Klangrausch in der Matthäuskirche

Der Chor der Matthäus-Kantorei erfüllte beim Konzert am zweiten Advent alle Erwartungen. (Foto: Privat, Andreas Wilkening)

Kantorei und Solisten begeistern mit Adventsmusik aus Frankreich

LEHRTE (r/gg). In der Matthäuskirche gab es am zweiten Advent ein Musikereignis der Extraklasse. Gut 250 Zuhörer in der gut besetzten Kirche lauschten der weihnachtlich-romantischen Klangwelt der Komponisten Charles Gounod, Gabriel Fauré und Camille Saint-Säens und konnten das besondere Gespür miterleben, dass diese französischen Meister für die Advents- und Weihnachtszeit komponiert haben. Schon zu Beginn erklang von der Orgelempore mit dem „Magnificat“ von Charles Gounod ein vierstimmiger Freudengesang, dargeboten von den Solisten Anne Bretschneider (Sopran), Claudia Erdmann (Alt), Jan Kristof Schliep (Tenor) und Sven Erdmann (Bass). Moritz Backhaus begleitete an der Matthäus-Orgel und konnte danach mit zwei kunstvoll registrierten Solowerken zeigen, welch wundervolle Klangbreite die vor zwei Jahren restaurierte Matthäus-Orgel inzwischen zu entfalten vermag. Danach war es Jan Kristof Schliep, der mit einem traditionellen Hirtenlied aus Frankreich das Publikum in Erstaunen versetzte, in dem er das Vor- und Nachspiel dieses anmutigen Stückes mit einem Dudelsack begleitete und damit an die höfische Tradition des französischen Barock erinnerte, in dem dieses Instrument häufig als „musette de cour“ zum Einsatz kam. Linda Frank war es dann vorbehalten, mit einem „Nocturne“ in einfühlsamer Weise mit ihrer Harfe einen weiteren reizvollen Klang in die Kirche zu zaubern.
Im Mittelpunkt des Konzerts stand jedoch das „Oratorio de Noel“ von Camille Saint-Saens. Ein Werk, das an Johann Sebastian Bach’s Weihnachtsoratorium denken lässt, aber in seiner ausgewählten Instrumentation (Streichorchester, Harfe und Orgel) und den wechselseitigen Gesangspartien zwischen Chor und Solisten ein ganz eigenes, romantisch-gefärbtes Klangbild erzeugt. Die Matthäus-Kantorei unter der Leitung von Birgit Queißner zeigte sich bestens präpariert und bildete mit den Solisten und Instrumentalisten einen wohl abgestimmten Ensembleklang. Besonders erwähnenswert das bestens ausbalancierte Zusammenspiel von Moritz Backhaus an der Orgel (Empore) mit den musizierenden Akteuren im Altarraum. Eine wahrhaft klangprächtige Interpretation dieses Werkes, das mit dem „Tollite hostias“ alle Beteiligten noch einmal zu einem großartigen Schlusschor zusammenführte. Zum Konzertabschluss konnten die Zuhörer mit der Vertonung des „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré dann noch einmal der ganzen ausgeprägten Melodik der französischen Romantik nachspüren. Ein wunderbares Konzert, das Kantorin Birgit Queißner behutsam und sorgfältig zusammengestellt und einstudiert hatte, und das die Zuhörer mit langanhaltendem Applaus bedachten. Viele werden wohl im Nachsinnen an das Konzert mit frohen Herzen in die abendlichen Stunden des zweiten Advent nach Hause gegangen sein - so der Bericht von Klaus Wolf.