(Kreis-)Sozialverband Burgdorf befragte Kandidaten in bitterer (Sonnen-)Kälte

Befragung am SoVD-Mobil durch Hans-Egon Seffers (3.v.r.) und Britta Weizenegger (2.v.r.): Die Landtagskandiaten Hans-Jürgen Hey (Piraten), Thomas Dreeskornfeld (FDP), Hans-Jürgen Licht (SPD), Detlef Knauer (Bündnis '90/Die Grünen), Dr. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (CDU) und Agnes Hasenjäger, Kreisvorsitzende der Linken. (Foto: Walter Klinger)
 
An Infoständen um das SoVD-Mobil standen die Parteien (bis auf die FDP) für ergänzende Gespräche über ihre Programmaussagen zur Landtagswahl bereit. (Foto: Walter Klinger)
Lehrte: Zuckerpassage im EKZ Zuckerfabrik Lehrte |

"Outdoor"-Diskussion im EKZ "Zuckerfabrik" Lehrte zeigte die Gegensätze auf

LEHRTE. Nicht immer sei es leicht, Politiker als Gesprächspartner für drängende soziale Probleme zu bekommen, bekannte die Sozialberaterin des Kreisverbandes Burgdorf (7.000 Mitglieder in 18 Ortsverbänden) Britta Weizenegger, gemeinsam mit Mitarbeitern des Sozialverbandes Niedersachsen im SoVD Deutschland. Da machte der SoVD-Kreisverband es anders: Vor der Kulisse des Beratungsmobils des SoVD-Landesverbandes (und umrahmt von Info-Ständen der zu vertiefenden Gesprächen bereit stehenden Parteien) im EKZ "Zuckerfabrik" holte er am Samstagmittag die örtlichen LandtagskandidatInnen zu einer "Outdoor-Kandidatenbefragung" zusammen.
Kreisvorsitzender Hans-Egon Seffers moderierte die Diskussion, die bei bitterer Kälte von dennoch schönstem Sonnenschein begleitet wurde. Gleichfalls Gegensätze wurden dabei auch bei den Konzepten der Parteien zum Pflegenotstand, Altersarmut und Teilhabe Behinderter durch Inklusion deutlich.
Seffers und Britta Weizenegger nutzten dabei die Gelegenheit, SoVD-Forderungen wie den 10-Punkte-Forderungskatalog gegen Altersarmut vorzustellen. Gegensätze offenbarten sich bei den Parteien schon beim Thema Mindestlohn, den Hans-Jürgen Licht (SPD), Detlef Knauer (Bündnis '90/Die Grünen) Hans-Jürgen Hey (Piratenpartei) und - als Vertreterin der nach dem Mord an drei kurdischen Aktivistinnen nach Paris gereisten Gülten Kelloglu - die Linken-Kreisvorsitzende Agnes Hasenjäger als gesetzliche Vorgabe befürworteten. Dr. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (CDU) und Thomas Dreeskornfeld (FDP) betonten ebenfalls die Notwendigkeit eines Lohns, der zum Leben reicht - festgelegt werden müsse dieser aber von den (Tarif-)Partnern der einzelnen Branchen, die eben auch nur auf unterschiedlich hohem Niveau zahlen könnten.
Unterschiedliche Meinungen gab es auch zum Pflegenotstand: Während Deneke-Jöhrens von der CDU (wie auch die FDP) auf die Übernahme der Ausbildungskosten für künftige AltenpflegerInnen durch das Land verwies, forderte Hans-Jürgen Licht von der SPD die gemeinsam mit den Grünen beantragte Pflegekammer als gesetzliche Institution und Lobby für die Pflegeberufe und auch höhere Entlohnung. Das bedeute mehr Bürokratie, sei Unsinn: "So etwas wird zwischen den tatsächlich Beteiligten ausgehandelt, das lernen Sie dann später noch, wenn Sie in den Landtag kommen sollten", sagte der bereits als CDU-Abgeordneter tätige Deneke-Jöhrens. Unverständnis trage dieser "wie ein Mantra" vor sich her, auch mit der Unterstellung für den Bildungsbereich, die SPD wolle die Gymnasien abschaffen, konterte Licht, der als Personalrat der Stadt Hannover daran beteiligt war, dass die MitarbeiterInnen für den Beibehalt der städtischen Heime auf zwei Prozent Gehalt verzichteten.
Erstmals kam damit im hiesigen, bislang sehr sachlichen Landtagswahlkampf so etwas wie Leidenschaft auf. SoVD-Kreisvorsitzender Hans-Egon Seffers war es zufrieden, denn soziale Mißstände sind natürlich mit Emotionen verbunden und sicher auch als Motivation für die politischen Initiativen erforderlich, welche die Folgen für die Betroffenen abmildern sollen . . .