In schaurig-schöner Maske anmutig getanztes begeisterndes "Grusical"

Schaurig schön: Die "Grusical"-Initiatoren der Showdance-Gruppe der Tanzschule Jegella setzen die Rivalität zwischen Vampiren und Werwölfen in getanzte Emotion um. Nur der "WoVa" (Hintergrundmitte) bleibt ein cooler Beobachter . . . (Foto: Walter Klinger)
 
Vorsicht: Das körperbetonte Wechselspiel mit williger Hingabe der Partnerin bei Lateinamerikanischen Tänzen verführt junge Vampire zum Biss (der, keine Angst, von den netten Tanzpartnern der Tanzschule Jegella natürlich nicht vollzogen wird). (Foto: Walter Klinger)

Stehender Applaus für 140 Mitwirkende auf der Jegella-Tanzbühne

LEHRTE. Fröhliche Endzeitstimmung im Lehrter Rathaus: An den an diesem Tag ausgestorbenen Amtsräumen huschten acht Stunden lang mehr als 140 schrecklich-schöne Fabelwesen vorbei - von ihrer Umkleide im Ratskellergewölbe in den voll besetzten Ratskellersaal der Tanzschule Jegella. Deren älteste Jugendtänzer, die Showdance-Gruppe, regierten als "Vampire" und "Werwölfe" zwei Aufführungen eines selbst geschriebenen und mit der professionellen Unterstützung der vier Jegella-TanzlehrerInnen choreografierten und ausgestatteten "Grusicals", dessen anmutige und in hoher Perfektion getanzten acht Akte eben nicht mit Grausen hingenommen, sondern am Ende mit Stehenden Ovationen gefeiert wurden.
Just erwachsene Werwölfe und Vampire sind sehr solidarisch, jedenfalls wenn sie aus dem Tanz- und Freizeitangebot (auch Fahrten und Freizeiten) der Tanzschule Jegella erwachsen sind. Beginnend vom Kindertanz der Dreijährigen hatten die großen Fabelwesen allen Kinder- und Jugendtanzbereichen der Tanzschule (mit Kindertanz, HipHop, Video-Clip-Dance, Showdance, Zumba und Bodyfit) einen Auftritt in ihrem "Grusical" eingeräumt - insgesamt mehr als 140 Mitwirkende!
Alle sollten dabei sein, einmal ihren gebührenden Beifall bekommen, erläuterte als die Auftritte inhaltlich verbindende Erzählerin Ninette Jegella (während Oliver Jegella die Bühnenbeleuchtung übernahm) die Intention. Hinter dem Wunsch, dass sich auch erst kurzem dazu gekommene Gruppenmitglieder mit präsentieren konnten, stand eine völlige Perfektion zurück - dennoch klappten die (Tanz-)Einsätze auch der Neuen fast ausnahmslos wie am Schnürchen.
Besonders engagiert hatten sich die Jegella-Mitarbeiterinnen Jennifer Bartling und Leena Stratmann, die einen Sonderbeifall dafür erhielt, dass sie auch die ganz Kleinen über acht (!) Stunden motivierte und deren Mutter die Schneiderinnenaufsicht über die Kostüme hatte.
Und natürlich trug, vom "Kleinen Vampir" bis zu "Underworld", die alle Altersstufen der Jugend verbindende Faszination am Anders-sein zur Begeisterung an der Geschichte bei: Nur das Dorf "Lährt" widersteht der Herrschaft der jedoch verfeindeten Vampire und Werwölfe. Es verschwinden jedoch blonde Mädchen. Doch die Fabeltiere waren es nicht - heimliche Vermischung zwischen den Grusel-Rassen hatte ungeahnte Zwillingsbrüder und darunter auch ein Monster entstehen lassen. Das entlarvt der coole "WoVa" (Wolfs- und Vampirjäger) und verwandelt den Mädchenklau per Zaubertrank zurück in gutmütiges Mensch-sein.
Nichts fehlte hier, was zu einer modernen Vampir- oder Werwolfgeschichte gehört, auch nicht das Thema "das Tier in mir" oder dass kleine Werwölfe mit ihren Eltern die gleichen Probleme haben wie Menschenkinder auch. Nur Tanzfee Leena durfte zum Schluss ausrufen: "Wo bleibt hier eigentlich die Liebesgeschichte?". Die gab es nicht - Soloparts standen hinter den Gruppendarbietungen zurück.
Was wäre, würde wirklich ein Kulturkrieg ausbrechen und die Theaterkompagnien von "Hannvor" und "Braunsdorf" Auftritte in Lehrte verweigern? Dann gäbe es hier ein - anmutig in Darstellung und Maske - getanztes Weihnachtsmärchen von einem heimischen Kulturträger, der Tanzschule Jegella. Und vielleicht sind Kulturamt oder Stadtmarketing tatsächlich so schlau, sich diese professionell unterstützte Lehrter Jugendpower für eine größere Bühne zu sichern . . . Walter Klinger