Geburtstags-Dampfsalut für die kranke alte "Dampfimme"-Dame beim 20. Dreschefest Immensen

Insgesamt 13 Dampflokomobile nahmen zu ihrem 110. Geburtstag das an Materialermüdung in den Kesseln erkrankte vereinseigene Dampflokomobil "Dampfimme" der "Freunde historischer Fahrzeuge" Immensen bei deren "20. Dreschefest" zu einem Geburtstagssalut aus den Signaldampffeifen in die Mitte. (Foto: Walter Klinger)
 
Ebenfalls ein seltener Anblick: Die Zusammenarbeit des Anfang der 30er Jahre erbauten dampfbetriebenen Seilbaggers von Peter Meyer aus Hannover und der 13 Tonnen schweren Dampfstraßenwalze (Baujahr 1925) von Gerard Leeraar aus Düsseldorf/Waltrop beim Immenser "Straßenbau unter Dampf". (Foto: Walter Klinger)
Lehrte: Festplatz Auf dem Mühlenberg Immensen |

Seltene Attraktionen beim 20. Trecker- und 10. Dampftreffen der Freunde historischer Fahrzeuge Immensen

IMMENSEN (kl). Ein fröhlich gellender Geburtstagsgruß aus den Signalpfeifen von insgesamt 13 (!) tuckernden Dampflokomobilen war der Programmhöhepunkt des "20. Dreschefestes" des Vereins "Freunde historischer Fahrzeuge (FhF)" Immensen - und zugleich die schönste Musik in den Ohren der Veranstalter.
"Es muss immer etwas in Bewegung sein", hatte vor zehn Jahren der heutige Vereinsvorsitzende Thorsten Kochanneck die Chancen der Erweiterung des bundesweiten Treckertreffens um ein ebensolches Dampftreffen erkannt - und diese mit finanziellen Risiken verbundene Entscheidung (denn der Transport der straßentauglichen Dampfmaschinen muss vom Veranstalter bezahlt werden) von seinen Treckerfreunden namentlich abstimmen lassen.
Das 20. Jubiläum des Immenser Dreschefestes am Wochenende zeigte eindrücklich, dass sich das Wagnis gelohnt hat: Inzwischen (und in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis "Straßendampf" Deutschland) unter den fünf großen Dampftreffen in der Bundesrepublik, ist diese sonst nur ehr selten zu sehende Vielfalt an Dampfmaschinen (auch Miniaturmodelle in Ausstellungszelten und kleine Dampfboote in einem eigens aufgebauten Wasserbecken) eine auch bei durchwachsenem Wetter große Publikumsattraktion - zum Jubiläum stieg der Besuch sogar noch mal deutlich auf mehrere Tausend Gäste an.
Im Dampf-Salut für ihr nun 110 Jahre altes Dampflokomobil "Dampfimme" (zudem seit zehn Jahren im Vereinsbesitz) schwang für die Immenser Veranstalter aber auch Wehmut mit: Beide Kessel müssen erneuert werden, der TÜV ließ schon dieses Mal nur Dampf im Leerlauf zu. Mit dem Transport in eine TÜV-zertifizierte Dampflok-Werkstatt in Polen dürfte der Kesselaustausch 50.000 Euro kosten - die nächste große Herausforderung für die "Freunde historischer Fahrzeuge", die im nächsten Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiern (die Vereinsgründung erfolgte erst nach der Dreschefest-Premiere). Doch die Immenser Treckerfreunde stehen hinter ihrer Dampf-Attraktion, auch wenn die Finanzierung der Instandsetzung wohl Jahre erfordern wird.
Der Bau "unter Dampf" eines kleinen Straßenstücks vom in diesem Jahr auf vier Hektar vergrößerten Vereinsgelände in Richtung Sportheim erhielt den zweiten gemeinsamen "Dampfsalut". Zwei Tage lang kofferte Maschinenbau-Ingenieur Peter Meyer ("Bagger-Meyer") aus Hannover mit seinem Anfang der 30er Jahre in Düsseldorf gebauten Dampf-Seilbagger das Wegstück aus. Wie im richtigen (Tiefbauer-)Leben, war die Baumaßnahme zwei Meter zu weit nach links geplant und musste zum Teil wieder verfüllt werden.
Statt wie einst Pferdefuhrwerke, sorgten jedoch Lanz-Trecker für Abfuhr und Mineralgemisch-Antransport, dafür aber präsentierte "Polier" Jan Kramer in originalgetreuem Arbeiteroutfit der Jahrhundertwende für die zwischendurch notwendige Handarbeit. Als weitere Attraktion walzte dann Gerard Leeraar aus Waltrop bei Düseeldorf mit seiner 1925 erbauten und 13 Tonnen schweren Dampfwalze "Miss Elli" (benannt nach seiner Frau Elke) das Wegstück an einer Stelle, die bisher bei Regen bislang immer als erste matschig war.