"Essay zur Zornpolitik"

Professor Uffa Jensen ist am 26. Januar Gastreferent im Antikriegshaus. (Foto: TU Berlin/PR/Alexander Rentsch)

Vortrag im Antikriegshaus am 26. Januar

SIEVERSHAUSEN (r/gg). Die Veranstaltung des Antikriegshauses zum Shoa-Tag 2020, Tag der Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, legt in diesem Jahr ihren Schwerpunkt weniger auf das stille Gedenken, sondern widmet sich Frage nach dem Umfeld, in dem das ungeheure Geschehen möglich wurde - und der Gefahr, die von dieser Haltung auch für unsere heutige Gesellschaft noch immer ausgeht. Dazu hat das Antikriegshaus, Kirchweg 4A, mit Unterstützung der Initiative "Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus" Professor Uffa Jensen zu einem Vortrag am Sonntag, 26. Januar, um 16 Uhr eingeladen.
In seinem Essay „Zornpolitik“ beschäftigt sich der Historiker und Antisemitismusforscher mit der Emotionalisierung von Politik und damit zusammenhängenden Verneinungsgefühlen und Ausgrenzungstendenzen. Diese weisen häufig eine tiefe kulturelle Verwurzelung in althergebrachten Ressentiments und Stereotypen auf – die sich in Vergangenheit und Gegenwart nicht zuletzt in einem Antisemitismus zeigten. Dieser wird auch heute wieder zunehmend sichtbar und offen artikuliert.
Uffa Jensen verweist auf die gesellschaftliche Wirkungsmacht von Gefühlen und diagnostiziert eine erhebliche Zunahme von Angst und Zorn. Diese Zunahme müsse auch als Reaktion auf gesellschaftliche Krisen und politische Unzufriedenheit verstanden werden. Indem er sich ausführlich mit der Innenansicht der Zustände befasst, versucht er, sie zu erfassen, ohne sie entschuldigen oder rechtfertigen zu wollen. Wie mit Emotionen in Gesellschaft und Politik und mit ihren gegenwärtigen Zuspitzungen im Rechtspopulismus und zunehmenden Antisemitismus umgegangen werden kann, werden interessante Diskussionspunkte der Veranstaltung sein.