Maifeier des DGB auf dem Rathausplatz

Unterstützer der DGB-Maikundgebung (von links): Klaus Sidortschuk (Bürgermeister), Hubertus Heil (Bundesarbeitsminister), Martina Buchheim stellv. Ver.di Ortsvereinsvorsitzende, Matthias Miersch, Bundestagsabgeordneter, Katarina Barley, Bundesjustitz ministerin und Reinhard Nold, vorsitzender des DGB-Ortsvereins Lehrte. (Foto: Privat)
 
Großes Interesse an der Kundgebung auf dem Rathausplatz. (Foto: Privat)

Rente, Pflege und Ungerechtigkeit im Diskurs

LEHRTE (r/gg). Bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein hat es in Lehrte wieder eine überaus gute Teilnahme an der DGB Maikundgebung gegeben. Mehr als Tausend Teilnehmer waren auf den mit bunten Transparenten bestückte Rathausplatz gekommen. Der DGB hatte den Tag der Arbeit in diesem Jahr unter das Motto „Europa. Jetzt aber richtig!“ gestellt.
Im Rund des Rathausplatzes hatten mehr als 20 Vereine, Verbände und Organisationen Stände aufgebaut, darunter Gewerkschaften, Parteien, aber auch das Antikriegshaus, der Kinderschutzbund, der humanistischer Verband, der türkische Elternverein, Autoclub Europa oder der Verein „Mach' meinen Kumpel nicht an“, der sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wendet.
Die Maikundgebung begann wie im letzten Jahr auch mit einer ökumenischen Andacht, die Pfarrer Franz Kurth und Pastorin Gesa Steingräber-Broder gestalteten. Deutliche Worte fand der katholische Pfarrer Franz Kurth, der die soziale Gerechtigkeit einforderte und alle Verantwortlichen gerichtet sagte er: Politiker, Manager und Konzerne dürfen nicht länger nach dem Satz „Nach mir die Sintflut“ Handeln, denn diese Art der Politik wird die nächsten Generationen belasten.
Als der Lehrte DGB Ortsverbandsvorsitzende Reinhard Nold nach der Andacht die Veranstaltung eröffnet, ging er auf die aktuelle Situation der Beschäftigten ein: „40 Prozent aller Berufsanfänger bekommen nur noch befristete Arbeitsverträge, nur noch 27 Prozent der Betriebe sind tarifgebunden und die übelste Strategie der Arbeitgeber zur Umgehung der Tarifbindung ist die Ausgliederung. Dabei werden neue Firmen gegründet und Teile der Belegschaft dorthin ausgelagert.“ Reinhard Nold forderte daher, die Allgemeinverbindlichkeitserklärung für Tarifverträge weiter zu reformieren und das Vetorecht der Arbeitgeber im Tarifausschuss abzuschaffen.
Das Kundgebungsmotto "Europa. Jetzt aber richtig!" verlangte natürlich auch nach klaren Statements aus Gewerkschaftssicht: "Rechte Hetzer und Spalter blasen in vielen EU-Mitgliedsstaaten zum Sturm auf das gemeinsame Haus Europa. Nicht zuletzt weil die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinanderklafft, bröckelt die Solidarität zwischen den EU-Mitgliedern", so die Parole.
In dem anschließenden Interview, dass Reinhard Nold mit der DGB-Jugend führte, antwortete Tabea Völger, Auszubildende zur Heilerziehungspflegerin, „Ich habe Angst vor der Zukunft“. „Dies ist eine klare Antwort und zeigt“, so Reinhard Nold, dass die schlechten Arbeitsbedingungen und Einkommen in der Pflege nicht mehr haltbar sind.“ In diesem Zusammenhang überreichten die jugendlichen Bundesarbeitsminister Hubertus Heil eine Resolution und forderten einen Flächentarifvertrag im Sozial- und Gesundheitswesen sowie die sofortige Einführung bundeseinheitlicher, verbindlicher Personalvorgaben, die dem tatsächlichen Pflegebedarf der Menschen entsprechen. Hubertus Heil und SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl Katarina Barley unterschrieben diese Resolution noch vor Ort mit einem Daumenabdruck.
Auf großes Interesse traf auch die Rede von Norman Happatz, Betriebsratsmitgliede im K+S Kaliwerk Bergmannssegen-Hugo in Sehnde. Er erläuterte wie die Mitbestimmung in den Betrieben von Betriebsräten und Gewerkschaftern umgesetzt wird und auf welche Probleme und Hindernissen sie dabei stoßen. Happatz kritisierte das nur noch 40 Prozent aller Beschäftigten einen Betriebsrat hätten.
Neben ihrem klaren Bekenntnis zu einer stabilen und sozialen Union forderte Katarina Barley, wie zuvor schon Reinhard Nold, Klaus Sidortschuk und Hubertus Heil, am 26. Mai zur Europawahl zu gehen und demokratische Parteien zu wählen.