„Im Pokal war immer die Hölle los“

Pokalspiele hatte es in den 90ern sich: Die Wasserballer des Lehrter SV – hier mit Trainer Hartmut Wattenberg, Betreuer Felix Bode, Joachim Haake, Michael Großmann, Mathias Lyke, Alexander Scheller, Gerald Bedürftig (stehend, von links), Claas-Tido Gellermann, Ingo Ehlen, Axel Lodyga, Kai Wattenberg, Arne Trummer (knieend) und Wolfgang Philipps (liegend) – kämpften sich 1995 bis in das Landespokalfinale vor. (Foto: Verein)

LSV-Wasserballer schrieben in den 90ern Pokalgeschichte

Lehrte (r/gg). K.-o.-Spiele haben auch im kühlen Nass stets Dramapotential gehabt: Bei den Wasserballern des Lehrter SV sind während der 1990er-Jahre für eine ganze Spielergeneration mit vielen auch heute noch im städtischen Leben bekannten Namen nicht die immerhin neun Spielzeiten in Verbands- und Oberliga der sportliche Höhepunkt gewesen, sondern turbulente Partien in den Pokalwettbewerben. Am 19. August jährt sich hier einer der größten Erfolge der Lehrter Wasserballhistorie zum 25. Mal: 1995 erreichte die LSV-Sieben als unterklassiger Verein das Finale des Landespokalwettbewerbs.
Turbulente Pokalpartien standen allerdings das gesamte Jahrzehnt auf dem Programm. „Da war immer die Hölle los“, erinnert sich nicht nur Lehrtes Wasserball-Legende Joachim Haake, im Juni gerade 60 Jahre alt geworden, gerne: Diese begannen schon 1991 mit dem Bezirkspokalsieg in Hannover und Landespokalspielen vor über 100 Zuschauern im völlig überfüllten Lehrter Hallenbad und gingen bis zu Nordpokalpartien in Berlin und Hamburg sowie der Qualifikation für den DSV-Pokal 1998.
Waren die LSV-Wasserballer in der Spielzeit 1993/1994 nur mit viel Glück dem Abstieg aus der Verbandsliga entronnen, mischte das Team in der Saison darauf unter dem neuen Trainer Hartmut Wattenberg den Pokalwettbewerb regelrecht auf. Bei der beispiellosen Tour durch das Bundesland und zugleich alle vier Regierungsbezirke wurde Niedersachsen in seinen Ausmaßen „einmal komplett vermessen“, wie es ironisch hieß. In einem Teilnehmerfeld mit gleich 34 Mannschaften (das in dieser Größenordnung seitdem nie wieder erreicht worden ist) legte die LSV-Sieben von der Qualifikationsrunde bis zum Viertelfinale zunächst vier Auswärtssiege bei Wasserfreunde Völlen-Papenburg (11:7), SV Treue Schöningen (18:5), SC Neptun Cuxhaven (22:5) und dem TuS Syke (8:7) hin.
Heimrecht gab es für den Verbandsligisten erstmals im Halbfinale, wo mit dem Oberligisten Winsener SV dann allerdings die „Nummer eins“ des Bezirks Lüneburg wartete. 8:7 lautete hier der Start-Ziel-Sieg gegen die favorisierten Gäste von der Luhe, die in jenen Jahren eine Liga höher regelmäßig Medaillenplätze einfuhren. „Das war auch taktisch eine absolute Meisterleistung“, ist LSV-Pressesprecher Wolfgang Philipps nicht nur das Ergebnis in Erinnerung geblieben.
Gestoppt wurde der Pokalschreck erst beim Endspiel im Vereinsfreibad des RSV Hannover, wo die Lehrter Sieben gegen den Oberligisten Eintracht Braunschweig II mit dessen Bundesliga-Altstars mit 5:10 das Nachsehen hatte. Als Fortsetzung der „Pokalkracher“ war der Altkreisvertreter zugleich erstmals für den norddeutschen Pokalwettbewerb des Folgejahres qualifiziert und schieden dort auf einem Viererturnier in Berlin in der Halle des deutschen Meisters Wasserfreunde Spandau 04 aus.
Mit Trainer Hartmut Wattenberg und Centerverteidiger Mathias Lyke sind zwei langjährig bekannte Gesichter des Lehrter Wasserballs schon seit einigen Jahren verstorben, allerdings hoffen die Verantwortlichen auf ein Wiedersehen der verbliebenen Aktiven im kommenden Sommer beim 100-jährigen Jubiläum der LSV-Schwimmabteilung – es gibt schließlich genug Spiele, die aus diesem Jahrzehnt in Erinnerung geblieben sind.