Flagge gegen Gewalt gehisst

Gemeinsame Stellungnahme gegen Gewalt vor dem Rathaus: Ratsfrau Helga Laube-Hoffmann (von links), Brigitte Mende (AWO-Region), Bürgermeister Frank Prüße, Gleichstellungsbeauftragte Freya Markowis und Ratsfrau Bärbel Ahlers. (Foto: Gabriele Gosewisch)

Bürgermeister zeigt Abscheulichkeit der Fälle auf

Lehrte (gg). „Die Befreiung erfordert mehrere Anläufe, wenn Frauen sich von gewalttätigen Männern trennen wollen“, sagte Brigitte Mende, Leiterin der AWO-Frauenberatung im Ostkreis, bei der Präsentation der Flagge mit der Aufschrift „Nein zu Gewalt gegen Frauen“ aus der Initiative der Vereine „Gleichberechtigung und Vernetzung“ und „UN Women Deutschland“. Vor dem Rathaus ist diese Flagge noch bis zur nächsten Woche zu sehen. Dem Bekenntnis schließt sich Bürgermeister Frank Prüße an. Er begrüßt die Mahnung und sagt: „Gewalt gegen Schwächere ist abscheulich.“ Es sei notwendig, dagegen aktiv vorzugehen. Wichtig sei es, die Frauen zu bestärken, die Opfer geworden sind, damit sie Hilfe bekommen und sich wehren können. Frank Prüße ergänzte: „Das ist auf Kinder und Männer zu erweitern.“
Das Thema „Nein zur Gewalt gegen Frauen“ auf die „Unsicherheit im öffentlichen Raum“ zu erweitern, ist das Anliegen von SPD-Ratsfrau Helga Laube-Hoffmann. Gemeinsam mit CDU-Ratsfrau Bärbel Ahlers vertrat sie an diesem Tag den Sozialausschuss. In diesem politischen Gremium wird das Thema Sicherheit immer wieder diskutiert. Mögliche Maßnahmen entstehen im Idealfall aus einer Abwägung zwischen einer gefühlten Wahrnehmung der Gefahr in der Dunkelheit und der Realität, aufgezeigt durch die polizeiliche Kriminalstatistik. Letztere weist für Lehrte 3.487 Fälle über alle Delikte wie Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl, Wohnungseinbrüche und Betäubungsmitteldelikte (im Jahr 2019, bei 44.000 Einwohnern) auf. Bei der Veröffentlichung des polizeilichen Berichts im Frühjahr betonte der Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienste Mario Mantei die Auffälligkeit bei der Beteiligung von Jugendlichen, der Marktspiegel berichtete. Hingegen ist die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt, also Beziehungstaten im privaten Umfeld (nicht nur gegen Frauen, auch gegen Kinder und Familienstreitigkeiten allgemein), verhältnismäßig gering und über die Jahre stagnierend. Zu den 144 Fällen ordnet die Gleichstellungsbeauftragte Freya Markowis jetzt die Zahl der Opfer zu, die nach ihrer Auskunft bei 128 liegt, darunter 85 Frauen und 43 Männer. Sie sagte dazu: „Das kann man interpretieren, wie man mag.“