Mehr Party als beim Lehrter Schützen- und Volksfest geht einfach nicht!

Warum Lehrter Schützen ihren Urlaub für das Schützen- und Volksfest verschieben? Weil Mallorca gar nicht schöner sein kann, wie die Showband "Die Zwiebeltreter" auf der Bühne im neuen Partyzelt eindrücklich illustrierte. (Foto: Walter Klinger)
 
Tanznächte in Folge in absoluter Ausgelassenheit im neuen Partyzelt: Bei "Cowboy und Indianer" tanzte ein Teil des Publikums begeistert auf der Bühne der Bayernband "Die Zwiebeltreter" mit. (Foto: Walter Klinger)
 
Auch schon beim DJ Party-Alarm (unser Foto): Drei(einhalb) tolle Partynächte wurden in dem neuen Partyzelt des Lehrter Schützen- und Volksfestes gefeiert. Travestieshow, Go-Go-Girls und Bayernband folgten in jeweils ganz großer Stimmung. (Foto: Walter Klinger)
 
Mehr Besucher, mehr Festfreude, größeres Feuerwerk: Am Freitagabend ließen sich die Schausteller bei ihrem Dank an die Besucher/innen des Vergnügungsparks nicht lumpen . . . (Foto: Walter Klinger)
Lehrte: Schützenplatz Lehrte |

Ungeschmälerte Begeisterung über das neue Erlebniskonzept

LEHRTE. Der emotionalste Moment kam nach vier Tagen ausgelassener Party und Überraschungen sogar bei den traditionellen Programmpunkten ganz zum Schluss: Die Schützen, die stets am meisten Stimmung machen, die fast 130 Musiker/innen der vier Musikzüge der Bürgerschützen-Gesellschaft und des Schützen-Corps, hatten gerade - auch dies fast sensationell - gemeinsam (!) "Happy Marching Band" gespielt und das Zelt bebte noch vom Beifall, da bat Moderator Helge Schaubode die Veranstalter nach vorn. "Ich kann hier wohl im Namen aller sprechen: Das neue Konzept mit den vielen Änderungen, die das Schützencollegium zusammen mit dem neuen Festwirt Peter Lindemann bei diesem Fest eingeführt haben, hat uns alle begeistert!".
Selbstverständlich war dieses "Happy End" nicht. Nach mehr als 30 Jahren mit jeweils nur kleinen Änderungen hatte das Lehrter Schützencollegium grünes Licht dafür gegeben, beim Schützenfest so ziemlich alles zu ändern. Was dabei heraus kam, war noch viel bunter als erwartet: Helle Ligthshows auf der verdoppelten Außenterrasse, Scheinwerfer-Traversen durch das hübsch dekorierte neue Partyzelt, das andere Festzelt für die offiziellen Programmteile bestuhlt.
Maschsee- oder Schützenfest, diese Frage stellte sich schon am ersten Abend überhaupt nicht mehr. Schon am Abend drauf staunten die Schützen, die sich kurz für den Abend umziehen wollten: Es strömten mehr Besucher zum Schützenplatz, als den Vergnügungspark verließen.
Wechselbad der Gefühle: DJ "Party-Alarm" bescherte das Partyzelt mit unangekündigter Travestieshow und sogar Go-Go-Girls. Die Schützendamen und die Besucher flippten vor Begeisterung fast aus, die Ehemänner in Schützenuniform ignorierten diesen Programmpunkt noch, fanden doch die Schützenabteilungen erstmals selbst Platz auf der Außenterasse.
Wo schon am Samtag klar war: Sitzen die Schützen für alle sichtbar draußen, kommt auch in den Festgassen Stimmung auf. Zumal hier die Musikzüge mitten im Geschehen die Stimmung nochmals mit Spontankonzerten anheizten. Genial auch die Musi: Mit einem bunten Cocktail von Volks- über Pop- bis zu Rockmusik lockten als erste Bayernband "Die Zwiebeltreter" aus Bamberg das Lehrter Partypublikum aller Altersstufen auf die Tanzfläche. Diese musikalische Vielfalt kam in einer Stadt mit eigener Rocktradition (welche sich im Riesenbeifall auch für das "Best of Bluesbrothers" der von Detlef Dobratz - jetzt seit über 25 Jahren dabei - geleiteten Brassband der Bürgerschützen - musikalisch nicht mehr zu toppen - bewies) bestens an.

Das Schützenfest, das zum Volksfest und zur Partyzone wurde . . .

Hilfe, unsere Seiten reichen nicht, alle (Fest-)Überraschungen zu berichten!

Mittendrin fast stets der Lehrter Bürgermeister Klaus Sidortschuk und seine Ehefrau Gabriele, die in einer Mammutleistung fast keine Minute des "neuen" Schützenfestes versäumten. Zusammen mit mehreren Ratsmitgliedern stand Sidortschuk Samstagabend demonstrativ fünf Stunden lang vor dem Eingang des Partyzeltes. Das sollte wohl heißen: Wie immer er auch bei Euch ankommt, die Stadtväter (und auch -mütter) wollen diesen neuen Festcharakter, und zwar unbedingt . . .
Eigeninitiative hieß das Zauberwort, welches den neuen Festcharakter ausfüllte und - neben dem deutlich gestiegenen Besuch - vollends zum Erfolg machte. Mit keinem Schützenfest in der Umgebung hätte man das machen können: Im besser gefüllten Partyzelt blieb kaum noch Platz für die Königsrunden, hatten die Musiker nur engsten Auftstellplatz für ihre Ständchen. Schlimmer noch: Gegen Ende des Festes fanden die einzelnen Schützenabteilungen für ihre geselligen Runden weder Platz auf der Terrasse noch im Partyzelt.
Es gibt eine Menge Schützenvereine, da wäre jetzt die Stimmung bei den Schützen gekippt. Nicht so in Lehrte, wo beide Schützenkorporationen über ganz hervorragende Führungspersönlichkeiten in den Abteilungen und vor allem auch in den Musikzügen verfügen. Denn das muss man anderswo erst einmal finden: Wo erforderlich, machten die Schützen äußerst flexibel den Festbesuchern Platz, platzierten sich am Sonntag sogar (wie der Musik- und Fanfarenzug - MuFZ - des Corps unter Leitung von Oliver Barkus) zum Platzkonzert neben der Zeltterrasse - auch dies ein Publikumserfolg ersten Ranges.
Von der anderen Seite der Terrasse (die bei bestem Sonnenwetter eigentlich das dritte Festzelt war) wehten die Klänge des Spielmannszuges der Bürgerschützen-Gesellschaft (wo Mona Burgdorf gerade für 10 Jahre Musikleitung geehrt wurde, dabei ist sie erst 25) herüber. Von allen Seiten Schützenmusik, und das fast ständig, so muss das sein, will man das Party-Programm des Festwirtes und die Schützen-Veranstaltungen gleichberechtigt nebeneinander fahren.
Und es ist die Gemeinsamkeit beider Schützenkorporationen, die solch ein Programmexperiment (hat nämlich bislang im Altkreis Burgdorf noch niemand geschafft) ermöglicht. Beim Festkonzert am, Sonntag holten sich die beiden Corps-Züge mit Stücken von bekannten Interpreten (der MuFZ mit "Best of James Last", der Spielmannszug mit "Atemlos" von Helene Fischer) geforderte Zugaben. Den anderen fünf Musikzügen zuvor waren Extra-Musikstücke aber noch verwehrt worden. Normalerweise wäre der Konkurrenzverein jetzt wütend gegangen - in Lehrte aber spielten alle gemeinsam noch ein tief bewegendes Musikstück.

Wann gab es denn das schon mal? Bedienungen im Chor gefeiert . . .

Die "Chemie" auch zwischen Gastroteam und Gästen stimmte absolut

"Was ist denn hier los; ich denke, die mögen sich nicht richtig?", fragte irritiert ein Besucher. Noch vor wenigen Jahren stürzte ein Bürgerschützen-Vorsitzender über ein gemeinsames "Katerschießen" mit dem Corps. Inzwischen aber ist die gute Zusammenarbeit gefestigt, hat die Zukunft des Schützenwesens in Lehrte längst begonnen.
Und dies sogar regional: Beim sensationell gemeinsamen Musikstück waren auch bereits Musiker/innen von "Ilse", dem gemeinsamen Klamgkörper vom Spielmannszug Ilten und TVE-Blasorchester Sehnde dabei. Unbedingt zu erwähnen sind aber auch die Jagdhornbläser der Bürgerschützen, die ebenfalls in größerer Besetzung aufspielten.
Begeistert von diesem Fest waren vor allem die Gäste und Gastvereine. Letztere fanden neben der in der Fläche verdoppelten Außenterrasse auch die Gastronomie-Außenstationen klasse. So die Lehrter Feuerwehr, mit ihren aufgabenbedingten nichtalkoholischen Getränken beim Fest stets ein klein wenig im Stimmungsabseits, die Innenhofbestuhlung hinter dem "Schwarzwaldhaus".
Vor allem aber stimmte die Chemie zwischen den - am Umsatz beteiligten und deshalb vorbildlich schnellen und freundlichen - Bedienungen und den Gästen. Der gute Service ließ das Trinkgeld steigen. Es wurden sogar Lieder auf die Servicekräfte gedichtet: "Ohne Julia läuft hier gar nichts . . .". Umgekehrt arbeiteten die Gäste mit, holten Getränke selbst vom Außenpavillion und dem jetzt mitten im Zelt stehenden Haupttresen und machten den Service auch mit zur Abholung zusammengestellten leeren Gläsern noch schneller.
"Die flitzen!", freute sich als älteste mitfeiernde Schützin auch Alice Schranz (85), ehemalige Corps-, "Lehrter Hof"- und "Mondwirtin". Die Bedienungen gaben die Sympathie zurück: "Die Leute sind hier viel netter als bei uns in Celle".
Und in der Tat: Die Nachbarstädte müssen ihre lieb gewonnenen Vorurteile gegen das Lehrter Schützenfest entrümpeln (was geschehen wird, denn so viele neugierige Schützenchefs aus dem Umland wie bei diesem Fest hat man hier noch nie gesehen). Das gern kolportierte Bild von den Industriearbeitern, die sich hier betrinken, und von Zelten mit kaltem Neonlicht wie in einer Wartehalle ist für das Lehrter Fest schon seit Ewigkeiten passé.
In Sachen Aufbau, Zeltstandard, Bühnen, Unterhaltungswert und Service (einschließlich der beim Festessen zahlreich nachgereichten Rouladen) ist Lehrte nach diesem Fest in der Region jetzt ganz vorn und setzt Maßstäbe - ein wirklicher Quantensprung in Sachen Fest- und Partyqualität. So dürfte sich das Lehrter Schützen- und Volksfest dauerhaft auch gegen das Maschseefest behaupten können.

Ein Hoch den Lehrter Schützen, die bei Andrang ihren (Terrassen-)Gästen Platz machen!

Bürgerschützen und Schützen-Corps präsentierten beim Fest sich und ihre verbindende Geselligkeit bestens

Zumal die Schausteller dem Fest auch in zurückliegenden besucherärmeren Zeiten die Treue hielten, beim Umfang ihres Feuerwerkes am Freitag über dem Festplatz aber sogar noch zulegten. Und wer hätte gedacht, dass noch dem geringeren Publikumszuspruch im vergangenen Jahr (dem mit der Hagelkatastrophe mittendrin) der "Break Dancer 1" noch einmal von Bremen direkt nach Lehrte kommen würde - jetzt hat er einen Stammplatz inmitten eines attraktiven Festplatzes mit mehr Attraktionen und strahlenden (LED-)Lichtern als irgendwo sonst in der Umgebung.
Und die Schützen und ihre Tradition? Klar, sie mussten sich manchmal neue Plätze für ihre traditionellen Runden suchen. Setzten sich flexibel aber gleich wieder an die Spitze der Festfreude. Beim gemeinsamen Frühstück im Festzelt bot dessen "offizielle" Hälfte mit 700 Gästen ein prächtiges Bild. Schon tags zuvor hatte die Proklamation von Frank Walter vom Corps zum Stadtkönig mit tausendstel Millimeter Abständen vor seinen Vereinskameraden Werner Bartels und Rolf Behrendt für atemlose Spannung gesorgt. Und der Besuch des ursprünglich aus Lehrte stammenden Deutschen Schützenpräsidenten Heinz-Helmut Fischer mit seinen Berichten aus innenministerium und von Olympia für den im Schützenwesen größtmöglichen Glanz.
Natürlich gab es kleine Pannen. Die bei den Ratsherren wegen der großen Zahl der damit zu Bedenkenden bereits mittags so beliebten Lütjen Lagen hatte der Wirt Samstag erst für 17.00 Uhr eingeplant. Sonntag standen dann nachmittags mehr Lütje Lagen als Kuchen bereit. Und Lehrtes oberster Schütze, Collegiumssprecher Dirk Mahlmann, wurde morgens vom Sicherheitsdienst aus der bereits gesperrten offiziellen Zelthälfte hinaus in den Partybereich komplimentiert - wo er tags darauf zur Achim Reichel-Melodie aber ausgelassen (zurück-)ruderte, eine der vielen spontanen super Stimmungseinlagen dieses Festes.
Und natürlich fand unser Berichterstatter wieder einen Grund zu einem wirklichen Aufreger, als beim genau mit dem Musikende am Sonntagmorgen einsetzenden Starkregen weder einheimische Mietwagen noch Taxis direkt vor den Zelteingang zu bekommen waren und viele der zum (nach dem Umbau eh kaum noch geeigneten) Taxiwarteplatz an der Manskestraße herausgeschickten Besucher durchregneten. Aber Schriftführer Rolf Behrendt hat dies alles notiert und das Collegium wird da (nach Abklärung der rechtlichen Situation beim Befahren eines geschlossenen Festplatzes) was bewegen können.
Die größte Panne passierte uns selbst: Erst nach zweieinhalb (!) Fest-Tagen (inklusive der zugehörigen zwei Partynächte) entdeckte unser Berichterstatter endlich, dass der Belichtungsmesser seiner Kamera defekt war - ein absoluter Redaktionsrekord. Aber selbst diese Dauerabwesenheit vom Redaktionsbüro sagt etwas über die Party-Intensität dieses Festes aus. Einige Fotos taugen aber noch gerade so zur Veröffentlichung. Wir hoffen, dass sie das belegen können, was wir zusammen mit einigen Tausend Lehrter Festbesucher/innen vier Tage lang gespürt und gefeiert haben: beim Lehrter Schützen- und Volksfest wird jetzt wieder richtig, richtig Party gemacht! - Walter Klinger