Experte beim Thema Inkontinenz

Seit 17 Jahren Chefarzt am KRH Klinikum Lehrte: Der promovierte Mediziner Thomas Menzel ist Inkontinenzexperte und als Berater der Deutschen Kontinenz Gesellschaft zertifiziert. (Foto: KRH Region)

Chefarzt der KRH-Klinik für Viszeral- und Gefäßchirurgie

Lehrte (r/gg). Viele Menschen verheimlichen ihre Inkontinenz, fühlen sich unwohl, denken, dass sie im hohen Alter eben Windeln tragen müssen. Dass es für die Meisten Hilfe gibt und in über 80 Prozent der Fälle sogar ohne eine Operation, weiß Inkontinenzexperte und Chefarzt der Klinik für Viszeral- und Gefäßchirurgie des KRH Klinikum Lehrte Thomas Menzel. Zusammen mit seinen Kollegen des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums am KRH Klinikum Lehrte und Großburgwedel gibt der promovierte Mediziner vielen Menschen ein neues Körpergefühl und die alte Lebensfreude wieder. Hier das Interview.
KRH: Warum haben Sie sich als Arzt gerade auf das Thema Inkontinenz spezialisiert?

Thomas Menzel: Eigentlich ist die Antwort ganz einfach. Ich komme aus Hamburg und habe dort viele Jahre in einem Krankenhaus gearbeitet. Mein damaliger Chef hat mir das Faible für dieses Thema übergeben. Es ist aber tatsächlich nicht nur für Betroffene teilweise ein Tabu, auch fehlt oft das Interesse der nachkommenden Kollegen. Ich freue mich aber einen Assistenzarzt zurzeit dafür begeistern zu können.

KRH: Sie sind von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft als Berater zertifiziert. Das braucht viel Erfahrung und Qualifikation. Wie kann man Sie als Patient erreichen?

Thomas Menzel: Meistens wenden sich Patienten durch eine Empfehlung ihres Facharztes oder seltener des Hausarztes an mich. Die Fachärzte sind in meinem Fall die Proktologen. Ich selber bin Experte für Stuhlinkontinenz und Darmspezialist. Unter der Rufnummer 05132 503 212 werden Sie direkt an den richtigen Experten für Ihre Beschwerden weitergeleitet.

KRH: Was sind die ersten Schritte, wenn jemand zu Ihnen kommt?

Thomas Menzel: Zuerst geht es darum die Probleme zu definieren. Wie stark ist mein Leben dadurch eingeschränkt? Sind es Blähungen, oder unkontrollierbarer flüssiger oder fester Stuhl? Wir haben hier unterschiedliche Untersuchungsmethoden um festzustellen, was die Ursachen sind. Wird ballaststoffreich gegessen? Gibt es Unverträglichkeiten zum Beispiel gegen Weizen oder Milch? Sind Sie bereits operiert worden? Wie stark ist das Bindegewebe und so weiter. Körperliche Untersuchungen, Spiegelungen, Druckmessungen, Ultraschalluntersuchungen und weitere Spezialuntersuchungen – wenn das Problem gefunden ist, dann ist es mir wichtig zuerst konservative Methoden auszuprobieren. Änderung der Ernährung, spezielles Beckenbodentraining für zu Hause oder Toilettentraining. Wenn diese Therapie nicht hilft, dann gibt es verschiedene Lösungen durch eine Operation.
KRH: Wie lange braucht die nicht-operative Therapie um zu wirken?

Thomas Menzel: Ernährungsanpassung und Training braucht seine Zeit. Normalerweise, wenn es die Einschränkungen im Leben zulassen, würde ich der Therapie ein Vierteljahr geben. In dieser Zeit stehe ich mit den Patienten im ständigen Austausch.

KRH: Was, wenn die Therapie nicht hilft? Welche Operationen können helfen?

Thomas Menzel: Ich gebe Ihnen einmal ein Beispiel. Eine 79-jährige Frau kam mit einer festen Stuhlinkontinenz zu mir. Unbehandelt bedeutet diese Stufe der Inkontinenz eine Windel zu tragen. Das wollte sie nicht, sie war aktiv und fit, ging regelmäßig zum Sport. Nach meiner Untersuchung empfahl ich ihr einen Schrittmacher einzusetzen. Der Schrittmacher stimuliert seitdem ihren Schließmuskel und wirkt somit gegen ihre Schließmuskelschwäche. Sie hat sich riesig gefreut ihren 80sten Geburtstag ohne Windeln feiern zu können. Operationen finden entweder über den After oder den Bauchraum statt. Viele Eingriffe lassen sich minimal-invasiv, also sehr schonend und ohne lange Liegezeiten ausführen.

KRH: Eine letzte Frage haben wir noch. Wie ist denn die Region Hannover so im Vergleich zu Hamburg?

Thomas Menzel: Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl hier. Im Osten der Region ist das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der KRH Kliniken Lehrte und Großburgwedel wirklich unverzichtbar. Ich habe das hier mit aufgebaut und das macht mich stolz. Mittlerweile treffe ich meine Patienten ab und zu im Supermarkt, dann fragen sie mich nach einem Schnack auch mal nach therapeutischen Dingen.