproduktion wird auf dem Gut Adophshof erhalten. „Beeindruckend vorrausschauend“, nannte Stephan Weil dies, und zeigte sich außerordentlich beeindruckt, „unfassbar, was es hier gibt“. Vielfältige Ackerfruchtfolgen, der Einsatz des Mistkomposts, zig weitere Maßnahmen und immer alles zum richtigen Zeitpunkt – „es ist nicht einfach“, sagte Sabine Adam. Dabei kam das Thema Dürre nur am Rand zur Sprache, zeigte in diesem Moment jedoch die großen Sorgen auf. Im Adolphshof-Jahresbrief beschreibt Sabine Adam ihre Beobachtungen detailliert, hier ein Auszug: „Wachstumsphasen verschieben sich, Erntezeit und Erntewetter passen nicht mehr zusammen. Die Bodenstruktur verändert sich durch die Hitzegare in Gänze. Ich hatte den Eindruck, dass eine Grenze überschritten, der sprichwörtliche Bogen überspannt ist. An einigen Acker und Kleegrasflächen entstanden Stellen, die wirkten, als ob der Organismus Löcher bekommt. Stellen schienen aus dem Leben zu fallen. Mittlerweile ist durch die Herbstniederschläge (im Jahr 2019) fast alles wieder mit Leben erfüllt und begrünt sich, aber es gibt mir sehr zu denken.“ Im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten bestätigte Sabine Adam auf die Fragen nach Schwierigkeiten in den Dürrejahren nur den einen prägnanten Satz: „Ja, es ist schlimm.“
Um welchen „Schatz der Natur“ es auf dem Adolphshof geht, machten beim Rundgang auch Reinhard Kindt, Vertreter des Stiftungsrats HB Stiftung Berneburg und Kurator der Streuobstwiesen, Uwe Schmida, Gründungsmitglied Solidarische Landwirtschaft Gut Adolphshof und Organisator für den Gemüseanbau, und Friedemann Wecker, Geschäftsführender Vorstand Demeter im Norden und Markenbotschafter, deutlich. Vertretung aus dem Lehrter Rat leistete der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Jürgen Licht.
Weitere Lehrter Station der Sommerreise des Ministerpräsidenten war im Anschluss "das soziale Kaufhaus" an der Burgdorfer Straße. Geschäftsführer Axel Bruder erklärte das Konzept: gespendete Waren werden von Mitarbeitern, darunter viele mit Handycap-Biografien, gesichtet, sortiert und zum Verkauf ausgestellt. Betriebsleiter Andreas Volkmann kümmert sich, weiß um den Wert der sozialpädagogischen Betreuung, die im Betriebskonzept verankert ist. Rund 200 Kunden pro Tag werden im Ladengeschäft gezählt, können zu symbolischen Preisen, ohne Bedürftigkeitsnachweis, Bekleidung, Möbel und Dekoratives erwerben. Gerne schaute sich der Ministerpräsident um, auch hinter den Kulissen, wo die gespendeten Waren gestapelt werden. "Viel zu tun", so sein Eindruck.