Mehr als 600 bei DGB-Maifeier auf dem Lehrter Rathausplatz

Mit einem getanzten „Maibaum“, zusätzlich zu dem bereits am Vorabend vom DGB aufgestellten (rechts im Hintergrund), trug neben den „Wildcards“ Langenhagen mit Drum-Musik der Tanzkreis Lehrte zwischen den Reden zum Maifest auf dem Lehrter Rathausplatz bei. (Foto: Walter Klinger)

Themen waren Leiharbeit, Mindestlohn und Lohndumping

LEHRTE (r/kl). Leiharbeit, Mindestlohn, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Lohndumping, Energiepolitik und die Massenentlassungen bei Vögele waren Themen der Redner bei der diesjährigen DGB-Maikundgebung auf dem Lehrter Rathausplatz.
Ein blauer Himmel mit angenehmen Temperaturen am „Tag der Arbeit“ sorgte für eine positive Stimmung auf dem Lehrter Rathausplatz. Der mit bunten Transparenten und vielen Infotischen von unterschiedlichen Verbänden und Vereinen bestückte Platz sowie die aktuellen Themen trugen dazu bei, dass mehr als 600 BesucherInnen zum Maifest kamen.
Die Maikundgebung begann wie im letzten Jahr auch mit einer ökumenischen Andacht, die der Pfarrer Roman Blasikiewicz und Pastorin Ursula Koopmann gestalteten. Deutliche Worte fand der katholische Pfarrer Roman Blasikiewicz, der die Leiharbeit geißelte: „Leiharbeit und Niedriglöhne machen Menschen abhängig und gefügig. Diese menschenunwürdige Praxis muss unterbunden werden.“
In seiner Eröffnungsansprache ging der Lehrter DGB-Vorsitzende Reinhard Nold auf die am gleichen Tage in Kraft tretende Arbeitnehmerfreizügigkeit ein. Da zum ersten Mai die Übergangszeit endet und in der Europäischen Union die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in Kraft tritt können EU Bürgerinnen und Bürger dann überall in der Union arbeiten.
Nold warnte: „Auch wenn die Arbeitnehmerfreizügigkeit viele Chancen bietet, so kann sie an vielen Stellen auch zu Missbrauch führen. Deswegen muss dringend gehandelt werden.“ Zu den Risiken gehören laut Nold zum Beispiel der mögliche Missbrauch im Bereich der Leiharbeit. Unternehmen könnten Regelungen innerhalb der Arbeitnehmerüberlassungen durch das Ausstellen von Werkverträgen umgehen und deutsche Firmen könnten Töchterfirmen in anderen Ländern gründen, um anschließend ArbeitnehmerInnen zu Bedingungen ihrer Herkunftsländer in Deutschland zu niedrigsten Löhnen arbeiten zu lassen. Deshalb fordern die Gewerkschaften einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro.
Dieser würde, so verwies als Hauptredner der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch auf eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsdienstes Prognos, auch acht Milliarden Euro pro Jahr in die Staatskasse spülen – während sonst ein Ausbluten der sozialen Sicherungssysteme drohe.
Miersch prangerte die Bundesregierung für ihre Energie- und Arbeitsmarktpolitik an: „Die Ethikkommission ist eine Bankrotterklärung. Wenn schon, dann brauchen wir so eine Kommission für den Arbeitsmarkt. Denn was wir da erleben, ist weit von Ethik und Moral entfernt. “
(Neben den Reden konnten die Kundgebungsteilnehmer der Musik der Wildcards lauschen, Kaffee und Kuchen sowie Bier und Bratwürstchen zu sich nehmen, mit den Kindern an einem Spielparcours teilnehmen, ihre Fahrräder von Jugendlichen des SV 06 reparieren lassen, dem Auftritten des Lehrter Tanzkreises verfolgen und sich an vielen Informationsständen informieren.
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Foto: Walter Klinger