„Fridays for Future“ mobilisiert nur wenige Protestler

Kaum ein Passant interessiert sich für die jungen Klimademonstranten vor dem Gymnasium und ihre Befürchtungen für eine düstere Zukunft. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
René Lange aus Goslar (von links), Thore Meiwes, Luca Schneider und Rouven Röpke freuen sich über viele Unterschriften für die Petition zur Ausrufung des Klimanotstands in Lehrte. (Foto: Susanna Veenhuis)

Berittene Polizei zieht wieder ab/ Petition zum Klimanotstand gestartet

LEHRTE (sv). Eigentlich hatten sich noch Gruppen aus Verden, Hannover, Hildesheim und Celle angemeldet, gekommen ist dann aber niemand: Mit rund 30 Aktiven startete die jüngste „Fridays For Future“-Demonstration (FFF) am Brunnen vor dem Gymnasium. Mangels Mitmacher wurde der Demonstrationszug zum Rathaus abgesagt. Aber dann gab es doch noch einen kleinen Umzug über die Burgdrofer Straße, als die Interessentengruppe auf immerhin fast 50 Leute angewachsen war.
„Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut!“ Mächtig ins Zeug legten sich die Organisatoren Luca Schneider und Kaja Klenke mit Sprüchen und Parolen via Mikrofon, ihre Mitstreiter unterstützten sie lautstark mit Forderungen nach einer klimafreundlichen Wende in Politik und Wirtschaft. Aber keiner von den Passanten schloss sich spontan dem Protest an, Mitschüler zogen auch nach Schulschluss unbeeindruckt vorbei. Selbst ein so genanntes „Die in“, bei dem die Teilnehmer wie tot auf dem Boden liegen, erregte kein Interesse. „Wir haben genau so über die sozialen Netze und Medien geworben und alle informiert wie letztes Mal“, sagte Luca Schneider. Er könne sich das mangelnde Interesse überhaupt nicht erklären, meinte der Schüler. Bei der ersten Lehrter „Fridays For Future“-Demo im Juni waren 300 Schüler mit vor das Rathaus marschiert.
750 Teilnehmer waren diesmal vorsichtshalber bei der Polizei angemeldet worden; vier- bis fünfhundert hatte man aufgrund der Rückmeldungen tatsächlich erwartet. Entsprechend viele Kollegen und Einsatzfahrzeuge hatte die Einsatzleiterin der Lehrter Polizei, Simone Kellner, mobilisiert. Sogar berittene Polizei aus Hannover war angefordert worden. Doch die sechs Reiter und Rosse zogen ohne Einsatz wieder ab.
In Lehrte soll der Klimanotstand ausgerufen werden. Das fordern die Unterzeichner einer neu aufgelegten Petition an die Stadt Lehrte. Danach sollen sämtliche politischen Entscheidungsmöglichkeiten zuvor auf ihre Auswirkungen und Bedeutung für das Klima hin geprüft werden. Thore Meiwes aus dem zwölften Jahrgang konnte sich immerhin über einige Unterschriften von Passanten freuen. An die 100 Bürgerinnen unterzeichneten an diesem Tag, 750 Unterschriften müssen dazu innerhalb von drei Monaten zusammen kommen. Der entsprechende Link lautet: www.openpetition.de/petition/online/ausrufung-des-klimanotstands-in-lehrte.
Derweil machten die wenigen Demonstranten ihre individuellen Beweggründe deutlich. „Mir war es wichtig, heute zu streiken für meine Kinder, meine Enkel, für die ganze Menschheit, denn ich möchte, dass sich etwas ändert!“ Carolin, zehn Jahre alt, aus dem fünften Jahrgang der so genannten Klima-Klasse kennt keine Scheu vor dem Mikrofon, sie hat auch ein Schreiben von ihren Eltern für diesen Tag in die Schule mitbekommen. Zwei ihrer Mitschüler unterstützen sie, obwohl sie keinen solchen Zettel vorweisen können. „Die Klimapolitik muss geändert werden, damit wir eine Zukunft haben, in der wir uns nicht mit Problemen herumschlagen müssen, die heutige Politiker verursachen“, sagt eine Siebtklässlerin. „Man muss die jungen Leute unterstützen, von den Politikern kommt ja nichts“, sagt Rentner Hans-Jürgen Dankert aus Lehrte, der ebenso wie Manfred Reinhardt aus Sievershausen ein selbstgemaltes Protestplakat mitgebracht hat. „Die Katastrophe ist praktisch schon eingetreten“, sagt Manfred Reinhardt, Vater von vier Kindern und Großvater von sechs Enkeln, angesichts des schon jetzt viel zu hohen Kohlendioxid-Gehalts in der Atmosphäre.
Die Lehrter FFF-Veranstalter schauen nach vorn und richten ihre Hoffnung nun auf den 20. September als weltweiten Klimastreik-Tag.