Lehrter Bürgermeisterin kandidiert 2011 nicht wieder

Der Verzicht von Jutta Voß (3.v.l.) kam auch für die Mitglieder der SPD-Fraktion, die hier nach der Ratssitzung den persönlichen Entscheidungsgründen der Bürgermeisterin lauschen, sichtlich überraschend. (Foto: Walter Klinger)

Jutta Voß will nach 40 Jahren im öffentlichen Dienst auch einmal Privatleben genießen

LEHRTE. Just hatte der Lehrter Stadtrat in seiner Sitzung am Montag erwartungsgemäß beschlosen, den Termin für die anstehende Neuwahl des/der Lehrter Bürgermeister/in mit der allgemeinen Kommunalwahl am 11. September 2011 zusammen zu legen, da machte eine persönliche Erklärung von Bürgermeisterin Jutta Voß klar, dass in Sachen Stadtoberhaupt für Lehrte alles offen ist: Sie selbst werde nicht zur Wiederwahl antreten.
Voß warb um Verständnis, dass sie nach über 40 Jahren Berufslaufbahn im öffentlichen Dienst nun nach dem Motto handele, man solle dann aufhören, „wenn man es noch selbst bestimmen kann und es am schönsten ist“.
Zehn Jahre im Amt der Lehrter Bürgermeisterin bedeute für sie eine absolute Krönung ihres Berufsweges, von der sie zu Beginn ihrer Laufbahn nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Sie scheide auch „nicht im Frust“. Aber es sei nicht ihre Sache, etwa nach nur fünf Jahren (der insgesamt achtjährigen nächsten Wahlperiode) vorzeitig aufzuhören.
Die Einbringung des defizitären Haushaltsentwurfes und die Vorstellung des Verwaltungsentwurfes für die Strategischen Ziele der Stadt hatte Voß zuvor noch einmal für eine Überschau der künftigen Perspektiven für Lehrte genutzt. Sie freue sich darauf, in ihrem verbleibenden letzten Jahr noch einige wichtige Dinge gemeinsam auf den Weg zu bringen, sagte die Bürgermeisterin mit Blick auf die Ratsmitglieder.
Die sie um Entschuldigung dafür bat, dass sie – um die Akzeptanz des Amtes zu erhalten – bis jetzt, auch auf entsprechende Fragen, den Eindruck erweckt habe für eine erneute Kandidatur bereit zu stehen. So aber bleibe ausreichend Zeit für ein geeignetes Verfahren, einen Nachfolgekandidaten zu suchen. Dem sie einen so fairen Wahlkampf wünsche, wie sie ihn mit ihrem Mitkandidaten Ronald Schütz von den Lehrter Grünen vor zehn Jahren habe erfahren dürfen.
Einen Seitenhieb verteilte die Bürgermeisterin doch: Auch jene, die hör- und unhörbar an ihrem Stuhl sägten, könnten dies nun lassen und ihre Kraft auf die anstehenden Aufgaben für die Stadt konzentrieren.
Wie Jutta Voß im Anschluss an die Sitzung erläuterte, sei sie vom Sinn einer insgesamt achtjährigen Amtszeit absolut überzeugt. Allein die Planungen für die Nachnutzung der ehemaligen Zuckerfabrik hätten fünf Jahre in Anspruch genommen - da könne man nicht einfach früher oder mittendrin aufhören.
Sie wolle zudem nach vier Jahrzehnten im öffentlichen Dienst mehr Zeit für sich haben. Was sie dann privat tun wolle, weiß die Bürgermeisterin, die in ihrem Beruf kaum Freizeit hat, noch nicht. Aber Privatleben soll es auf jeden Fall sein - noch könne sie dieses ja noch voll genießen.
Die Nachfolgediskussion wird spannend: SPD-Fraktionschef Hans Ahrens und der Lehrter SPD-Vorsitzende der Kernstadt, Klaus Sidortschuk, waren bei der Auseinandersetzung um die Ansiedlung des OBI-Marktes, welche die SPD fast gespalten hat, direkte Kontrahenten. Der aus der Wirtschaft kommendende Vorsitzendes des SPD-Ortsvereins (Stadtverband), Bodo Wiechmann, steht offenbar nicht zur Verfügung.
Und auch die Lehrter CDU hat sich noch nicht zu ihrem Kandidaten oder ihrer Kandidatin geäußert. Ob so vielleicht ein parteiloser oder gar ein grüner Kandidat Chancen hätten – das bleibt erst einmal offen …