Menschrechtler Antonio Ablon mit dem Tod bedroht

Vom Leid seiner Mitmenschen in seiner heimatlichen Diözese wusste Bischof Antonio Ablon viel zu berichten – Armut, Unterdrückung und Ausbeutung sind die herrschenden Probleme des Volks der Lomad auf den Philippinen. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Für den dicken Scheck als Donation zu bereits eingesammelten Spenden für die Stiftung „Frieden ist ein Menschenrecht“ aus den Händen von Oberkirchenrätin Elke Schölper bedankte sich Berndt Waltje im Namen des Teams vom Antikriegshaus herzlich. Fotos: Susanna Veenhuis (Foto: Susanna Veenhuis)

Donation der Landeskirche unterstützt Friedensarbeit im Antikriegshaus

SIEVERSHAUSEN (sv). Von großer Armut ist das Leben der Einwohner auf der philippinischen Insel Mindanao geprägt. Dabei wären sie eigentlich reich: Wertvolle Bodenschätze birgt das Land, das die indigenen Völker von jeher bewohnen und bewirtschaften. Doch mit ihren wirtschaftliche Interessen machen in- und ausländischer Minen- und Agrargesellschaften den Ureinwohnern schon seit Langem ihr Land streitig. Die Gesetzgebung der Philippinen spielt den Konzernen dabei in die Hand: Auch der Willkür von Behörden und Militärs sind die Menschen ausgesetzt, werden von ihrem Land vertrieben, eine Entschädigung gibt es nicht. Dieses bestürzende Bild von seinem Heimatland zeichnete Bischof Antonio Ablon jetzt bei seinem Vortrag im Antikriegshaus mit dem Titel: „Ich weiche nicht zurück!“
Vor dem Vortrag hatte der Verein Antikriegshaus etwas Erfreuliches zu verkünden: Einen dicken Scheck über fast 20.000 Euro hatte Oberkirchenrätin Elke Schölper nach Sievershausen mitgebracht. Im Rahmen der fünften Donation der Landeskirche profitierte auch das Antikriegshaus von der Aktion „AUS 3 MACH 4“, mit der das Landeskirchenamt besondere Projekte fördert, indem es die dafür eingeworbenen Gelder und Spenden um ein Drittel aufstockt – diesmal waren es 250 Projekte landesweit. Die Donation solle ein Anreiz zum selbstständigen Fundraising für die Initiativen sein. „Sie bekommen damit sozusagen eine Dividende von 33,3 Prozent“, erklärte die Oberkirchenrätin mit einem Ausgenzwinkern, als sie den symbolischen Scheck mit der Summe über 18.991,40 Euro dem Vorsitzenden Berndt Waltje überreichte. Die Aktion war bereits die fünfte der Landeskirche. Schon einmal war die Sievershausener Friedensinitiative in den Genuss dieser Ausschüttung gekommen, vor fünf Jahren gab es 15.000 Euro als „Anschubfinanzierung“ für die Stiftung, deren Kapital mittlerweile 22.000 Euro beträgt. Mittels dieser vor sechs Jahren gegründeten Stiftung „Frieden ist ein Menschenrecht“ soll die Finanzierung des alle zwei Jahre für herausragende Projekte oder Initiativen vergebene Friedenspreis „Sievershäuser Ermutigung“ gesichert werden. Der mit 5000 Euro dotierte Friedenspreis wird in diesem Jahr bereits zum 16. Mal zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember verliehen, die Ausschreibung hat gerade begonnen (der MARKTSPIEGEL berichtete). Dem kleinen, überwiegend ehrenamtlich arbeitenden und sehr rührigen Verein war es innerhalb von zwei Jahren gelungen, Spenden über 56.974,20 Euro einzuwerben. „Bis dahin war die Unterstützung und Förderung der Friedensarbeit mit ihren knappen Mitteln immer auf Hilfe anderer im Kirchen- und Freundeskreis angewiesen. Jetzt können aus den Erträgen Projekte gezielt und gesichert gefördert werden“, erklärte Waltje. Das Geld werde fair angelegt in günstigen Kleinkrediten als Hilfe zur Selbsthilfe für arme Menschen in der so genannten Dritten Welt. „Wir wollen mit diesen Erträgen auch hier Gutes tun und bedanken uns herzlich, denn das hilft uns und denen, denen wir helfen, umso mehr!“
Um ganz andere Summen, sogar um Leben und Tod geht es in der Heimat von Antonio Ablon. Der Bischof der Iglesia Filipina Independente (IFI), der Unabhängigen Philippinischen Kirche, hat sich dem Kampf für Gerechtigkeit für die indigenen Einwohner seiner Diözese im Südwesten der Insel Mindanao verschrieben, erklärte er seinem Dialogpartner Elvin Hülser vom Antikriegshaus. Als Übersetzer für den englischsprachigen Bericht saß Pastor Woldemar Flake dem Vortragenden zur Seite.
Schon 1902 wurde die IFI gegründet aus Protest gegen die Willkür der Kolonialmächte. Noch immer müssen die Einwohner um ihren Besitz und sogar um ihr Leben bangen. Auch Rodrigo Duterte, der sich vor seiner Wahl als einer der ihren vorstellte in den viele ihre Hoffnung auf Demokratie gesetzt hatten, hat die Einwohner der Philippinen schwer enttäuscht. Nach seiner Wahl zum Präsidenten 2016 wandelte er sich vom Paulus zum Saulus und setzt die ausbeuterische Politik seiner Vorgänger fort. So änderte er unter anderem nicht das 1995 beschlossene Gesetz zur Begünstigung ausländischer Bergbaufirmen mit freigiebig erteilten Schürfrechten auf indigenem Land, Wasser- und sonstiger Ressourcennutzung sowie großzügigen Steuervergünstigungen, sondern lässt es von Militärs und paramilitärischen Einsatztruppen mit aller Härte durchsetzen.
Der Bischof wusste von vielerlei Tricks zu berichten, mit denen die dort lebenden Lumad erst unter hanebüchenen Vorwürfen kriminalisiert und unter falschen Vorwänden inhaftiert werden, um deren Land habhaft zu werden. Unter dem Vorwand, dort würden sich Rebellen aufhalten, sei sogar ein Dorf bombardiert worden, nachdem seine Kirche dort Hilfsgüter und Spenden verteilt habe. Einige der Anführer im Kampf und die Rechte der Lumad seien bereits getötet worden. Auch er sei mit dem Tod bedroht worden, sagte Ablon, der für ein Jahr Gast bei der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte ist. Geschäftsführerin Martina Bäurle und Johannes von Dohnanyi begleiteten ihren Gast nach Sievershausen.
Erholt, wieder gefasst und ausgestattet mit neuem Rüstzeug und frischen Ideen wollte Antonio Ablon in sein Heimatland zurückkehren und den Kampf fortsetzen. Doch sein oberster Bischof vor Ort rieten ihm dringendst davon ab: Er würde bei seiner Rückkehr verhaftet werden. Vielmehr, so gab ihm ein Häuptling der Lumad auf, solle er von ihrem Schicksal in anderen Ländern berichten und die Menschheit über das Unrecht, das ihnen dort wiederfährt, informieren. Darin sieht der philippinische Bischof, der nach eigenem Bekunden aus Sorge um die Menschen in seiner Diözese oft nicht gut schlafen kann, seine momentane Lebensaufgabe.