Kultusminister zu Gast

Gespräch an der Oberschule (von links): Oliver Brandt, Katrin Telschow-Don, Christian Scholz, Grant Hendrik Tonne und Frank Prüße. (Foto: Privat)

Oberschule präsentiert digitales Lernen

Hämelerwald (r/gg). In der Oberschule trafen sich Kultusminister Grant-Hendrik Tonne, Bürgermeister Frank Prüße und Oliver Brandt vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung (ehemalige Landesschulbehörde), um von der Schulleitung zum digitalen Konzept informiert zu werden und die Perspektiven für die digitale Bildung in Niedersachsen zu diskutieren.
Die Oberschule, gegründet im August 2018, befindet sich im Aufbau. Zurzeit gibt es dort die Jahrgänge fünf bis sieben. Ab dem siebten Jahrgang gibt es an der Oberschule Haupt- und Realschulklassen. Während des Ministerbesuchs war die Schule leer. Aufgrund der hohen Inzidenzzahl in der Region gab es keinen Präsenzunterricht. Schüler der Klasse 7aR waren präsent, um den Minister in ihrem Klassenraum willkommen zu heißen. Mit Unterstützung ihres Klassenlehrers Christian Scholz hatten sie eine Videobotschaft vorbereitet. Nach und nach kamen alle zu Wort, um ihre Erfahrungen und Gedanken zum digitalen Lernen und zum Homeschooling mitzuteilen. Demnach fehle den Schülern der Präsenzunterricht und der Kontakt zu den Mitschülern. Der Schutz vor Ansteckung sei zu respektieren.
Christian Scholz, stellvertretender Schulleiter, stellt das Konzept des digitalen Unterrichts an der Oberschule vor. Kultusminister Grant Hendrik Tonne attestiert der Schule schließlich, mit ihrem Konzept und der Umsetzung des digitalen Unterrichts „ganz weit vorne“ dabei zu sein. Er wolle bald wiederkommen, oder auch bald digital in einer Unterrichtsstunde der Klasse dabei sein.
Ursprünglich sah das digitale Konzept der Schule vor, im zweiten Halbjahr der sechsten Klasse den ersten Informatik-Unterricht zu erteilen – mit der Einführung in Hard- und Software sowie Cyber-Sicherheit. Vorher sollte bewusst der Schwerpunkt auf analoge Medien und das „Lernen mit Herz und Hand“ gelegt werden. Mit dem ersten Corona-Lockdown musste innerhalb weniger Wochen eine andere Lösung gefunden werden, um Distanzunterricht bestmöglich zu realisieren. Ein passendes digitales System musste gefunden werden. Eine besondere Schwierigkeit war, dass weder die technische Ausstattung der Schüler zu Hause noch deren technische Fertigkeiten im Umgang mit digitalen Medien bekannt waren. Und weder Kinder noch Lehrkräfte hatten zuvor Unterricht ausschließlich über den Computer kennengelernt. Es galt ein System zu finden, das für alle Beteiligten unkompliziert und leicht zu handhaben war und den Zugang mit jedem mobilen Endgerät und jedem Betriebssystem ermöglichte. „Meine Frau würde sagen, ich habe mich dafür fünf Wochen in meinem Arbeitszimmer eingeschlossen“, sagte Christian Scholz im Scherz. Im April 2020 führte die Schule die Groupware „Google Workspace for Education“ mit Google Classroom als Lern-Management-System ein und war gewappnet für den Distanzunterricht, also das Lernen zu Hause, sowie für den Wechselunterricht.
Die logische Konsequenz war, gleiche technische Voraussetzungen für alle zu schaffen. Die Schulgemeinschaft beschloss also, ab dem Schuljahr 2020/21 ein Chromebook Convertible mit Stiftbedienung in allen Klassen und Jahrgängen einzuführen. Seitdem arbeiten alle Schüler mit dem gleichen Gerät – in der Schule und zu Hause. Sogar die Schulbücher befinden sich in digitaler Form darauf. Schwere Schultaschen gehören damit der Vergangenheit an.
Ein reines Tablet wie ein iPad kam für die Schule aus mehreren Gründen nicht in Frage, da das System zu geschlossen, die Möglichkeiten des iPads zu eingeschränkt und die Hardware zu teuer ist. Außerdem sollten die Kinder das Arbeiten mit einem richtigen Computer inklusive Tastatur erlernen. „Das Wischen müssen wir den Kindern nicht mehr beibringen“, ergänzt Christian Scholz lächelnd.
Obwohl die Stadt Lehrte als Schulträger für die weitere Ausstattung aller Schulen Tablets statt Notebooks vorgesehen hatte, ließ sie sich auf das Hämelerwalder Modell ein. Die Oberschule wurde zur Projektschule. Bürgermeister Frank Prüße betonte: „Wir sind diesen Weg mitgegangen, obwohl wir uns für eine einheitliche digitale Lösung für alle Lehrter Schulen entschieden hatten, was für uns am einfachsten gewesen wäre. Jetzt hat sich ja gezeigt, dass sich das Modellprojekt in dieser Schulform ausgezahlt hat.“
Der Weg der Oberschule musste sich auch sogleich beweisen. Während der ersten Monate dieses Schuljahres wurden die Schüler mit der neuen Hardware vertraut gemacht. Im Umgang mit der Software waren sie mittlerweile routiniert. Dann kam der nächste Lockdown, der nunmehr seit Dezember andauert.
„Eine gute und verlässliche Strukturierung des Schultags und vor allem der enge Kontakt zwischen den Schülern mit ihren Lehrern sind unser besonderes Anliegen. Die Kinder haben es in der sozialen Isolation durch die Pandemie schon schwer genug, deshalb ist der eng getaktete Austausch mit Mitschülern und Lehrkräften – auch wenn es nur über den Bildschirm ist – von besonders großer Bedeutung“, betont Schulleiterin Katrin Telschow-Don.
Jeder Schultag beginnt mit dem Morgengruß, einem Video-Treffen mit der Klassenleitung über das Lern-Management-System. Der Tag wird organisiert und es gibt Gelegenheit sich auszutauschen. Die Arbeitsaufgaben für die Unterrichtsfächer des Tages haben die Schüler kurz zuvor über dieselbe Plattform erhalten. Diese werden digital bearbeitet und der jeweiligen Lehrkraft zur Überprüfung zurückgesandt, ohne dass zu Hause etwas ausgedruckt werden muss. Mehrere Video-Treffen mit den Fachlehrern begleiten den schulischen Vormittag, der mit dem Mittagstreff mit der Klassenleitung seinen Abschluss findet. Der schulfachliche Dezernent Oliver Brandt berichtet vom positiven Echo aus der Elternschaft – die Umsetzung des Unterrichts in der Oberschule im Distanzunterricht stoße auf große Zustimmung.