Kostümierte Revue begeisterte am „Internationalen Frauentag“ in Lehrte

Humorvoll und informativ führte die Kostümrevue durch „100 Jahre Frauenbewegung in 20 Minuten“. (Foto: Sabrina Dickhaeuser)
 
Die vier Gleichstellungsbeauftragten (v.l.) Petra Pape, Mona Achterberg, Anne Kirchenbüchler und Annette Wiede führten humorvoll und informativ durch „100 Jahre Frauenbewegung in 20 Minuten“. (Foto: Sabrina Dickhaeuser)

Durch „100 Jahre Frauenbewegung in 20 Minuten“ in der Galerie

LEHRTE. Auch für die Gleichstellungsbeauftragten der Städte Lehrte, Burgdorf, Isernhagen und Langenhagen ist die von der Emanzipations-Ikone Alice Schwarzer gefordete Abschaffung des Internationalen Frauentages völlig abwegig – und auch deshalb wurde dessen 100. Geburtstag in Lehrte gebührend gefeiert. Aus Anlass des besonderen Jubiläums waren unter den Gästen in der Städtischen Galerie Lehrte viele Damen, die sich wie ihre Urgroßmütter zur Jahrhundertwende gekleidet hatten.
Sie trugen – wie 1911 üblich – große Hüte, Sonnenschirme und Handschuhe, die bis zur Armbeuge reichten. Thema an diesem Abend war die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und dabei wurde schnell festgestellt, dass längst noch nicht alles erreicht ist.
So beispielsweise bei der eigenständigen Existenzsicherung für alle Frauen und auch bei Lohnzahlungen, denn laut Statistiken der Hans-Böcker-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zählt Deutschland mit einem Lohnabstand zwischen Männer und Frauen in Höhe von 23 Prozent weiterhin zu den Negativ-Schlusslichtern in Europa.
Gesprochen wurde auch über die geforderte Frauenquote von mindestens 40 Prozent für politische und wirtschaftliche Führungsgremien und steuerliche Familienförderung statt Ehegattensplitting.
Diese noch nicht erfüllten Forderungen ließen die Frage aufkommen, warum es Frauen gibt, die den Internationalen Frauentag abschaffen möchten, denn mit ihm werde schließlich immer auch jenen Frauen gedacht, die einen langen Atem bei der Durchsetzung von Forderungen bewiesen haben. Noch bis 1977 durften Frauen ohne Einwilligung ihres Ehemannes nicht einmal arbeiten gehen.
Heute wiederum befänden sich Frauen in einer Zerreißprobe, für die es den Oberbegriff „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ gibt. „Ich habe es nicht trotz der Kinder geschafft, ich habe es wegen den Kindern geschafft,“ äußerte sich eine alleinerziehende Mutter zu diesem Thema. Ein Satz mit Aussagekraft für alle die, welche diese Erfahrung nachvollziehen können.
Für die Lehrter Frauenbeauftragte Annette Wiede ist klar, dass der Internationale Frauentag immer auch einen Anlass geben wird, an das zu erinnern was noch nicht erreicht worden ist. Sie sagte: „Nicht zuletzt durch Medienpräsenz sind wir unter anderem beim Thema ,Frauenquote' sehr weit fortgeschritten, da wäre es doch wirklich eigenartig, wenn diese nicht tatsächlich erreicht werden kann und auch ein Internationaler Frauentag bietet einen guten Anlass an dieses Vorhaben zu erinnern.“
Warum und wofür die Frauen seit Jahrzehnten kämpfen, zeigten die Gleichstellungsbeauftragten Petra Pape aus Burgdorf, Mona Achterberg aus Isernhagen, Annette Wiede aus Lehrte und Anne Kirchenbüchler aus Langenhagen in ihrer Theaterinszenierung „100 Jahre Frauenbewegung in 20 Minuten“. Für ihre abwechslungsreichen, humorvollen und anspruchsvollen Beiträge in zeitgenössischer Kostümierung ernteten sie Applaus von einem begeisterten Publikum.
Im Anschluss verköstigten sich die Damen (und ein auch einzelner Herr) am reichhaltigen Buffet. In geselliger Runde endete der 100. Internationale Frauentag in der Städtischen Galerie. Seine TeilnehmerInnen hoffen, dass es er auch noch an seinem nächsten „runden“ Geburtstag von vielen Frauen in der ganzen Welt gefeiert wird.
BILDUNTERSCHRIFT:
Die Gleichstellungsbeauftragten (v.l.) Anne Kirchenbüchler (Langenhagen), Mona Achterberg (Isernhagen), Petra Pape (Burgdorf), Annette Wiede (Lehrte) sowie die bei der Frauenwoche aktiven Ursel Bode, Christa Siems und Regina Steingräber feierten am Internationalen Frauentag in der Städtischen Galerie Lehrte.