KRH-Klinikum meldet oositives Ergebnis

Michael Born, KRH Geschäftsführer Personal, Regionspräsident Hauke Jagau, KRH Aufsichtsratsvorsitzender, Barbara Schulte, KRH Geschäftsführerin Finanzen, Dr. Matthias Bracht, KRH Geschäftsführer Medizin, Michael Borges, Stellvertretender KRH Aufsichtsratsvorsitzender. (Foto: Region)

Fachkräftemangel und gesetzliche Vorgaben verschärfen die Situation

REGION (r/gg). Ein positiven Konzernergebnis in Höhe von 1,36 Millionen Euro meldet das KRH-Klinikum für das Geschäftsjahr 2018. Die betrieblichen Erträge des Konzerns blieben mit 610,5 Millionen Euro allerdings hinter dem Planwert von 615,9 Millionen Euro. Bei den Fallzahlen in den somatischen Krankenhäusern verzeichnet das KRH einen Rückgang auf 117.062 Fälle (2017 waren es 121.468 Fälle). In den psychiatrischen Kliniken ging die Zahl der Behandlungstage von 277.240 auf 273.188 zurück.
Für das positive Ergebnis seien vor allem die KRH-Mitarbeiter verantwortlich, die die Medizinstrategie des Klinikums erfolgreich umgesetzt und so zu Leistungssteigerungen beigetragen haben. „Die Anstrengungen der zurückliegenden Jahre haben sich gelohnt“, so Regionspräsident und KRH-Aufsichtsratsvorsitzender Hauke Jagau. „Als drittgrößter kommunaler Krankenhauskonzern Deutschlands kann das KRH heute besser auf die sich rapide verschlechternden Rahmenbedingungen in der deutschen Gesundheitspolitik reagieren. Insofern ist es bemerkenswert, dass wir in der Lage waren, 2018 noch ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen.“
Michael Borges, stellvertretender Vorsitzender des KRH-Aufsichtsrates, ergänzt: „Mein Dank geht an die Beschäftigten des KRH. Sie mussten sich wieder mit strukturellen Veränderungen auseinandersetzen. Das beinhaltet auch immer wieder zusätzliche Belastungen, wobei durch den Fachkräftemangel eine hohe Flexibilisierung abgefordert wird und durch die zunehmende Bürokratisierung Zeit am Patienten verlorengeht. Statt Wertschätzung zu zeigen, werden unsere erbrachten Leistungen durch die immer stärker werdenden Krankenkassenprüfungen (MDK) in Frage gestellt und erst recht nicht honoriert. Unser Respekt und Anerkennung gilt allen Beschäftigten des KRH, die unter diesen schwierigen Bedingungen die Patientenversorgung in der Region Hannover sicherstellen.“
Die Veränderungsgeschwindigkeit im deutschen Krankenhauswesen hat sich im vergangenen Jahr weiter beschleunigt, das Unternehmen konnte dem aber mit Maßnahmen zur weiteren Professionalisierung erfolgreich begegnen. „Im Alltag war das für unsere Beschäftigten in den betroffenen Bereichen nicht immer nachvollziehbar“, so die drei KRH Geschäftsführer Michael Born (Personal), Dr. Matthias Bracht (Medizin) und Barbara Schulte (Finanzen und Infrastruktur). „Hier möchten wir uns noch einmal für die Bereitschaft ausdrücklich bedanken, sich lösungsorientiert in die notwendigen Maßnahmen einzubringen und diese dann auch mitzutragen. Ohne das hohe Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Führungskräfte wäre dies nicht möglich gewesen.“
Nach Einschätzung der Geschäftsführung wird es 2019 nicht mehr gelingen, ein positives Jahresergebnis zu erreichen. Ein Blick in die deutsche Krankenhauslandschaft zeigt, dass diese Entwicklung nicht nur das KRH betrifft. Durch die Einführung der Fallpauschale im Jahr 2003 wurden die Krankenhäuser im verstärkten Wettbewerb angehalten, sich möglichst wirtschaftlich zu organisieren.
Die Ursachen für den Leistungsrückgang sind vielfältig: Ein wesentlicher Faktor ist der bereits prognostizierte und sich weiter verschärfende Fachkräftemangel. Der finanzielle Druck im Gesundheitssystem hat dazu geführt, dass Pflegepersonal im Krankenhaus kontinuierlich abgebaut wurde. Das stellt nicht nur ein Problem für die gesetzlich geregelte Leistungserbringung dar, sondern gefährdet perspektivisch auch das Patientenwohl. Neben möglichen Versorgungsengpässen hat dies massive Auswirkungen auf die Krankenhäuser selbst: Verminderte Kapazitäten führen zu weniger Behandlungsfällen und zu weniger Erlösen. Finanzielle und versorgungsbedingte Defizite sind die logische Folge.
In zunehmendem Maße werden die Rechnungsstellungen der Krankenhäuser auf Anforderung der Krankenkassen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen geprüft und in der Folge gekürzt. Im Klartext heißt das: Der Medizinische Dienst prüft und bewertet nach Abschluss einer medizinischen Behandlung, ob überhaupt eine stationäre Krankenhausbehandlung notwendig und ob jeder einzelne Tag der Krankenhausbehandlung begründet war. Für die Kliniken bedeutet es einen hohen Aufwand, diese Prüfung zu begleiten und zu dokumentieren. In der Summe nehmen die Rechnungskürzungen des Medizinischen Dienstes in den Krankenhäusern durch einen massiven Aufbau der Ressourcen auf deren Seite deutlich zu. Für das KRH bedeutet das Verluste in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags. Diese Erlöse fehlen den Krankenhäusern in ihren Ergebnissen, zumal die Leistungen als solches erbracht wurden.
Das deutsche Gesundheitssystem sieht weiterhin eine strenge Trennung der ambulanten und stationären Versorgung vor. Gleichzeitig bewirken Innovationen und Entwicklungen in der Medizin, dass viele Behandlungen nicht mehr stationär im Krankenhaus erfolgen müssen. Allerdings werden Krankenhäuser in der Notfallversorgung von Patienten mit leichteren Erkrankungen und Verletzungen geradezu überlaufen. Aus der reinen Versorgungssicht entscheiden sich gerade Krankenhäuser in der Fläche häufig dafür, diese Fälle zu behandeln. Anschließend werden sie durch die Krankenkassen mit dem Hinweis auf eine medizinisch mögliche ambulante Versorgung bestraft und die Rechnung für die erbrachte Leistung wird nicht bezahlt. Mehr als die Hälfte aller Rechnungskürzungen der Krankenkassen berufen sich auf vermeintliche Fehlbelegungsfälle.