Klassenraum für Grundschüler gesperrt

Asbestbelastung in der Raumluft gemessen

LEHRTE (gg). Es war eine der üblichen Elterninitiativen, das Renovieren von Klassenräumen in Schulen, die vor rund vier Wochen in der Grundschule an der Masch zu einer bösen Überraschung geführt hat. Putz krümelte von den Wänden, und eine von den Eltern bei der Stadtverwaltung angeforderte Schadstoffuntersuchung auf Asbest offenbarte einen positiven Befund. Schockiert reagierten die Eltern, die bei der Renovierung tätig waren. Bekanntlich sind Asbest-Partikel, die sich aus dem Feststoff bei mechanischer Einwirkung lösen und in die Atemluft gelangen, krebserregend. „Innerhalb der nächsten Wochen wird eine Anzeige gegen die Stadtverwaltung wegen Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft eingehen und bei der Schulaufsicht eine Anzeige wegen Unterlassung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht“, so die Ankündigung von Michael Nesemann von der Initiative Pro-Kids-Lehrte. Er selbst hat sich, zusammen mit anderen, in der mit Asbest belasteten Luft im Klassenraum aufgehalten und denkt an die Schüler. Da es üblicherweise in Klassenräumen lebhaft zugeht, an Wände angestoßen wird, könnten auch sie den Asbest-Partikeln in der Luft ausgesetzt gewesen sein. Schnell stellte sich die Frage, ob alle Klassenräume belastet sein könnten und ob nach Ferienende Unterricht in diesen Räumen stattfinden könnte. Michael Nesemann forderte Antworten ein. Eine Stellungnahme gaben die Ratsfraktionen von SPD, Grünen und Linken ab, forderten einen transparenten Umgang mit dem Thema und die Einbindung aller Beteiligten. „Die Stadtverwaltung hat angekündigt, ein Informationsgespräch über den Fund gemeinsam mit der Schulleitung und den Elternvertretern und -vertreterinnen zu führen, das ist ein wichtiger erster Schritt“, erklärt Thomas Diekmann (SPD), Vorsitzender des Schulausschusses. Auch die Information des Gesundheitsamtes durch die Verwaltung und die umgehende Sperrung des betroffenen Raumes wird von der Mehrheitsgruppe im Rat begrüßt. „Wir erwarten, dass nun zügig mit den nötigen Sanierungsmaßnahmen begonnen wird“, betont der Schulpolitiker Christoph Lokotsch (Linke) und Carsten Milde (B90/Grüne) verweist auf das politische Programm der drei Fraktionen: „Wir haben vor der Sommerpause den Auftrag an die Verwaltung erteilt, in allen Lehrter Grundschulen den Sanierungsbedarf und eine etwaige Schadstoffbelastung zu prüfen. Dass das Thema nun so dringlich wird, war nicht vorherzusehen, aber es zeigt, dass diese Prüfung schnell beginnen muss.“ Die Kommunalpolitiker werden außerdem dafür sorgen, dass das Thema auf der nächsten Sitzung des Schulausschusses am 22. August behandelt wird, so dass eine umfassende Information der Öffentlichkeit erfolgen kann. Die Sitzung soll hierfür auch an der Grundschule An der Masch stattfinden. Auf Marktspiegel-Nachfrage erklärt Verwaltungssprecher Fabian Nolting, dass alle 17 Klassenräume der Grundschule An der Masch auf Schadstoffe in der Raumluft untersucht worden seien. Eine zusätzliche Materialprobenuntersuchung laufe parallel. Die Ergebnisse der Untersuchung lägen noch nicht vor, sollen aber bis Schulbeginn vorliegen. Auf Nachfrage, ob die entsprechenden Dokumente zur Bauausführung (bei Erstellung der Grundschule) geprüft worden seien antwortet Fabian Nolting: „Das Schulgebäude wurde im Jahr 1899 gebaut und in den Jahren 1957 und 1964 erweitert. Dokumente mit detaillierten Informationen hinsichtlich der verwendeten Materialen und Baustoffe sind nicht vorhanden.“ Zu beachten sei, so Fabian Noltings Hinweis, dass Asbest bis Mitte der 90er Jahre ein gängiger Baustoff gewesen sei und theoretisch quasi überall zu finden sein könnte, auch in privatem Wohnungsbau. Michael Nesemann lässt das nicht gelten, kritisiert den Sanierungsstau in den Lehrter Schulen allgemein. Er sagt: „Ich persönlich wünsche mir, dass es keine Entschuldigung ist, dass es in der Republik an den überwiegend meisten Stellen genauso aussieht.“ Klar sei, nach Auskunft der Stadtverwaltung, dass die mit Asbestbelastung attestierten Klassenräume gesperrt bleiben und saniert werden müssen. Ob und welche alternativen Räume für die Grundschüler nutzbar sein werden, ist noch offen.