Gegen alles ist ein Kraut gewachsen

Im Frühjahr heißt es an die Arbeit mit Rechen, Harke und Hacke - die „Lehrter Kräuterhexen“ um Margaretha Ehlvers (links) bereiten den Heilpflanzen-Garten für die neue Saison vor. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Regen bringt Segen: Auch, wenn das Wetter eher aufs Sofa lockt, können sich die Kräuterhexen nicht über mangelndes Interesse beklagen. (Foto: Susanna Veenhuis)

Lehrter Kräuterhexen laden wieder zu Vorträgen in den Heilpflanzengarten ein

LEHRTE (sv). Die gefährlichste Jahreszeit sei der Frühling, behauptet scherzhaft ein alter Gärtnerschnack. Denn dann schießt der Salat und die Bäume schlagen aus. Letzterer Satzteil ist auch Thema beim Saisonauftakt im Lehrter Heilpflanzengarten am Krankenhaus: Um Birke, Esche, Winter- und Sommerlinde, Weide und Faulbaum geht es am Sonntag, 28. April, um 11 Uhr beim ersten Vortrag der Lehrter Kräuterhexen unter dem Motto: „Die Bäume schlagen aus!“
Möglicherweise könnte sogar so mancher Allergiker trotz reichlich allergener Pollen in der Luft nützlichen Rat und Hilfe finden, wenn die Damen um Margaretha Ehlvers, Karin Meisinger, Mechthild Smolinski und Anita Degen ihr Wissen um die Wirkstoffe und Wirkungen von Blüten, Blättern, Stengeln, Früchten und Wurzeln der gut 200 Heilpflanzen im Garten mit den Besuchern teilen. Auch für gärtnerisch Interessierte bilden die monatlichen Treffen im Garten hinter dem Krankenhaus einen Ort des Wissens und des Austauschs. So ist die Heilwirkung von abgekochter Eschenrinde bei Schlangenbissen hierzulande wohl weniger gefragt als beispielsweise die leicht wassertreibende eines Tees aus Eschen-Blättern, der bei Rheuma und Fieber, Darmträgheit, Blasenleiden und Gicht helfen soll. Zur Frühjahrskur und inneren Reinigung empfiehlt sich Birkensaft. Lindenblütentee wird seit jeher als schweißtreibender Erkältungstee eingesetzt.
„Farbenspiele“ heißt es am 26. Mai, wenn Zwiebel, Rote Bete, Färberröte, Borretsch und die Reisfärbepflanze im Vordergrund stehen, mit denen sich nicht nur Heilwirkungen erzielen, sondern auch Papier und Naturstoffe färben lassen. Der Glücksklee darf eigentlich nicht fehlen in der Aufzählung für den 30. Juni: „Ein Lob auf den Klee“ soll es da für Rot-, Stein-, Wund-, Hasen- und Bockshornklee geben. Bei der Pflanzenführung mit dem Titel „Herz intakt“ am 28. Juli geht es um Pflanzen zur Herzstärkung wie Gingko, Fingerhut und Herzgespann, Sommeradonisröschen und Weißdorn. Der weiß blühende Busch ist übrigens zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gewählt worden.
Einfach immer grün, nämlich auch in der kahlen, kalten Winterzeit, sind Immergrün, Efeu, Hauswurz, Mistel, Buchsbaum, die am 25. August behandelt werden. Im Herbst wird es wieder etwas gefährlich. Denn da kann einem schonmal eine Kastanie oder Eichel aus großer Höhe auf den Kopf fallen und eine Beule verursachen. Mit Bäumen schließt sich auch wieder der Kreis der Vorträge am 29. September. Kastanie, Eiche, Buche und Haselnuss werden da auf ihre Heilwirkungen hin beschrieben.
Der Heilpflanzengarten am Krankenhaus wurde im Zuge des Projekts „Natur erleben“ der Region Hannover mit großem Engagement und finanzieller Unterstützung der Bingo-Lottostiftung angelegt. Unter Federführung von Margaretha Ehlvers kümmert sich seitdem ein Team um das Planen, Pflanzen und die Pflege der Kräuter, entfernt wucherndes Beikraut, trimmt und erntet und ergänzt Abgängiges. Die „Lehrter Kräuterhexen“ sind dem Verein Lehrter Stadtmarketing angegliedert, mit dessen Unterstützung die Pflanzenschildchen mit Namen, wissenschaftlicher Bezeichnung und Heilwirkung sukzessive auch einen QR-Code erhalten, mit dem Wissenswertes über die Pflanzen jederzeit direkt per Smartphone abgerufen werden kann.
Das 240 Quadratmeter große Beet wurde als runder Hügel angelegt und mittels eines Weges inform einer Wünschelrute in drei Segmente unterteilt . Besucher können auch mit Rollstuhl oder Rollator die Pflanzen aus größtmöglicher Nähe in Augenschein nehmen. Im Zentrum breitet ein Gingko Biloba als Mahnmal für Umweltschutz und Frieden seine Krone aus.
Seitdem haben nicht nur viele Sonntags-Besucher an den Führungen teilgenommen und konnten hinterher Geschmacksproben von einigen der vorgestellten Pflanzen inform von Sirup, Tee, Keksen oder Pesto verkosten. Neben Kindergartengruppen und Schulklassen führten die Lehrter Kräuterhexen auch viele Gruppen aus ganz unterschiedlichen Vereinen und Verbänden durch den Heilpflanzengarten und bieten dies auch weiterhin an. Anfragen für Gruppenführungen nimmt Margaretha Ehlvers unter Telefon 05132 47 77 entgegen.
Zum Heilpflanzengarten gelangt man durch das Foyer des Krankenhauses an der Manskestraße. Die monatlichen Führungen – immer am letzten Sonntag im Monat um 11 Uhr – sind kostenlos, aber wer möchte, kann die Arbeit der Kräuterhexen gern mit einer Spende unterstützen.