Flucht aus der DDR nachgezeichnet

Ludwig Sasse flüchtete als 17-jähriger aus der DDR. Seine Enkeltochter fragt nach, was im Film am 26. Januar im "Anderen Kino" zu sehen ist. (Foto: Antikriegshaus Sievershausen)

Film mit historischem Fundament im "Anderen Kino"

LEHRTE (r/gg). Der Dokumentarfilm "Ludwigs Absprung" von Karla Sonntag wird am Sonnabend, 26. Januar, um 17 Uhr im ", Sedanplatz 26A gezeigt. Im Anschluss, nach 40 Minuten, gibt es ein Filmgespräch mit der Filmemacherin. Die Moderation leistet Elvin Hülser, Antikriegshaus Sievershausen.
Der Film geht der auch heute aktuellen Frage nach: Was bringt einen jungen Menschen dazu, alles hinter sich zu lassen, aus seinem Heimatland ins Ungewisse zu flüchten und was ist für die Bewältigung der Folgen dieses Schrittes hilfreich? Ludwig Sasse wird auf dem entscheidenden Teil seines Lebensweges begleitet. Als 17-Jähriger flüchtete er im Jahr 1956 von der DDR in die Bundesrepublik. Er fühlte sich als gläubiger Christ, der sich weigerte der FDJ beizutreten und der die Wehrpflicht ablehnte, drangsaliert. Über das Auffanglager Berlin-Marienfelde und vier weitere Lager vollzieht der Film die Stationen dieses schwierigen Weges nach. Der Zuschauer erlebt durch die Fragen der Enkeltochter Mali, 21-jährige Musikstudentin in Leipzig, intensiv, wie sich Ludwig in Sandbostel, dem Auffanglager für jugendliche unbegleitete Flüchtlinge aus der DDR, gefühlt hat, erhält Einblick in den Tagesablauf und die Funktion der Laufzettel. Wie politisch verhält sich ein junger Mensch damals und heute; die Wertevorstellungen als gläubiger Christ und was daraus wurde; die Liebe zu seiner späteren Frau Elke, welche vorerst in der DDR verblieb; die Gruppendynamik und die Rolle des Elternhauses - all dies und mehr wird zwischen dem inzwischen 77-jährigem Opa und seiner Enkelin spannend erzählt, hinterfragt, bebildert und in Szene gesetzt. Die Dokumentation beleuchtet neben dem Einzelnen auch die angespannte politische Lage im geteilten Deutschland bis 1967. Durch Integration von Foto- und Filmmaterial aus den Gedenkstätten Marienfelde und Sandbostel, sowie dem Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig (ehemaliger Sitz der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit) erhält der Film ein historisches Fundament, was durch Familienfotos der Familie Sasse ergänzt wird.