„Lassen Sie ihren Hund ruhig ins Bett!“

Drei aus der Themengruppe Hunde sind mit ihren „Dosenöffnern“ der Einladung ins Andere Kino gefolgt (von links): Lilli (12) mit Julia Koutalidis aus Langenhagen, Mabe (3) mit Silke Götting, daneben Bestsellerautorin und Fachfrau Elli Radinger und Joschi (13) mit Ursula Löhmann. (Foto: Susanna Veenhuis)

Bestsellerautorin berichtet über die Weisheit grauer Schnauzen

LEHRTE (sv).). Äußerst aufmerksam lauschen Lilli, Mabe und Joschi den Ausführungen der blonden Dame am Rednerpult. Gelegentliche Zwischenrufe kann Joschi sich nicht verkneifen, und Lilli kommentiert sie. Nur die Jüngste im Bund, der dreijährige Labradormischling Mabe, hält sich schüchtern zurück, schließlich sind mit 12 und 13 Jahren ihre beiden weitaus älteren Artgenossen jetzt Thema: „Die Weisheit alter Hunde“ ist der Titel des neuen Buchs von Elli H. Radinger, aus dem die Bestsellerautorin in lockerem Plauderton Texte und Geschichten wiedergibt. Geschichten, die wohl alle in den plüschigen Sitzreihenen des voll besetzten Anderen Kinos kennen. Denn allein in Deutschland gibt es fast zehn Millionen Hundebesitzer, die alle irgendwann die Erkenntnis trifft, dass ihr „bester Freund“ alt wird.
„Plötzlich wird das freche Eichhörnchen nicht mehr verbellt, der Hund springt nicht aufgeregt um den Baum herum, auf dem es herumturnt. Er verfolgt es nur noch mit den Augen, vielleicht etwas sehnsüchtig und voller Erinnerung an frühere Jagden“, hat Radinger an ihrer eigenen Hündin, der 13 Jahre alten Labrador-Dame Shira, festgestellt. Auch ihren früheren vierbeinigen Weggenossen widerfuhr dies, aber jetzt, wo sie selber die Veränderungen durch das Alter zu spüren bekomme, könne sie auch ihren Hund viel besser verstehen, erklärt die Wolfsforscherin.
Radingers Rede ist ein Plädoyer für in die Jahre gekommene Vierbeiner, die ihren aufmerksamen Besitzern durchaus noch Neues und Interessantes mitzuteilen haben. Ihr Leben lang waren sie uneingeschränkt loyal gegenüber ihren Haltern, selbst, wenn sie nicht immer gut behandelt wurden; sie sind absolute Meister in Gelassenheit und Akzeptanz. „Jetzt ist die Zeit gekommen, Ihrem Hund für seine bedingungslose Liebe etwas zurückzugeben. Lassen Sie ihn beim Sterben nicht alleine. Sie haben die Pflicht, in seiner schwersten Stunde bei ihm zu sein – auch, wenn Sie sagen, das kann ich nicht!“ Sie selber habe deswegen ihre 30-jährigen Wolfsforschungen im Yellowstone Nationalpark unterbrochen, um bei ihrer Shira sein zu können – ein Entschluss, den manche Nicht-Hundehalter schwer nachvollziehen können.
Dennoch rät sie potentiellen Hundehaltern, einen alten Hund aus dem Tierheim anzunehmen und ihm noch eine schöne Zeit zu bereiten – das sei für beide Seiten ein Gewinn. „Alte Hunde haben kaum noch Chancen, vermittelt zu werden.“
Und drei wichtige Tipps gibt es auch noch: „Machen Sie ein Hunde-Testament!“ Bei Krankheit, Unfall oder Tod des Halters lande der Hund in der Regel im Tierheim. Besser ist es, einen möglichen Hundepaten zu finden und zu benennen, der bereit ist, sich im Ernstfall des Tieres anzunehmen. Zudem sollte jeder Tierhalter einen Zettel bei seinen Ausweispapieren mit sich tragen, auf denen vermerkt ist, wie viele und welche Tiere an welcher Adresse allein zu Hause seien und versorgt werden müssten. Und „Rette mich!“-Aufkleber an Haus oder Wohnung seien lebenswichtig für Haustiere und eine wichtige Information für Hilfskräfte im Fall eines Brands oder anderer Katastrophen.
Extra-Applaus gibt es für eine eindeutige Antwort der Expertin auf eine ständige Streitfrage: „Wenn es für Sie okay ist, lassen Sie ihren Hund ruhig ins Bett!“
Den ebenso emotionalen wie informativen Abend verdanken die Besucher der Privatinitiative von Hartmut Henning vom MPC-Privatunterricht-Institut, der mit der Autorin gut bekannt ist und sie zusammen mit dem Buchhändler Jens Veenhuis schon zum zweiten Mal ins andere Kino eingeladen hat.
Demnächst geht es um den nächsten Verwandten des Hundes, den Wolf: Für Mittwoch, 21. November, um 19.30 Uhr hat Henning den NABU-Wolfsbetreuer Peter Griemberg zu dem Multimedia-Vortrag „Verhalten, Ökologie und Schutz des Wolfs in Deutschland“ ins Andere Kino gebeten.