Hornissen erfolgreich umgesiedelt

Mit dem Absaugen der Hornissen im Lehrter Bad begann die besondere Umsiedlung. (Foto: Werner Kirschning)
 
In ihrer neuen Heimat in Bothfeld fliegen die Hornissen auch jetzt noch. (Foto: Werner Kirschning)

Happy-End nach Problem im Lehrter Bad

LEHRTE (r/gg). Nackte Badegäste im Lehrter Bad und dazwischen reger Flugbetrieb eines Hornissenvolkes? Das passte nicht gut zusammen. Die Meldung ging schnell vom Team der Bademeister an die städtische Naturschutzabteilung die das Problem an die Abteilung für Naturschutz der Region Hannover weiterleitete. Diese informierte einen ihrer Hornissenberater, denn Hornissen gehören gemäß Naturschutzgesetz zu den besonders geschützten Tierarten. Schnell war klar, dass alleinige Beratung in diesem Fall nicht ausreichte, die Umsiedlung des ganzen Volkes gemeinsam mit seiner Königin war angesagt. Aber wie läuft so etwas ab? Eine spannende Frage für Bademeister und Badegäste. Das Interesse war groß, trotzdem blieben am 14. Juli alle zunächst auf größerem Abstand, als drei Berater mit entsprechendem Equipment anrückten. Eigentlich hatte die Königin einen hohlen Baum gesucht, aber nach erfolgloser Suche hatte sie Ersatz im Bademeisterhaus gefunden. Das Haus besteht aus einer Fachwerkkonstruktion mit einem Hohlraum unter der Rundumverglasung, in den die Hornissen durch einen schmalen Spalt in Bodennähe hineingeschlüpft waren und schon drei Wabenebenen gebaut hatten. Ein Stück Wand des Hauses musste abgelöst werden, um an das Nest heranzukommen. Es war abzusehen, dass die Tiere das Öffnen der Wand als Angriff auf ihr Nest werten und aggressiv reagieren würden. Deshalb war der erste Schritt der Aktion, so viele Tiere wie möglich zu fangen. Dazu hatten die Berater einen Behälter mitgebracht, in den mit einem Saugsystem zunächst etwa 45 Tiere unverletzt hinein gesaugt wurden. Unverletztheit von Tier und Nest sind Voraussetzung für den Erfolg einer Umsiedlungsaktion. Der zweite Schritt war, die stabile Vernagelung der äußeren Holzverschalung des Bademeisterhauses abzulösen, danach die elastische Plane hochzudrücken, um so an das Nest heranzukommen. Die Tiere hatten kunstvoll papierdünne Waben aus morschem Altholz und Speichel geformt. Vorsichtig wurde das Nest von der Wand geschnitten. Ein bewundernswertes Meisterwerk, das fanden alle Betrachter und kamen mit fortschreitendem Stand der Aktion immer näher, um Einzelheiten besser erkennen zu können und Fragen zur Biologie der Tiere zu stellen. Neben den Arbeiten am Nest ist es den Beratern immer ein Anliegen, etwas über diese Tierart zu erklären und so die meist falschen Vorstellungen zur Gefährlichkeit zu korrigieren. Wer weiß denn schon, dass Hornissen Wespen, Fliegen und andere Kleininsekten fressen und sich nicht wie gewöhnliche Wespen für Eis, Zuckerkuchen, Bratwurst oder Limonade interessieren? Im Laufe des Gespräches kristallisierte sich immer mehr heraus, dass das Vorhandensein eines Hornissenvolkes im Schwimmbad eigentlich gar nicht so verkehrt ist. Vielmehr müsste man sogar Hornissen eher als Schutz der Badegäste vor Wespen einstufen. Die Umsiedlung war trotzdem der gemeinsame Beschluss von Beratern, Badegästen und Bademeistern.
Das herausgeschnittene Nest wurde in einen vorbereiteten Kasten als neuer Nestraum geklebt und dann die Tiere aus dem Fangkasten hinübergeschoben. Alles zusammen wurde in Bothfeld in einem Garten des Hornissenbeauftragten Werner Kirschning aufgehängt. Nach etwa einer Stunde wurde das Aus- und Einflugloch geöffnet. "Die Tiere nahmen Kasten und Garten als neuen Lebensraum an und vermehrten sich hier weiter. Nach dem Schlupf von Arbeiterinnen legte die Königin Eier, aus denen im September junge Königinnen und Drohnen schlüpfen. Diese Geschlechtstiere sind die Grundlage für das Fortbestehen der Art im kommenden Jahr", berichtet Werner Kirschning abschließend. In den vergangene Tagen sind immernoch Hornissen ein- und ausgeflogen, es sind Arbeiterinnen, die noch zwei Wochen leben.