Leidenschaftlicher Vortrag hallt nach

Thema Religiöse Toleranz im St.-Bernward-Verein

LEHRTE (r/gg). Als christliches Abendland wird Europa gerne bezeichnet und in jüngster Zeit gerne auch beschworen. „Doch religiös lebt Europa vom Import“, überraschte Professor Peter Antes gleich zu Anfang seines Vortrages in der St. Bernward-Gemeinde. Knapp 40 Personen waren der Einladung des St. Bernward-Vereines in das katholische Pfarrheim gefolgt, um den international renommierten Orientalisten und katholischen Theologen zu hören. Sie erlebten einen frei und leidenschaftlich sprechenden Streiter für Toleranz, Menschlichkeit und Solidarität, der für die Verständigung zwischen den Religionen und Völkern warb.
Schon als langjähriger Leiter des Institutes für Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover bemühte sich der heute 77-jährige Peter Antes um das friedliche Zusammenleben der abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. In seinem Vortrag erinnerte er das Publikum an die letztlich asiatischen Wurzeln dieser drei Religionen: “Judentum, Christentum und Islam sind aus Asien nach Europa gekommen. Religionsgeschichtlich gesprochen, lebt Europa also vom Import.“ Heute seien neben den einst dominierenden jüdisch-christlichen Glauben an den einen Gott weitere Bekenntnisse in Deutschland getreten, unter anderem erneut aus Asien Buddhismus und Hinduismus. Protestanten und Katholiken machten zusammen keine 60 Prozent der Bevölkerung mehr aus.
Das Reden vom christlichen Abendland oder vom jüdisch-christlichen Erbe will nach Auffassung von Professor Peter Antes abgrenzen und ausschließen, insbesondere gegenüber den Islam. Er ermutigte das Publikum dagegen, die Beziehungen zu anderen Menschen nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit, der Solidarität und der Toleranz sowie der Gleichberechtigung der Geschlechter zu gestalten. Er warb überdies für den Gedanken der Völkerverständigung. Es gelte, die Idee einer gemeinsamen Zukunft der europäischen Völker zu erfassen und zu unterstützen und mit Menschen anderer Nationen und Kulturkreise zusammenzuleben. Dazu gehörte Konflikte zu ertragen und sie vernunftgemäß zu lösen. „In einem solchen Zusammenleben ist für Hasspredigen, die Ablehnung oder Bekämpfung Andersgläubiger, der Demokratie oder der Gleichheit von Männern und Frauen vor dem Gesetz ist kein Platz, im Namen welches Gottes auch immer.“
Er wünsche sich von den Menschen, so Peter Antes, Mut zur Verteidigung der gemeinsamen Werte. „Ich wünsche mir, dass wir den religiösen Pluralismus als Bereicherung erleben. Dass wir ohne Angst weiter eine menschlich-solidarische Gesellschaft in Freiheit und Frieden verwirklichen – und zwar alle Menschen, jede und jeder nach ihren und seinen Möglichkeiten.“