Kundgebung vor dem Rathaus

SPD-Ratsfrau Helga Laube-Hoffmann (links) mit Normen Happatz, IGBC-Vorsitzender der Ortsgruppe Lehrte und Betriebsratsmitglied bei "Kali & Salz". (Foto: Privat)
 
Wirtschaftsminister Bernd Althusmann spricht auf der DGB-Kundgebung auf dem Lehrter Rathausplatz. (Foto: Privat)

DGB baut auf namhafte Gastredner

Lehrte (r/gg) Rund 200 Teilnehmer zählte der DGB-Ortsverband zur Mai-Kundgebung auf dem Rathausplatz, Corona bedingt mit Abstand und ohne Rahmenprogramm. Vor einem Jahr mussten das DGB-Maifest und die darin eingebundene Kundgebung abgesagt werden. „Das war kurz nach dem Corona-Ausbruch, umso mehr sind wir heute positiv überrascht, dass trotz der Pandemie so viele Zuhörer zum Rathaus gekommen sind“, sagt Reinhard Nold, Vorsitzender des DGB Ortsverbandes. Jetzt begann die Kundgebung wie in den vorigen Jahren auch mit einer ökumenischen Andacht, die Pfarrer Franz Kurth und Pastor Andreas Anke gestalteten. Beide Kirchenvertreter griffen das aktuelle DGB-Motto „Solidarität ist Zukunft“ in ihrer Andacht auf. Als Reinhard Nold nach der Andacht die Veranstaltung eröffnet, ging er auf die aktuelle Situation der Beschäftigten ein: „40 Prozent aller Berufsanfänger bekommen nur noch befristete Arbeitsverträge, nur noch 27 Prozent der Betriebe sind tarifgebunden und die übelste Strategie der Arbeitgeber zur Umgehung der Tarifbindung ist die Ausgliederung. Dabei werden neue Firmen gegründet und Teile der Belegschaft dorthin ausgelagert.“ Reinhard Nold forderte deshalb, der Gesetzgeber sollte tarifgebundene Unternehmen und Gewerkschaftsmitglieder privilegieren und bei der Vergabe öffentlicher Aufträge nur die Unternehmen begünstigen, die sich an Tarifverträge halten. "Nur gemeinsam schaffen wir Gerechtigkeit bei der Krisenbewältigung - in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt. Solidarität ist Zukunft", schloss Reinhard Nold seine Ansprache. Nach der Eröffnung der Kundgebung sprach Lehrtes Bürgermeister Frank Prüße ein Grußwort.
Gastredner Sebastian Helmke von der Auszubildendenvertretung der Firma Miele sprach die Probleme während der Corona-Pandemie an. „Viele Auszubildende springen ab, weil sie mit dem Ausbildungsstoff im Homeschooling nicht hinterherkommen. Auszubildende brauchen eine klare Perspektive“, erläutert er und fordert Veränderungen im Prüfungsmodus. Adrian Rosengarten von der Lehrter Fridays-for-Future-Gruppe benannte die Klimawende als größte Herausforderung unserer Zeit: “Für eine Klimawende kämpfen wir gemeinsam mit den Gewerkschaften. Klimaschutz kann nur in Verbinden mit Arbeitsplatzerhalt- und einer sozialverträglichen Transformation einhergehen.“
Gastredner Sascha Eckstein, Personalratsvorsitzender des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) machte sich für Beschäftigte in systemrelevanten Berufen stark: „Es sind nicht die Manager in den Glaskästen, die den Laden am Laufen halten, sondern Müllwerker, Lkw-Fahrer, Lehrer, Kita-Kräfte, Kassiererinnen, Pfleger und viele andere, die nicht ins Homeoffice können.“ Die Arbeit dieser Kollegen werde viel zu oft ungerecht bezahlt.
Hauptredner der Veranstaltung war Bernd Althusmann, Wirtschaftsminister in Niedersachsen. Er ging in seiner Rede auf die Altenpflege ein: „Die Pflege sei für eine immer älter werdende Gesellschaft in Deutschland eine der größten sozialpolitischen Herausforderungen. Die Tarifbindung in der Pflege muss umgesetzt werden.“ Er appellierte an die Arbeitgeber, sich in dieser Frage kooperativ zu zeigen. Von den Zuhörern erhält er für diese Forderung reichlich Beifall. Darüber hinaus griff Bernd Althusmann das diesjährige DGB-Motto „Solidarität ist Zukunft“ auf: „Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, dass es nicht nur auf die finanziellen Hilfen ankomme, sondern vor allem auf die Millionen helfenden Hände, die persönliche Interessen zugunsten der Gemeinschaft zurückgestellt haben."