Gespräch auf dem Friedhof

Im Dialog mit den Bestattern Ursula Meinig und Thorsten Volkmann klärte Pastorin Gesa Steingräber-Broder Fragen um Sterben, Tod, Schmerz und Trauer. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Die Urnengemeinschaftsanlage mit Granitstelen sei momentan stark nachgefragt, erklärte der stellvertretende Friedhofsleiter Mathias Gerth. (Foto: Susanna Veenhuis)

Besucher stellen sich dem Thema Tod und Abschied

LEHRTE (sv). Dieser Gang ist üblicherweise einer der schwersten im Leben aller Beteiligten: Der Weg auf den Friedhof, um Abschied zu nehmen von einem lieben Verwandten oder einem guten Freund und ihn oder sie letztlich dort zur Ruhe zu betten - für immer. Genauso wie die Geburt gehört der Tod zum Leben, wird aber tabuisiert und aus dem Alltag ausgeblendet. Die rund 80 Besucher, die der Einladung des Kirchenkreises auf den Neuen Friedhof gefolgt waren, hatten allerdings keine Berührungsängste, im Gegenteil: Sie nahmen die Gelegenheit wahr, sich bei dieser Aktion des Kirchenkreises Burgdorf im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Angeklopft und nachgefragt“mit kompetenten Fachleuten rund um das Thema Tod und Abschied ins Benehmen zu setzen. „Am Ende – und dann?“ lautete der Titel des Treffens, zu dem neben Superintendentin Sabine Preuschoff und Pastorin Gesa Steingräber-Broder auch die Bestatter Ursula Meinig aus Lehrte und Thorsten Volkmann aus Burgdorf und der Steinmetz Arno Sauer über Notwendigkeiten und Möglichkeiten aufklärten und die Fragen der Besucher beantworteten.
„Wir haben bewusst einen Termin im Frühling vor dem Fest der Auferstehung ausgesucht“, sagte die Pastorin, die mit solch einem großen Andrang, wie sie einräumte, gar nicht gerechnet hatte. Bei schönstem Frühlingswetter schwärmten die Besucher jedoch erst einmal zu einer Besichtigungstour über das Gelände aus. Aufgeteilt in drei Gruppen unter der Leitung von Steinmetz Sauer, Friedhofsleiter Gerhard Winter und dessen Stellvertreter Mathias Gerth erfuhren sie so ziemlich alles über Begräbnismöglichkeiten und Grabschmuck und lernten dabei das weitläufige Areal des 14 Hektar großen Neuen Friedhofs am Hohnhorstpark kennen, der zur Matthäusgemeinde gehört. Auch der vier Hektar große Alte Friedhof am Eichenweg gehört dazu. Mit Reihengrabstätten für Erdbestattungen und Urnengräber, Wahlgräber und Urnengemeinschaftsanlagen stehen vielfältige Möglichkeiten für die letzte Ruhe zur Wahl. „Der Trend geht eindeutig zum Urnenbegräbnis“, beantwortete Gärtnermeister Mathias Gerth eine Besucherfrage. „Pflegeleicht“ war ein häufig genannter Begriff, dem die Friedhofsleitung mit verschiedenen Serviceleistungen entgegen kommt. Aktuell stark nachgefragt sei die Urnengemeinschaftsanlage mit Stele, wo ein Stein aus Granit die Daten des oder der Verstorbenen angibt,die Angehörigen einen Ort für ihre Trauer haben, aber sich um die Grabpflege nicht zu sorgen brauchen, erklärte Gerth.
Musik ertönte in der 1930 erbauten achteckigen und unter Denkmalschutz stehenden Friedhofskapelle aus rotem Backstein: Die Pianistin Iveta Weide und der Oboist Till Hieronymus stimmten die Besucher auf den zweiten Teil der Veranstaltung ein. Im Dialog mit Ursula Meinig und Thorsten Volkmann klärten Pastorin und Superintendentin so manche weitere Frage aus dem Kontext um Sterben, Schmerz, Abschied und Trauer. „Die Menschen kommen zu uns in absoluten Ausnahmesituationen“, sagte Volkmann und räumte ein, dass auch ihn als Bestatter bei aller Professionalität dies nicht unberührt lasse. Am schwersten seien Trauerfälle mit Kindern, erklärten beide. „Das nimmt uns sehr mit, wir sind auch Eltern. Ich weine auch mit den Trauernden“, sagte Ursula Meinig.