Gymnasiasten naschen bald eigenen Honig

Kontrolle ist besser: Souverän untersucht Hanna-Sophie Jelgerhuis (links) zusammen mit Markus Toloczyki die neuen Bewohner der bunt bemalten schuleigenen Beuten. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Emsig betreuen die Arbeiterbienen den Nachwuchs, die kleinen Maden in den Waben, die sie bald mit einem Wachsdeckel schützen werden. (Foto: Susanna Veenhuis)

Arbeitsgemeinschaft stellt zwei Bienenvölker an der Streuobstwiese auf

LEHRTE (sv). Die sonst in solchem Zusammenhang als erste gestellte Frage, ob die Bienen stechen, war bei den Schülern der Klasse 5f1 vom Lehrter Gymnasium gar kein Thema. Als so genannte Forscherklasse wussten die Mädchen und Jungen natürlich, dass Bienen zur Verteidigung schon mal stechen können – aber nur in höchster Not, denn durch das Stechen verlieren sie ihren Stachel und ihr Leben. Ansonsten bewahrten die Jungforscher die gebotene Ruhe und gingen sehr locker damit um, als Imker Markus Toloczyki seine Transportkisten öffnete, um die beiden so genannten Ableger, junge Bienenvölker, in ihre neuen Kästen an der Streuobstwiese zu setzen. Dicht an dicht saßen die Bienen auf ihren Waben in den so genannten Rähmchen und wurden von den Schülern und dem Fachmann zuerst einmal begutachtet, bevor sie in ihr neues, bunt bemaltes Domizil umzogen. Ganz genau schauten sich alle die Waben an, die um die Mitte herum angelegt mit Nektar und Blütenpollen das Vorratslager für die Bienen und ihre Brut bilden. In den mittleren Zellen waren Bienenbabys zu erkennen, vom so genannten Stift, dem Ei, das die Königin erst vor kurzem dort hinein gelegt hatte, bis hin zur Rundmade, deren Wabe die Arbeitsbienen dann mit einem Wachsdeckel verschließen, damit sie sich ungestört darin entwickeln kann.
Vor der Praxis draußen im Hohnhorstpark gab es noch etwas Theorie: Markus Toloczyki hatte die Schüler in der Schulaula mit einer Präsentation zunächst über die Staaten bildenden Honigbienen und die Imkerei informiert. Ohne Bestäubung durch Bienen würde es nicht einmal die Hälte aller Äpfel, Birnen, Kirschen und Sonnenblumen geben, nannte der Imker Beispiele für die Bedeutung der Bienen und anderer Bestäuber-Insekten bei der Nahrungserzeugung. Er brach auch eine Lanze für die wilden Kolleginnen der Honigbienen, die Wildbienen: Die meisten leben als so genannte Solitärbienen, sind also anders als die Staaten bildende Honigbiene einzeln unterwegs. Etwa 550 Arten gibt es in Deutschland, die Häfte davon sei vom Aussterben bedroht. Honigbienen seien weniger gefährdet, da sie durch die Imker Schutz genießen. Pflanzenschutzmittel, Monokulturen, ausgeräumte Landschaften, Bodenversiegelung und Bebauung und der Klimawandel machen allerdings allen Insekten schwer zu schaffen.
Dies war gleichzeitig ein bisschen Werbung für die Bienen-Arbeitsgemeinschaft, die nach den Sommerferien wieder angeboten und die Lehrerin Alina Gehrmann leiten wird. Diese AG wird sich viel mit der Praxis befassen, versicherte Alina Gehrmann: „Im Sommerhalbjahr werden wir immer draußen am Bienenstand sein, wenn das Wetter mitspielt, so lange die Bienen fliegen!“ Auch Honig soll dann geschleudert und natürlich genascht werden. Im Winter sollen unter anderem aus dem Wachs Kerzen und Wachstücher hergestellt werden.
Diesmal war es wettermäßig fast zuviel des Guten, große wie kleine Leute stöhnten in der brennenden Sonne, die Streuobstwiese glich einem Backblech, zumal die jungen Obstbäumchen noch kaum Schatten spenden. Souverän bedampften die Jung-Imker Hanna-Sophie Jelgerhuis und Justus Matti Baumgärtner aus der jetzigen Bienen-AG die Kerbtiere auch noch mit Rauch aus dem Smoker, bevor Hanna-Sophie die Rähmchen aus Toloczykis Kasten nahm und in das selbst gebaute, fröhlich bunt bemalte Zuhause, die so genannte Beute, einhängte. „Worauf müssen wir heute achten“, wollte Markus Toloczyki von den Nachwuchs-Imkern wissen. Die korrekte Antwort lautete, beim Umgang mit dem heißen Smoker Acht zu geben, dass das trockene Gras nicht Feuer fängt.
Vorsichtshalber hatten die Neu-Interessenten den schuleigenen Imkerschutz mit Hut, Netz und Jacke angelegt. „Ich brauche das nicht, wenn man ruhig arbeitet, passiert eigentlich nichts“, sagte Hanna-Sophie selbstbewusst. Dennoch sei sie schon einmal gestochen worden. „Das war aber nicht schlimm, man kratzt den Stachel mit dem Fingernagel weg und hält kurz einen Wärmestift auf die Stelle!“