Industriedenkmal steht auf der Kippe

Lehrter Politiker bei der Besichtigung des Förderturms über dem Schacht Bergmannssegen. (Foto: Wiebke Molsen)

Förderturm soll zwecks Verfüllung des darunterliegenden Schachts Bergmannssegen weichen

LEHRTE (wim) „Wir sind bergrechtliche Unternehmer und haben damit auch bergrechtliche Verpflichtungen“, erläutert Gereon Jochmaring den Mitgliedern des Bau- und Verkehrsplanungsauschusses beim Vor-Ort-Termin über dem Schacht Bergmannssegen. Zu diesen Verpflichtungen gehöre es, nach der Stilllegung der Bergwerke diese in einem sicheren Zustand zu hinterlassen, sagt der Leiter der inaktiven Werke von K+S in Niedersachsen. Die bereits mit Salzwasser gefluteten unterirdischen Hohlräume sollen deshalb mit 40.000 Tonnen Schotter stabilisiert werden, um dann mit Süßwasser aufgefüllt zu werden. „Wir können den Schotter da aber nicht einfach so reinkippen“, erläutert Gereon Jochmaring. Um den Schotter in den mit 1.100 Metern tiefsten der sechs Schächte zu füllen, soll ein 300 Meter langes Rohr in die Tiefe führen, durch das der Schotter aus dem Harz nach unten geleitet werde. Dies verhindert, dass die scharfkantigen Steine den oberen Teil des Schachts beschädigen und damit wasserführende Schichten gefährden. „Wir müssen das Grundwasser auf jeden Fall schützen“, ergänzt Thomas Müller, Grubenbetriebsingenieur bei K+S.
Der denkmalgeschützte Förderturm, den viele Lehrter als wertvoll einschätzen, steht diesem Ziel nun im Weg. Die 13 Meter langen Einzelteile, aus denen das 300 Meter lange Rohr zusammengeschraubt werden soll, passen nämlich nicht durch das Tor zum Schacht. Und da der Turm ohnehin vor sich hin rottet, plant das Unternehmen K+S ihn abzureißen. „Wir sind davon überzeugt, dass es keine wirtschaftliche Nutzung mehr für den Turm gibt“, stellt Gereon Jochmaring fest. Denn auch wenn der Schacht fest verschlossen sei, dürfe der Deckel nicht betreten werden. Lediglich die erste Etage kann daher in ein Museum oder Ähnliches umgewandelt werden. Vorher seien jedoch umfassende Sanierungsarbeiten nötig. „Macht es Sinn, Geld in ein Gebäude zu stecken, dass nicht genutzt werden kann?“, fragt er die Politiker. Während Einige den aus dem Film „Das Wunder von Lengede“ bekannten Turm unbedingt erhalten wollen, haben Andere Verständnis für die rechtlichen und wirtschaftlichen Zwänge des Unternehmens. Weiter beraten wollen die Ausschussmitglieder darüber in ihrer nächsten Sitzung. Das Unternehmen K+S hat derweil eine Anwaltskanzlei damit beauftragt, den vollständigen Antrag auf Abriss des Förderturms und der daneben liegenden Halle in der Stadtverwaltung einzureichen. Denn bis zum Ende des Jahres soll die Verfüllung abgeschlossen sein. „Die Zeit drängt“, macht Gereon Jochmaring deutlich.