Es gibt tatsächlich Momente, in denen Europa auch im Wahlkampf richtig Freude bereitet . . .

Mittags mit dem ebenfalls im Wahlkampf stehenden Regionspräsidenten Hauke Jagau (links) Spaß am direkten Wählerkontakt beim Verteilen von Muttertagsrosen beim Lehrter "Maibummel" . . . (Foto: SPD/Licht)
 
Nachmittags die persönliche Begrüßung per Handschlag für jeder und jeden der trotz Regen eintreffenden Besucher/innen des "Europa-Festes" der Lehrter Kernstadt-SPD . . . (Foto: Walter Klinger)
 
. . . am frühen Abend persönliche Hilfe beim Abbau des Standes seiner Heimat-SPD beim Burgdorfer "Tag des Ehrenamtes": Bernd Lange in Aktion. (Foto: Walter Klinger)

Impressionen von Muttertagsaktion und "Europa-Fest" mit dem Abgeordneten Bernd Lange

ALTKREIS/BURGDORF/LEHRTE. Die durch die Situation in der Ukraine befeuerte Frage nach Frieden, Krise oder gar Kriegsgefahr in Europa; aber auch das regional diskutierte Thema Gerechtigkeit (Müllgebühren nach dem Gerichtsurteil) und Ver- wie Vorsorge (Bestand der Regionskrankenhäuser, während jetzt sogar die der Diakonie in Schieflage sind) haben ihn wieder interessant gemacht, den gemeinsamen Wahltermin am 25. Mai für den Regionspräsidenten und das Europaparlament.
Obwohl diese politischen Ebenen (in umgekehrter Proportionalität zu den wichtigen Entscheidungen, die dort getroffen werden) doch so weit weg zu sein schienen. Mehr Menschen als noch zum Wahlkampfstart bleiben nun an den Infoständen stehen, wollen nicht nur Infomaterial, sondern suchen oft auch die Aussprache zur aktuellen Situation.
Und die Säle füllen sich wieder, wie vor kurzem beim Europa-Diskussionsdialog der SPD Burgdorf, Lehrte, Uetze mit Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig im voll besetzten Dorfgemeinschaftshaus Steinwedel. Aber Wahlaktionen, die auch Lächeln auf die Gesichter der Kandidaten "zaubern" und bei denen die Besucher sogar richtig Spaß haben wie jetzt in Lehrte - das ist eine in diesem Wahlkampf doch selten erreichte Qualität!
Als Verbeugung auch vor dem Tag der Mütter, gönnte die SPD-Basis der Lehrter Kernstadt dem wieder kandidierenden Regionspräsidenten Hauke Jagau und dem Europaabgeordneten Bernd Lange eine Atempause vom am-Stand-stehen, stattete sie mit 300 Muttertagsrosen aus und bereitete beiden Kandidaten, "zum Anfassen", beim City-Stadtfest "Maibummel" ein anderthalbstündiges kleines "Bad in der Menge".
Als Bernd Lange vor Beginn des anschließenden "Europa-Festes" (wegen wieder einsetzendem Dauerregen nun im Saal) allen die Hand schüttelt, wirkt er so charmant-munter wie ein großer Junge oder einer der jungen Helfer. Schnell aber wird auch deutlich, dass er (auf Platz 1 der Landes- und Platz 5 der Bundesliste kommt man ja nicht von ungefähr) sich ebenfalls auf durchaus staatsmännische Analyse versteht.
Doch auch Europawitz kann: Findet ein deutscher Urlauber an fernem Strand eine Flaschenpost, aus welcher er einen Geist befreit, der ihm einen Wunsch gewährt. Der Urlauber - er fliegt nicht, schoppt aber gern - möchte eine Autobahn von Borkum nach New York. Doch es ist nur ein kleiner Geist, möchte deshalb eine leichtere Aufgabe. Kommission, Rat, Parlament - mach mir das verwirrende politische Zusammenspiel in Europa doch einfacher verständlich, ist der neue Wunsch. Darauf perplex der Geist: Wieviel Spuren also soll Deine Autobahn haben?
Auch dieses Bild passt zu Europa - und zu Lange. Einige im Publikum wissen noch, dass dieser in seiner ersten Wahlperiode verkehrspolitischer Sprecher der Europa-Sozialdemokraten war - und im Hanomag-"Kommißbrot" bei Oldie-Rallyes Historie auch ganz persönlich pflegt.
Geschichtliche Erfahrungen beeinflussen aktuelle Politik: Mit dem nach dem Krieg vom (dafür angefeindeten) französischen Außenminister Robert Schumann geprägten Wort von Europa, das nicht an einem Tag zu erschaffen ist, sondern die Solidarität der Tat erfordert, ordnet Lange auch die aktuellen Probleme in die Dimension langfristiger Friedenslösungen ein.
Inzwischen handelspolitischer Sprecher der EU-Sozialdemokraten, sagt der Abgeordnete offen, dass so manches weiterhin dauern wird. Die Verhandlungen über das transatlantische Handelsabkommen mit den USA etwa; so lange nämlich, wie Europa dadurch Einschränkung von Freiheits-, Arbeits- und Wirtschaftsrechten drohen.
Lange engagiert sich auch für die Veröffentlichung des vertraulich verhandelten Vertragsentwurfes; dies übrigens genau so leidenschaftlich, wie er das in seiner ersten Wahlperiode schon für die Stärkung der (Etat-)Rechte des Europäischen Parlamentes getan hat.
Dabei, die im Vergleich hohen sozialen Mindeststandards in der EU zu sichern, sieht Lange die Sozialdemokratie auch beim innereuropäischen Handeln in starkem Gegensatz zur konservativen Mehrheit im Europaparlament. So wisse man, wie zum Beispiel Rumänen oder Bulgaren als Leiharbeiter ausgebeutet würden. Dennoch schrieben die Konservativen eine Befreiung der Generalunternehmer von der Haftung, wenn ihre Subunternehmer gegen geltendes Recht verstoßen, in die neuen europäischen Regeln.
"Da zieht es mir glatt die Schuhe aus!", sagt Lange dazu, dass zusätzlich der Zoll sich künftig bei Kontrollen auf Baustellen am Tag zuvor dort anmelden soll. Nur eines von vielen Beispielen dafür, wohin der Weg mit der konservativen Mehrheit in Europa gehe, warnt Lange.
Kampfeswillen für das stetige Ringen für soziale und politische Rechte bekräftigt im weiteren Kulturprogramm dann das gemeinsame Mitsingen der von Bernhard Nuß zur Gitarre vorgetragenen internationalen Arbeiterlieder. Der aus dem küstennäheren Bremerhaven stammende Sänger ist erkältet, stimmt die "Internationale" zwei Tonarten tiefer an als sonst. Bereits in der ersten Strophe ebbt deshalb unter Heiterkeit der Gesang ab - Bernd Lange aber hat noch eine Liedzeile weiter gesungen . . .
Auch das passt ins Bild des Abgeordneten, der wegen der politischen Großwetterlage (und nur knapp) schon mal eine Periode im Parlament passen musste. Europa aber nicht aus dem Blick verlor und sich dorthin zurück kämpfte. Europa braucht Lange(n) Atem . . .
Zur angestrebten Begegnung der Kulturen tragen beim "Europa"-Fest in Lehrte ebenfalls die Folkloregruppe "Mullin Dhu" (irisch-schottische Songs) und mit moderner Girliepower-Performance zu Pop-Charts-Hits zeigt die neue Tanzgruppe "Yurdumdance" des Sportvereins "Yurdumspor" Lehrte, wie sehr auch die türkischstämmige Bevölkerung bereits im modernen Europa angekommen ist.
Ein erlebnisreicher, unterhaltsamer Wahlkampf(fest)tag also bei der SPD, an dessen Ende wir abends Bernd Lange - zwischenzeitlich noch anderswo im großen Wahlkreis unterwegs - in Burgdorf wiedertreffen. Der dortige "Tag des Ehrenamtes" hatte den Charakter eines zu eigenem Engagement anregenden "Markt der Möglichkeiten".
Der handelspolitische Sprecher der europäischen Sozialdemokratie macht hier gerade das, was auch Wochenmarktbeschicker können müssen: er verstaut den Inhalt (des Standes seiner Heimat-SPD) im Kleinbus. In Personalunion Niedersachsens Nr. 1 der SPD in Europa, und zugleich Basisarbeiter daheim, auch das passt ins Bild von Lange, und hier schließt sich der Kreis . . .
Ruft deshalb der Redakteur dem Lange zu: "Es ist doch immer die Basis, welche die Gemeinschaft trägt!". Sagt der Europaabgeordnete, der gerade einen Sonnenschirm zum Auto trägt: "Genau so!". Vielleicht gelten diese Aussage und das begleitende Lächeln ja der Freude darüber, dass noch alles in den Minivan reinpasst. Gemeint ist aber wohl vor allem: Europa fängt genau da an, wo man lebt und sich für Gemeinsamkeit und Gemeinschaft engagiert!
Ob die wochenlangen Stunden der Abgeordneten an den Europa-Infoständen wohl auch von den Wählern honoriert werden? Aus dem in einer benachbarten Wohnung flimmernden Bildern ist deutlich zu erkennen, dass es im TV wieder um die Ost-Ukraine geht.
In diesem Moment denkt unser Redakteur: Es ist vielleicht doch noch nicht so ganz ausgemacht, dass wirklich die Fußball-WM mehr Menschen vor den Fernseher, als am 25. Mai die Europawahl an die Wahlurnen bringen wird . . .