Frauenrechte pauschal benannt

Helga Laube-Hoffmann (links) und Petra Wegener (rechts) präsentieren die Schaufenster-Ausstellung zum Equal-Pay-Day im SPD-Büro an der Bahnhofstraße. (Foto: Manfred Hoffmann)
 
Wie im Vorjahr hat die städtische Gleichstellungsbeauftragte Freya Markowis im Beisein des Bürgermeisters Frank Prüße die Fahne für Frauenrechte vor dem Rathaus gehisst. (Foto: Gabriele Gosewisch)

Gleichstellungsbeauftragte hisst eine Fahne, keine Auskunft zur Lehrter Situation

Lehrte (r/gg). Helga Laube-Hoffmann, frauenpolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion, gibt anlässlich des bekannten "Equal Pay Day" Nachricht: „100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts sollte die Forderung nach gleichen Löhnen für Frauen und Männer keine Forderung mehr sein, über die man noch reden muss!“ Ihre Ratskollegin Petra Wegener, stellvertretende Vorsitzende im Sozialausschuss, sieht ein Hauptproblem darin, dass durch vergleichsweise niedrige Bezahlung von Frauen diese auch im Alter weniger Rente beziehen.
„Damit besteht für Frauen ein höheres Risiko als bei Männern, in Altersarmut abzurutschen“, sagt sie. Als Gewerkschafterin und Personalrätin setzt sich Petra Wegener nicht zuletzt deshalb für bessere Bezahlung von Frauen ein. Insbesondere fordert sie eine Anhebung der Mindestlöhne. Sie erklärt mit Bezug auf die DGB-Datenerhebung: „Überdurchschnittlich viele Frauen sind im Niedriglohnsektor beschäftigt. Daher profitieren besonders Frauen von einem höheren gesetzlichen Mindestlohn.“
Die hauptamtlich tätige Gleichstellungsbeauftragte in Lehrte, Freya Markowis, hisste zum Frauenaktionstag am 8. März um 11 Uhr vor dem Rathaus eine Flagge - wie im Jahr zuvor auch. Bürgermeister Frank Prüße war zur Teilnahme eingeladen. Er betonte in seiner Ansprache sein Bekenntnis für die Gerechtigkeit, die in der Wertschätzung und Toleranz in der Gesellschaft ihren Ausdruck finde. Die Situation verbessern müsse sich für Arbeitnehmerinnen in typischen Frauenberufen, in schwierigen Versorgungslagen wie Schwangerschaft und Geburt und in unterrepräsentierten Berufssparten. Immer verknüpft sei mit dem Frauentag die Ächtung der häuslichen Gewalt – ebenfalls eine wichtige Botschaft.
Gülten Gailus, hauptamtlich tätige stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte, las einen Text zum Thema „Herausforderungen und Ressourcen von Frauen mit Migrationsgeschichte in Lehrte“ vor. Ihrer persönlichen Einschätzung nach gebe es zwar Beratung für Fauen, diese reichten aber nicht aus. Frauen erlebten eine Ver- und Behinderung im Versuch, am für andere normalen Leben teilzunehmen. Es sei eine „Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins nötig“. In einer pauschalen Einordnung sprach sie vom großen Engagement der Frauen mit Migrationshintergrund, das bisher viel zu wenig in der Arbeitswelt genutzt werde. Auf Marktspiegel-Nachfrage zur Datengrundlage gab es keine Auskunft. Konkret bat die Redaktion um Beantwortung folgender Fragen: Wie viele der in Lehrte lebenden Frauen (im erwerbstätigen Alter) sind derzeit im Jobcenter als arbeitssuchend gemeldet? Zum Vergleich wie viele Männer?
Wie viele in Lehrte lebende Frauen haben Anspruch auf Arbeitslosengeld 2? Zum Vergleich: wie viele Männer?
Wie viele in diesem Anspruch lebende Frauen werden aktiv von den Gleichstellungsbeauftragten in Lehrte angesprochen? Wie viele haben die Gleichstellungsbeauftragten zum Thema Ungerechtigkeit oder Diskriminierung um Hilfe gebeten?
Wie viele in Lehrte lebende Frauen im erwerbstätigen Alter sind arbeitssuchend ohne abgeschlossene Berufsausbildung? Zum Vergleich: wie viele Männer?
Welche Jobs werden von Frauen gesucht? Anteil soziale Berufe? Anteil technische Berufe? Anteil Handwerk? Anteil Sonstige?
Freya Markowis schrieb dazu: "Ihre Fragen zu den Zahlen können wir leider spontan nicht beantworten, da wir zuerst beim Jobcenter und der Arbeitsagentur nach aktuellen Zahlen fragen müssten." Eine Korrektur gab Freya Markowis in Bezug auf den im Vortrag genannten Anteil der Frauen mit Migrationshintergrund und Benachteiligung, den Gülten Gailus mit 22 Prozent der Einwohnerzahl bezifferte. Damit seien alle Frauen gemeint gewesen, nicht die im erwerbstätigen Alter.
Teilnehmerin der Zusammenkunft war auch SoVD-Kreisfrauensprecherin Ilona Picker, deren Anliegen jedoch die SoVD-Kampagne zur „Armutsgefährdung der Alleinerziehenden“ war. Sie schließt sich den politischen Forderungen des SoVD-Bundes- und Landesverbands beispielsweise nach Rückkehrrecht von Teil- auf Vollzeitarbeit an.