„Es sah aus wie nach einer Explosion …“

Auch beim Wohnmobil-Crashtest der Dekra in Wildhaus/Schweiz (unser Foto) wurde für das TV-Magazin „Unfallakte Lehrte“ am Sonntag gedreht. (Foto: auto-r/Norbert Böwing)

Fernsehmagazin „Unfallakte“ analysiert Wohnmobil-Unfall auf der A 2 bei Lehrte

LEHRTE (r/kl). Stolz sitzen die Besitzer von Wohnmobilen in ihren nicht selten sündhaft-teuren Fahrzeugen und wirken so, als könne ihnen ein Unfall kaum etwas anhaben. Doch gerade in der Kategorie der integrierten Wohnmobile lauern unterschätzte Gefahren. Was ist, wenn ein solches „Wohnzimmer auf Rädern“ in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt wird? Das Vox-Fernsehmagazin „auto mobil“ analysiert in seiner Beitragsreihe „Die Unfallakte“ am Sonntag, 2. Oktober, von 17.00 bis 18.15 Uhr einen schweren Wohnmobilunfall auf der Autobahn 2 in Höhe Lehrte bei Hannover.
Dort prallte im Juli 2009 zunächst ein Geländewagen gegen den Anhänger eines Wohnmobils und brachte das Gespann ins Schleudern. Dann raste auch noch ein nachfolgender Mercedes mit hohem Tempo in die Seite des Fahrzeuges.
Wie durch ein Wunder überstehen die beiden Insassen des Wohnmobils den Crash unverletzt, jedoch gleicht die Unfallstelle einem Schlachtfeld. Auf mehr als 150 Metern blockieren Fahrzeugteile die Autobahn.
„Ich glaube, ich habe für den Rest meines Lebens die Schutzengel verbraucht“, sagt Beifahrerin Susanne Meulenberg sichtlich erschrocken. Auch Fahrer Wilfried Stange, der auf dem Weg zu einer Ausstellung nach Wolfsburg war, kann es nicht fassen: „Es ist unglaublich, dass wir noch leben“. Selbst Abschleppunternehmer Oliver Flörke, der nahezu täglich an Unfallstellen kommt, hat so etwas noch nicht gesehen: „Das Wohnmobil ist in tausend Teile zerrissen. Es sah aus wie nach einer Explosion. Man konnte zunächst nicht einmal erkennen, ob es ein Wohnmobil oder ein Wohnwagen war“.
Ausgelöst wurde der Unfall nach Angaben der Autobahnpolizei Hannover vermutlich durch einen übermüdeten Geländewagenfahrer, der mit seinem BMW X 5 offensichtlich ungebremst in das Gespann gefahren ist. „Der Mann hat sich zu dem Unfall selbst nicht geäußert, aber er ist höchstwahrscheinlich hinter dem Steuer eingenickt“, erläutert Thorben Menzel von der zuständigen Autobahnpolizeiwache in Garbsen. Dafür spricht übrigens, dass es keinerlei Bremsspuren gibt. Zweifelsfrei fest steht, dass das Wohnmobil ordnungsgemäß und beleuchtet auf der rechten Fahrspur unterwegs war. Menzel weiter: „Die beiden Insassen des Wohnmobils hätten genauso gut tot sein können. Die Karosse des Wohnmobils ist vom Unterschutz abgerissen worden. Und das bedeutet, dass der Fahrer und die Beifahrerin auch auf der Fahrbahn hätten liegen können“.
Bei dem verunglückten Fahrzeug handelt es sich um ein integriertes Wohnmobil. So wundert sich Diplom-Ingenieur Norbert Todt von der Dekra auch nicht über die extremen Zerstörungen. Dass es durch den Unfall quasi wie ein Kartenhaus zusammengebrochen ist, liegt an der bauartbedingten Konstruktion. Denn im Gegensatz zu Reisemobilen mit fester Fahrerkabine verfügt ein integriertes Wohnmobil über keine schützende Fahrgastzelle.
Der Unfallanalytiker: „Ein Wohnmobil dieser Art ist eine rollende Gartenlaube und wirklich nicht für die Insassensicherheit gebaut. Es sind dort keine Steifigkeiten vorhanden, die die Insassen bei einem Unfall schützen können. Deshalb hat sich das Wohnmobil auch vollständig zerlegt“. Und was wäre passiert, wenn das Fahrzeug von Wilfried Stange von einem Lkw erfasst worden wäre? Dieses Szenario will der Sachverständige lieber nicht ausmalen, da es für die Insassen kaum eine Überlebenschance gegeben hätte. Weitere Informationen unter www.unfallakte.de.