Fünf Bands lieferten Großartiges

Schon zu Beginn des Bluesfestivals beim Auftritt von Michael van Merwyk & Bluesoul waren viele Besucher zum Rodelberch gekommen. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Lehrstunde beim australischen Music-Maniac Mason Rack: Lea lernt Lap-Gitarre, direkt auf der Bühne. (Foto: Susanna Veenhuis)

1.200 Besucher genießen die Blues-Spielarten beim 36. Bluesfestival am Rodelberch

LEHRTE (sv). „Ihr steht aber früh auf – oder habt Ihr durchgemacht?“ Michael van Merwyk eröffnet am Nachmittag launig das diesjährige Lehrter Bluesfestival. Schon vor dem offiziellen Start um 16 Uhr war das Gelände im Hohnhorstpark am Rodelberch gut gefüllt, denn Bluesfestival-Fans wissen, dass schon gleich zu Beginn hervorragende Musiker am Start sind. Insgesamt 1.200 Besucher sollen es an diesem frühherbstlichen ersten Samstag im September am Rodelberch werden, an dem der Verein Blues in Lehrte nun schon zum 36. Mal das Bluesfestival ausrichtete.
Große Musik für kleines Geld ist die Maßgabe, die Open Air-Besucher konnten sich für ein geringes Eintrittsgeld auf acht Stunden Livemusik mit fünf auch internationalen Bands freuen, die alle irgendwie unter dem weiten Dach des Blues angesiedelt sind.
Wie Michael van Merwyks Bluesoul zum Beispiel, die immerhin bei der International Blues Challenge in Memphis/USA 2013 den zweiten Platz belegten. Das Publikum, von dem eigentlich viele nur zweitrangig wegen der Musik kommen, genießt die Klasse der Musik. Merwyk und Bassmann Olli Gee, „Skinny“ Joe Blens (Gitarre) und Drummer Bernhard Weichinger freut es, dass sie als Opener nicht vor leerem Platz, sondern einem gut gelaunten und auch fachkundigen Publikum ihr Können preisgeben – und offenbar für einen wunderbar entspannten Festivalnachmittag sogar die Sonne dauerhaft hinter den Wolken hervor locken konnten.
Bei einem Blues Special im Anderen Kino Anfang des Jahres hat Florian Lohoff schon sein Publikum in Lehrte gewonnen. „Schön, dass hier auch Funk seinen Platz hat“, meint ein Besucher aus Dachtmissen. Mit ihrem frischen funky Soul&Blues bietet die Berliner Band eine echte Alternative zu traditionellen Stilrichtungen, melodische und manchmal poppige Klänge werden abgelöst von echten Hardrock- Raketen.
Schon zum Stammpersonal des Lehrter Bluesfestivals gehört Pickup The Harp. Gleich bei ihrer „Entdeckung“ vor drei Jahren durch Blues-Mitglied Matthias Dörr haben sich die drei Karlsruher Markus Knab (Gitarre und Gesang), Horst Andree (Bass) und Alexander Sessler (Piano) mit ihrem mobilen Musikstand in die Herzen der Lehrter Festivalmacher gespielt, und auch sonst stimmt die Chemie. Sie zelebrieren ihren Status als Pausenband, und wenn auf der Bühne für die nächste Band umgebaut wird, rollen sie ihr Bollerwagen-Bluesmobil zum Bad in der Menge irgendwohin auf die Wiese und bringen dort mit ihrem Blues&Boogie die Leute zum Feiern, Klatschen und Swingen. Mittlerweile sind es zwei Gefährte, Schlagzeuger Jonathan Zacharias stieß 2017 mit seinem Sackkarren-Drumset dazu. Der neueste Zugang braucht kein Fahrzeug für sein Instrument: Holger „Knox“ Becker kann seine Bluesharp in die Hosentasche stecken. „Das hat von Anfang an gepasst“, sagte Markus Knab über den Neuen.
Nach den magischen sieben Jahren ist auch ein großer Däne wieder zu Gast am Berch: „Das ist vielleicht der letzte schöne Sommerabend, und wir können hier feiern – das ist wie im Paradies!“ In charmantem Deutsch-Dänisch kündigte Schlagzeuger Martin Seidelin den Song „Paradise“ an. Gleich mit sieben Mann trat Thorbjörn Risager auf, darunter eine Bläser-Sektion mit Trompete und Saxophon. Schon 2012 hat der charismatische Däne mit dem trockenen Humor und der Wahnsinns-Stimme die Bluesgemeinde für sich eingenommen, auch diesmal jubeln die Fans über die kraftvolle, perfekt abgestimmte und unter die Haut gehende Bühnenshow, die er mit seiner Band Black Tornado hinlegt. Aber anders als ein Tornado hinterlassen diese Musiker glückliche, im Takt wippende oder tanzende Menschen, die den Moment leben - und feiern!
Feiern können auch die Leute Downn Under: Australisches Temperament brachte Mason Rack mit seiner Band, seiner Lap Gitarre und einer unglaublichen Drum Show mit Schlagzeug, zwei Bierfässern und einer Stehleiter mit an den Rodelberch. „Das ist kein Blues. Aber das macht nichts“, sagte strahlend einer der Besucher, die vor der Bühne abtanzten. Der Platz kochte schier, als der Sänger mit der Tom-Waits-Stimme zusammen mit Schlagzeuger Joel Parcess aus Kanada und Bassist Vini Melo aus Brasilien um die Percussionsobjekte herumlief, dabei einen heißen Rhythmus trommelte und sich auch noch gleichzeitig mit den anderen die Drumsticks zuwarf. Lea wusste gar nicht, wie ihr geschah, als Mason Rack das Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne holte und ihr die Lap-Gitarre zum Spielen in den Schoß legte. Dann aber rockte sie los, als hätte sie nie etwas anderes getan, und schüttelte dazu ihre neongelbe Mähne – zur Verzückung des Publikums.
Paradiesisch ging es tatsächlich zu: Der Regen, eigentlich Markenzeichen des Blues, stoppte diesmal rechtzeitig vor Beginn, die Zuschauer waren begeistert und entließen keine Band ohne Zugaben von der Bühne. Bands, Veranstalter und die rund 80 ehrenamtlichen Helfer waren ebenfalls bester Laune und das abschließende Profi-Feuerwerk zum Song „We Are The Champions“ der krönende Abschluss eines rundum gelungenen 36. Bluesfestivals.