Lohnforderungen neu formuliert

Mai-Kundgebung in Lehrte mit Gästen (von links): Ekkehard Bock-Wegener, Ernst Ulrich von Weizsäcker , Thordies Hanisch, Reinhard Nold und Matthias Miersch. (Foto: DGB)
 
Ökumenische Andacht auf dem Rathausplatz. (Foto: DGB Lehrte)

DGB-Ortsverband zählt rund 500 Teilnehmer

Lehrte (r/gg). "Nach zwei pandemiebedingten Jahren hat es in Lehrte wieder eine überaus gute Teilnahme an der DGB-Maikundgebung gegeben", so die Bilanz des Kreisvorsitzenden Reinhard Nold. Mehr als 500 Teilnehmer seien auf den mit bunten Transparenten und vielen Infotischen von unterschiedlichen Verbänden und Vereinen bestückten Rathausplatz gekommen.
Die Maikundgebung begann wie im letzten Jahr auch mit einer ökumenischen Andacht, die Pastorin Beate Gärtner und Pfarrer Franz Kurth gestalteten. Reinhard Nold eröffnete die Kundgebung mit einer Ansprache zur aktuellen politischen Lage und verurteilte „die kriegerische Aggression Russlands auf das Schärfste“. Der Krieg stelle „einen beispiellosen Angriff auf die europäische Friedensordnung dar, die auf Freiheit, Menschenrechten, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit basiert“. Die Solidarität der Gewerkschafter gehöre den bedrohten Menschen in der Ukraine, aber auch „den Menschen in Russland und Belarus, die sich mutig gegen diesen Krieg stellen und damit Verfolgung und Repression in Kauf nehmen“. Der DGB sage "ja" zu einer besseren Ausrüstung für die Bundeswehr, aber "nein" zu einer Aufrüstung. Denn keine militärische Friedenssicherung darf zulasten des sozialen Friedens erkauft werden", meinte Reinhard Nold.
Gastrednerin an diesem Tag war Andrea Jeschke, Gesamtpersonalratsvorsitzende in der Lehrter Stadtverwaltung. Sie thematisierte den jahrelangen, vergeblichen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Bezahlung im Erziehungs- und Sozialdienst. Sie komme sich vor wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier.“ Andrea Jeschke erklärte: „Der Wecker klingelt, und es ist wie all die Jahre davor – wir müssen für die Durchsetzung unserer Rechte ständig auf die Straße gehen, um für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen, finanzielle Anerkennung und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel zu kämpfen.“ Sie wache auf, und nichts sei passiert. So habe es bei den gegenwärtigen Tarifverhandlungen auch in der zweiten Runde „kein wirkliches Angebot seitens der Arbeitgeber“ gegeben.
Hauptredner der Lehrter Mai-Kundgebung war Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker. Mit Blick auf die Ukraine sagte er: "Beschimpfungen interessieren und treffen Putin nicht. Vielmehr müsse man mit Afrika und China reden, um herauszufinden, was man für den Frieden tun könne. Denn die Menschen in den arabischen, afrikanischen und asiatischen Regionen empfinden, dass die Europäer und Amerikaner bei ihren Reaktionen und Sanktionen auf gewaltsame Ereignisse mit zweierlei Maß messen. Werden dort Menschen getötet macht das nichts, aber wenn hier weiße Westler sterben ist gleich die Hölle los."
Beim Klimaschutz forderte von Weizsäcker sich ausnahmslos von fossilen Energieträgern unabhängig zu machen. "Für die Bewältigung der Probleme in Zeiten der Transformation mit Arbeitsplätzen sowie mit Preisanstiegen bei Energie und Ernährung haben wir in Deutschland zum Glück starke Gewerkschaften, die für ihre lohnenden Aufgaben weiter gestärkt werden müssen", unterstrich der Umweltwissenschaftler.
Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lehrte, Freya Markowis, fordert mehr Gleichstellung und gleiche Bezahlung für Frauen. Sie sagte: „Unsere Gesellschaft steht vor alten und neuen Herausforderungen, die gleichstellungspolitische Schritte nach vorne unabdingbar machen. Demokratie ohne Gleichstellung ist undenkbar.“