Journalistin und Schriftstellerin Ruth Weiss zu Gast im Antikriegshaus Sievershausen

Wann? 06.02.2011 16:00 Uhr

Wo? Antikriegshaus Sievershausen, Zum Krähenfeld, 31275 Lehrte DEauf Karte anzeigen
Die Schriftstellerin und Journalistin Ruth Weiss. (Foto: AKH Svhsn)
Lehrte: Antikriegshaus Sievershausen | Die Schriftstellerin und Journalistin Ruth Weiss ist am Sonntag, 6. Februar, ab 16.00 Uhr, Gast im Antikriegshaus Sievershausen, Kirchweg 4. Die Veranstaltung mit Ruth Weiss setzt die Tradition der Zeitzeugen-Veranstaltungen mit Holocaust-Überlebenden des Antikriegshauses zum Shoa-Gedenktag am 27. Januar fort und eröffnet zugleich den Blick auf eine bewegte und bewegende Biographie einer beeindruckenden Persönlichkeit. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Ruth Weiss wurde 1924 als Tochter jüdischer Eltern in Fürth geboren, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte sie mit ihren Eltern 1936 nach Johannesburg in Südafrika. So überlebte Ruth Weiss die Shoa.
Die Diskriminierungserfahrungen im nationalsozialistischen Deutschland und der schwierige Neuanfang in Südafrika machen sie früh zu einer kritischen Beobachterin der Apartheidspolitik in ihrer neuen Heimat. Die politischen Entwicklungen in und um Afrika haben sie ihr Leben lang beschäftigt.
Sie hat diesen Lebensweg mitsamt seiner Prägungen einmal so zusammengefasst: „Wie man durch Zufall aus Fürth bei Nürnberg nach Johannesburg kommt, somit den Holocaust überlebt, dabei politisiert wird und es für sein Leben lang bleibt, genauso, wie man auch im Exil bleibt, im ewigen Exil des Außenseiters.“
Im Jahr 1954 begann Ruth Weiss, für verschiedene internationale Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben. Sie arbeitete jahrzehntelang als Wirtschafts- und politische Journalistin. Den größten Teil Ihres Berufslebens verbrachte sie im südlichen Afrika.
Sie setzte sich als Journalistin in Südafrika insbesondere gegen die Apartheid ein. In der Folge wurde sie zur „Persona non grata“ erklärt und in eine so genannte „schwarze Liste“ eingetragen. Sie erhielt ferner bald Einreiseverbot. Ruth Weiss hatte früh Kontakte zu führenden Vertretern der Anti-Apartheidsbewegung.
Im Jahr 1966 verließ sie Südafrika, um in Südrhodesien das Büro der Johannesburger Financial Mail zu leiten. Die damalige weiße Regierung Südrhodesiens wurde ihrer politischen Haltung - insbesondere ihrer kritschen Berichterstattung zum Thema Menschenrechte - bald überdrüssig und verwies sie des Landes.
Später arbeitete sie in England für den „Guardian“ und den „Investors Chronicle“, kehrte aber wiederum nach Afrika zurück und arbeitete in Sambia als Wirtschaftsredakteurin für die „Times of Zambia“ und als Sambiakorrespondentin der „Financial Times“.
Nach einem dreijährigen Intermezzo bei der Deutschen Welle in Köln zog es sie nach der Unabhängigkeit Zimbabwes wieder nach Afrika/Harare zurück. Hier wirkte sie bis zu Beginn der 90er Jahre als Dozentin in der Ausbildung von Wirtschaftsjournalisten sowie in anderen Projekten. Zu Beginn der 90er Jahre beendete sie ihre berufliche Karriere. 2002 kehrte sie in ihr Geburtsland Deutschland zurück.
Bereits in der Kindheit begann Ruth Weiss zu schreiben, und ihr Traum war es, Schriftstellerin zu werden. Diesen Traum konnte sich die seit vielen Jahren mit der Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer befreundete Ruth Weiss jedoch erst im reifen Alter erfüllen.
Wie ihre Bibliographie zeigt, ist Ruth Weiss bis heute von ungebrochener Leidenschaft für das Schreiben erfüllt. Viele frühe Bücher waren Sachbücher, sie schrieb aber auch Kinderbücher, Kurzgeschichten und Kriminalromane. Obwohl afrikanische Themen ihre Arbeit dominieren, befasst sie sich heute auch mit der Geschichte des Judentums.
Ihr Roman „Der Judenweg“ - ein historischer Roman, der in Franken im 17. Jahrhundert spielt - ist 2004 bei Mosse (Berlin) erschienen, ein zweiter Teil erschien im November 2006. Der Roman „Meine Schwester Sara“ wurde 2006 in Baden Württemberg zur Pflichtlektüre für das Schlussexamen 2007 an allen Realschulen ausgesucht.
2005 wurde Weiss für den Friedensnobelpreis nominiert. Im Juli 2010 wurde eine Realschule in Aschaffenburg (Bayern) nach ihr benannt.