Kontrastreiches Programm am 21. Oktober

Konzert mit geistlichen Elementen in der Nikolauskirche

LEHRTE (r/gg). Die alte Dorfkirche, die Nikolauskirche, fristete lange Jahre ein Nischendasein, war Schule und Museum oder stand leer, in den sechziger Jahren drohte sogar der Abriss. Doch besonders den Menschen im alten Dorf lag diese Kirche am Herzen, und sie engagierten sich mit Leidenschaft und finanziellem Beitrag, dass sie zu neuem Leben erweckt wurde. Am 16. Oktober 1968, wurde die Nikolauskirche wieder eingeweiht und als Kirche in Betrieb genommen. Ein Förderverein wurde im Jahr 1994 gegründet und hat über die Jahre einen hervorragenden Anteil daran, dass die alte Dorfkirche nun in dem Glanze erstrahlt, den sie jetzt vorweisen kann. Die offizielle Wiedereinweihung jährt sich nun zum fünfzigsten Mal. Das soll mit einem Konzert mit geistlichen Elementen, musikalisch gestaltet von Heide und Peter-Ludwig Dahlhoff, am Sonntag, 21. Oktober, um 17 Uhr in der Nikolauskirche gefeiert werden. Ein Sektempfang schließt sich an.
Das Konzertprogramm beinhaltet Musik für Flöte und Cembalo, die zwischen 1767 und 1799 geschrieben wurde - also etwa die Zeit der Entstehung der musikalischen Klassik, welche der Epoche des Barock folgte. Die drei Hauptströmungen dieser Zeit des Übergangs - Galanter Stil, Empfindsamkeit, Sturm und Drang – werden in exemplarischen Musikwerken vorgestellt.
Mit einer Sonate für Flöte und Cembalo von Niccoló Dôthel, deren Handschrift aus dem Jahr 1770 von Peter-Ludwig Dahlhoff in eine heute lesbare Fassung gebracht wurde, ist eine galante Komposition der reinen Lebensfreude zu hören, wie sie nur in Frankreich möglich war.
Diese Musik wirkt wie die musikalische Umsetzung der lieblichen Schäferszenen, Bauernfeste, Gaukler - und   Zirkusartistenbilder, wie sie von dem Rokokomaler Antoine Watteau gemalt wurden.
Im Gegensatz dazu folgt eine Cembalosonate von Joseph Haydn aus dem Jahr 1776, die den revolutionären Geist des Sturm und Drang atmet, den man gemeinhin von Haydn nicht erwartet.
Der empfindsame Stil der sogenannten Berliner Schule wird von einer Sonate des Bach-Schülers Johann Philipp Kirnberger vorgestellt. In der damaligen Auseinandersetzung zwischen italienischem und französischem Stil haben sich die Berliner Komponisten um 1750 für den „vermischten deutschen“ Stil entschieden, dessen besondere Eigenschaft seine „Tiefsinnigkeit“ war. Darunter verstanden die Berliner Komponisten die Anwendung bestimmter harmonischer und melodischer Wendungen, die kompositionstechnisch nicht so einfach zu beherrschen waren und später zur Grundlage der musikalischen Klassik wurden.
So endet das Konzert mit einer exemplarischen klassischen Sonate von Joseph Haydn für Flöte und Klavier in G-dur nach dem Streichquartett op 77 Nr. 1. Der umständliche Titel ist der Tatsache geschuldet, daß es von Haydn keine einzige Originalkomposition für Flöte und Klavier gibt. Erst der Komponist und Haydn-Fan August Eberhard Müller (1767 – 1817) hat zu Beginn des 19. Jahrhunderts Haydns Streichquartett zu einer Sonate für Flöte und Klavier (Cembalo) bearbeitet.
Das musikalische Programm wird von Heide Dahlhoff, Flöte und Peter-Ludwig Dahlhoff, Cembalo, gestaltet. Die geistlichen Elemente werden von Pastorin Gesa Steingräber-Broder und Pastor (im Ruhestand) Bernd Böhme beigetragen. 
Nach der Veranstaltung wird um eine Spende für die Nikolauskirche gebeten.