Knappe Bürgermeisterwahl wird wohl nicht nachgezählt

Zitterpartie bis zuletzt: Sevil Polat (li.) führte stundenlang beim letzten für die SPD zu vergebenden Sitz im Rat, dann fiel dieser bei Bekanntgabe des letzten Briefwahlbezirkes mit 14 Stimmen Vorsprung ihrem Parteifreund Christoph Lokotsch (re.) zu – die beiden Nachwuchspoltiker standen die Zitterpartie feundschaftlich gemeinsam durch. (Foto: Walter Klinger)
 
Nach der knappen Wahl von Klaus Sidortschuk (li.) zeigte sich der unterlegene Björn Rust (2.v.l.) als guter Verlierer und gratulierte dem künftigen Lehrter Bürgermeister. Eine Nachzählung der Wahl strebt seine CDU nicht an. (Foto: Walter Klinger)

Wahlprüfungsausschuss bestätigt die Lehrter Wahlergebnisse

LEHRTE. Trotz des knappen Ergebnisses der Bürgermeisterwahl mit nur 61 Stimmen Vorsprung für Klaus Sidortschuk von der SPD und 333 ungültigen Stimmen wird es wohl keine Neuauszählung der abgegebenen Stimmen geben. Die Vertreter der Parteien haben am Donnerstag bei der Sitzung des Wahlprüfungsausschusses die Ergebnisse der Bürgermeister-, Stadtrats- und Ortsratswahl in der Stadt Lehrte und ihren Ortsteilen so bestätigt, wie vom Wahlamt ermittelt.
Zwar haben die Führungskräfte der beim Bürgermeister knapp unterlegenen CDU durchaus Anregungen aus dem Mitliederkreis erhalten, eine Nachzählung in Betracht zu ziehen. Immerhin fehlten (wie berichtet) eingeplante Wahlhelferinnen, was in einzelnen Wahllokalen schlichtweg zu Stress besonders bei der Auszählung führte. Auch der hohe Anteil der BriefwählerInnen führte zum sehr späten Auszählungsende erst um 02.16 Uhr. Damit war die Stadt Lehrte das absolute Schlusslicht unter den 21 Kommunen der Region Hannover.
Vielleicht lag es an der Uhrzeit, dass sich unser Redakteur bei der ehrenamtlich geleisteten Arbeitszeit der WahlhelferInnen verrechnete: Sie leisteten – wie in unserer Mittwochsausgabe dargelegt – tatsächlich „nur“ bis zu elf Stunden im Wahllokal und nochmals bis zu acht Stunden bei der Auszählung der Stimmzettel der vier Wahlgänge. Mithin waren – durch die kurzfristige Abmeldung von gleich zwölf Wahlhelferinnen wurden „Doppelschichten“ erforderlich – einzelne der Ehrenamtlichen damit (inklusive der einstündigen Mittagspause) 20 Stunden für die lokale Demokratie auf den Beinen – die An- und Abfahrt beim Transport der Unterlagen ins Rathaus noch nicht mitgerechnet.
Natürlich waren auch Vorstand und Fraktionsspitze der CDU am Wahlabend im Rathaus unterwegs, haben mit den Wahlvorständen gesprochen und sind offenbar zu der Auffassung gekommen, dass diese trotz der Erschwernisse gute und korrekte Arbeit geleistet haben. Zudem wurde die Bürgermeisterwahl als erste ausgezählt, und es gab hier nur eine Stimme. Allerdings hatten noch ein zweiter Wahlgang einen weißem Stimmzettel – und deshalb gab es beim Einwerfen schon mal Irritationen.
Absolut nicht belohnt wurde das Ausharren bis spät für die Ahltener Wahlhelferin Ulrike Leiser. Sie schrieb uns diese Anmerkung: „Bedanken möchte ich mich bei einem Dieb in Ahlten. Am Wahltag war ich als Helferin eingeteilt und stellte mein Fahrrad vor dem Wahllokal ab.
Nach der Auszählung der Stimmen am Montag gegen 00.10 Uhr ging ich zu meinem Fahrrad und stellte fest, dass jemand den Stoffeinsatz für meinen Fahrradkorb entwendet hatte. Von den 25 Euro Aufwandsentschädigung für zwölf Stunden Dienst im Wahllokal kaufe ich mir jetzt einen neuen Einsatz.
Das rundete für mich diesen ereignisreichen Tag ab und lässt einige Fragen für mich offen. Wahrscheinlich darf ich froh sein, dass die Reifen noch ganz waren oder noch besser das Fahrrad noch an Ort und Stelle stand … Vielen Dank!“.
Insgesamt war aber zu beobachten, dass den WahlhelferInnen ihr Amt offenbar Spaß bereitet hat. Bei der nächtlichen Ankunft am Rathaus präsentierten sie sich mit viel Teamgeist. Auch fanden wir niemand von ihnen, der sich nicht nochmal für diese Aufgabe melden würde, bei der manche sogar Freundschaft geschlossen haben.
Auch zu beachten ist: Eine Kommunalwahl vom Ortsrat bis zur Region ist deshalb personell besonders heikel, weil die vielen KandidatInnen sich nicht für den Einsatz in den Wahllokalen melden dürfen, was sie bei anderen Wahlen recht häufig tun.
Kritik aus der Bevölkerung gab es an den Mitarbeiterinnen der Stadt Lehrte. Sicherer Job, gesichterte Arbeitszeiten – könnten die sich dafür nicht mal als WahlhelferIn erkenntlich zeigen? Einige Dutzend machen das tätsächlich, nicht nur auf Amtsleiter-, sondern auch auf Sachbearbeiter-Ebene. Aber auch hier, wie in der Gesamtbevölkerung, könnten es noch ein paar mehr Freiwillige sein … Walter Klinger
BILDUNTERSCHRIFT:
Zitterpartie bis zuletzt: Sevil Polat (li.) führte stundenlang beim letzten für die SPD zu vergebenden Sitz im Rat, dann fiel dieser bei Bekanntgabe des letzten Briefwahlbezirkes mit 14 Stimmen Vorsprung ihrem Parteifreund Christoph Lokotsch (re.) zu – die beiden Nachwuchspoltiker standen die Zitterpartie feundschaftlich gemeinsam durch. Foto: Walter Klinger