Mehr Zeit zum Baden gewünscht

Bürgermeister Klaus Sidortschuk begrüßte die Gäste und stellte den Ingenieur Peter Duensing von der Planungsgesellschaft Constrata vor, der nach eigenem Bekunden im Lehrter Bad schwimmen gelernt hat. Fotos: (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Frühschwimmer, Freibadnutzer, Schwimmsportler und Familien nutzten die Gelegenheit, auf Kärtchen ihre Wünsche für eine Neugestaltung des Lehrter Bads zu notieren. (Foto: Susanna Veenhuis)

Bädergesellschaft lud zum Informationsabend für Bürger ein

LEHRTE (sv). Weder ein Cabrio-Dach noch weit zu öffnende Glasfronten wünschen sich die Nutzer des Frei- und Hallenbads in Lehrte für ihr Bad. Im weitesten Sinne könne eigentlich alles so bleiben wie bisher, einschließlich des 50-Meter-Beckens im Freibadbereich. Allerdings sollten die Öffnungszeiten deutlich erweitert werden. Und um den einwöchigen Stillstand zur Umstellung von Hallen- auf Freibadbetrieb und umgekehrt zu vermeiden, sollten beide Bäder über getrennte Anlagen versorgt werden. Ein Kleinkinderbereich im Hallenbad wäre auch wünschenswert. Das ist das Fazit eines Informationsabends, zu dem die Bädergesellschaft der Stadt Lehrte unter Vorsitz von Noch-Bürgermeister Klaus Sidortschuk interessierte Bürger ins Kurt-Hirschfeld-Forum eingeladen hatte. An die 120 Frauen und Männer waren der Einladung gefolgt.
Bereits seit Herbst hatte eine neu gegründete Arbeitsgemeinschaft aus Mitgliedern von Vereinen, Rat und Verwaltung mögliche Gestaltungsvarianten für das in die Jahre gekommene Bad entwickelt. 14 Millionen Euro habe die Stadt für die Sanierung oder den Umbau veranschlagt, Ziel sei es, diese möglichst nicht zu überschreiten, sagte Klaus Sidortschuk. Allerdings sei der Betrag auch „nicht in Stein gemeißelt“, um ein bedarfsgerechtes Bad zu bekommen. Bis zum Frühjahr 2020 sollen Kostenplan und Aufwandsberechnung vorliegen.
Peter Duensing vom Bielefelder Ingenieurbüro Constrata stellte die im Auftrag der Lehrte Bädergesellschaft ermittelten Untersuchungsergebnisse vor, die sich für mögliche Neustrukturierungen des alten Bades ergeben hatten. Für die Strategieplanung bediente sich das Ingenieurbüro einer weiteren Firma, die die Bäderinfrastruktur in Lehrte und Umgebung sowie weitere Möglichkeiten und eventuelle Bedarfe statistisch ermittelte und verglich. Demnach ist Lehrte mit einer Bevölkerungsdichte von 490 Einwohnern pro Quadratkilometer im Vergleich zum Bundesdurchschnitt (237 Einwohner pro Quadratkilometer) sehr dicht besiedelt. Dennoch nutzen viel weniger von ihnen die angebotenen Hallenbad-Flächen. Beträgt der Landesdurchschnitt hier 97 Nutzungen pro Jahr und Quadratmeter Wasserfläche, sind es in Lehrte derzeit nur 68. Einbezogen sei auch der Bedarf von Schulen und Vereinen, der auch bei der Neugestaltung berücksichtigt werden müsse, sagte Peter Duensing. Statistisch sei Lehrte mit Freibädern überversorgt, das Hallenangebot sei dagegen durchaus ausgewogen und marktüblich, hatten die Recherchen ergeben.
„Wie können wir mehr Besucher ins Bad locken, um eine bessere Auslastung zu erreichen“, sei die Frage an dieser Stelle. Es gelte, vorhandene Potenziale auszuschöpfen, Kurse anzubieten und beispielsweise das Wahrendorffschen Klinikum als potenziellen Nutzer anzusprechen. Zur statistischen Berechnung legten die Statistiker einen Einzugsbereich von 20 Fahrminuten zugrunde, denn darüber hinaus seien schon die Badeanlagen umliegender Kommunen verfügbar, erklärte der Ingenieur. Weitere Angebote wie Sauna- und Rutschenpark seien deswegen in Lehrte auch nicht erforderlich. Ein Saunabetrieb sei ein hoch defizitärer Bereich. Allerdings hätten längst nicht alle ein 50-Meter-Becken, wie es Lehrte und Arpke besitzen. Aber ein so genanntes Cabrio-Dach, durch das bei schönenm Wetter das Hallen- zu einem Freibad werde, könne das Ganzjahres-Schwimmangebot flexibel erweitern, wie es beispielsweise in Wolfenbüttel eingebaut sei. Für 13,5 Millionen Euro sei das Gelobad in Geilenkirchen als Alternative zum Cabrio-Dach mit einer zu weit zu öffnenden Fassade umgebaut worden. Ein ähnliches Beispiel biete das Hallenbad Peyltje in Leer, Kosten 12,3 Millionen Euro. Denn die Analyse empfiehlt für Lehrte den Umbau des Hallenbads ohne das Freibad. „Wir wollen aber nichts wegsparen oder kleiner machen, sondern sehen, wo wirklich Bedaf ist und wie er sich gestalten lässt“, sagte Peter Duensing.
Einen verstellbaren Boden und 30 Grad warmes Wasser für Kinderschwimmkurse, ein 50-Meter-Becken für Wettkämpfe, kürzere Wege zwischen Bad, Duschen und Umkleiden, den Einsatz von regenerativen Energien und einen funktionierenden Eintrittsgeld-Automaten waren die Wünsche der Besucher. Eine Umbauzeit von anderthalb Jahren, während der beide Bäder nicht benutzt werden können, fanden sie inakzeptabel. „Dann kommen Sie doch nach Arpke! Wir fahren im Winter ja auch nach Lehrte“, sagte Anna-Lena Schrader vom TSV Germania Arpke, die dort Kurse und Schwimmtraining anbietet. Allerdings wirkten die Klagen der Arpker Waldbadnutzer über zu stark gechlortes Wasser und Unsauberkeit in Duschen und Umkleiden wenig einladend. Im Anschluss hatten die besucher Gelegenheit, ihre Wünsche auf Kärtchen für das zukünftige Lehrter Bad festzuhalten, die bei der Planung einbezogen werden sollen.
Größter Kritikpunkt waren die Öffnungszeiten. Ein Besucher: „In Lehrte ist das Hallenbad im Winter ab 12 Uhr zu, aber in Burgdorf brummt es!“ Das Problem ist bekannt und im Mangel an Personal begründet, was die Besucher im Vergleich zu anderen Bädern mit längeren Öffnungszeiten nicht nachvollziehen konnten. „Wir inserieren ständig seit Jahresbeginn, bis jetzt hat sich ein einziger auf die Stelle als Schwimmmeister beworben, ist aber wieder abgesprungen“, sagte Eckhard Otto, Geschäftsführer der Bädergesellschaft. Mit schmerzlichem Lachen quittierten die Besucher den Kommentar einer Frau: „Wenn kein Personal da ist, brauchen wir auch nicht über ein neues Bad zu diskutieren!“
Ein Verzicht aufs Lehrter Freibad fand bei den Besuchern keine Akzeptanz. „Ich bin schon oft von Familien von außerhalb angesprochen worden, was wir hier für ein tolles Bad hätten, und dass sie gerne immer hierher fahren, auch wenn es ein weiter Weg ist“, sagte eine Besucherin. Andere bestätigten ähnliche Erfahrungen, die der Statisik widersprachen, es gab sogar Beifall, als eine sagte: „Ein Freibad gehört einfach zu Lehrte!“