Erste IGM-Demo 2010 bei Miele sollte Druck machen gegen neue soziale Kälte

Peter Lindner, Generalbevollmächtigter des IG Metall-Geschäftsbezirks Celle, sprach vor den Plakaten mit den Forderungen seiner Gewrkschaft gegen Sozialabbau. (Foto: Walter Klinger)
 
Demonstrieren auch in Hannover wollen sie bei jedem Wetter. Die Miele-Beschäftigten probierten schon mal die von der IG Metall gestellten Regenschirme aus. (Foto: Walter Klinger)
LEHRTE/SEHNDE. „Druck machen für gerechte Politik gegen soziale Kälte“ wollen die Gewerkschaften im DGB bei ihrer Kundgebung am 6. November ab 10.00 Uhr auf dem Klagesmarkt und einer anschließenden Demo durch die hannoversche Innenstadt. Neben DGB-Chef Michael Sommer wird (zum Thema Gesundheitsreform) dort auch Hartmut Meine, Präsident des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), einer der Hauptredner sein. Mit den Finanzfolgen für die Städte befasst sich bereits am 25. Oktober eine um die Lehrter Bürgermeisterin und den Sehnder Bürgermeister sowie die Sozialverbände erweiterte Gemeinschaftsveranstaltung mit dem DGB Lehrte in der St. Bernward-Gemeinde (siehe auch die unten stehende Ankündigung). Auftakt zur Mobilisierung eines breiten Gegen-Bündnisses war jetzt eine Demonstration von etwa 150 Miele-Beschäftigten vor den Werkstoren in Lehrte.
„Wir sind hier, weil wir die Schnauze voll haben,“ rief Brandon Isaac, Vorsitzender der IG Metall-Vertrauensleute vor seinen KollegInnen aus: „Die, welche die Krise verursacht haben, werden gerettet - wir, die Opfer, sollen zahlen.“
Als Gastredner unterstrich auch der Lehrter DGB-Ortskartell-Vorsitzende Reinhard Nold: „Es kann nicht klappen, dass die Wege, die in die Krise geführt haben, auch wieder hinaus führen sollen“.
Jegliche Reform bedeute heute, dass den Arbeitnehmern noch tiefer in die Tasche gegriffen werde, beklagte der Miele-Betriebratsvorsitzende Frank Pern. Er prophezeit schon in etwa zehn Jahren allein einen Krankenkassen-Zusatzbeitrag von mehr als 100 Euro.
„Betrug am Leben“ nannte der Bevollmächtigte des Geschäftsbezirks Celle der Industriegewerkschaft Metall (IGM), Peter Lindner, die Rente mit 67, die nichts anderes als eine Kürzung bedeute. Bei hiesigen Durchschnittsrenten von 1.048 Euro bei Männern und 790 Euro bei Frauen könne, wer nicht das Glück von Zusatz-Betriebsrenten wie bei Miele habe, angesichts der Mehrbelastungen damit nicht mehr auskommen.
Gleiches gelte auch für Leiharbeiter, die für gleiche Arbeit in der industrie bis zu 40 Prozent weniger verdienten und beim Ende der Beauftragung des jeweiligen anforderrnden Betriebes von der Leiharbeitsfirma nun sofort wieder auf die Straße gesetzt werden könnten. Hier heiße das Ziel „gleiches Geld für gleiche Arbeit“, wie in der Stahlindustrie bereits durchgesetzt und vereinbart sei.
Bei ihren Aktionen gegen die soziale Kälte wollen sich die Gewerkschafter auch nicht von ebensolcher Witterung abhalten lassen. Jeder Kundgebungsteilnehmer konnte so einen roten Regenschirm und als Pausenzehrung einen vom NöhenHof georderten roten Apfel mitnehmen.
Die Busse am 6. November fahren um 8.15 Uhr vom Hotel „Zum Kamin“ Iltener Straße, um 8.30 Uhr vom Lidl-Parkplatz Burgdorfer Straße, um 8.45 Uhr vom Parkplatz Miele Industriestraße und in Ilten um 9.00 Uhr von der B 65 (gegenüber Grillhaus Steiner) ab. Anmeldungen nimmt der DGB Lehrte unter Telefon und Fax (05132) 58 94 01 sowie unter www.dgb-lehrte@web.de entgegen.
VERANSTALTUNGSHINWEIS:
DGB-Diskussion mit Bürgermeistern und Sozialverbänden zur Auswirkung des „Sparpaketes“ auf die Städte und Gemeinden
LEHRTE/SEHNDE (r/kl). Unter dem Motto „Von der Sozialhilfe zur Verwaltung des Elends? - Auswirkungen des Sparpaketes auf die Städte und Gemeinden“ laden der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) mit Lehrter Sozialverbänden, wie dem Sozialverband Deutschland (SoVD), der Arbeiterwohlfahrt (AWO) dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB), dem Ausländerarbeitskreis und dem Caritasverband, am Montag, 25. Oktober, ab 18.00 Uhr zu einer Diskussionsrunde in das Pfarrheim der katholischen St. Bernward-Gemeinde in der Feldstraße 10 in Lehrte ein.
Angesichts der dramatischen Finanzsituation vieler Städte, Landkreise und Gemeinden fordern niedersächsische Kommunen und Gewerkschaften eine ausreichende und planbare Einnahmestruktur für die Kommunen, um die Handlungskraft und Gestaltungsfähigkeit wieder herzustellen und auszubauen.
Der örtliche DGB Vorsitzende, Reinhard Nold sagt: „Aufgrund der mangelnden Finanzierung der kommunalen Aufgaben werden Schwimmbäder, Büchereien, Verwaltungsaußenstellen geschlossen. Straßen und Gebäude verfallen oder werden, wie in Lehrte bereits angedacht, verkauft.“
Um den Menschen und Bürgerinnen und Bürgern in Lehrte die massiven Folgen des von der Bundesregierung verabschiedeten Sparprogramms vor Augen zu führen, hat der DGB Lehrte die Initiative ergriffen und die Lehrter Sozialverbände für eine gemeinsame Veranstaltung gewinnen können.
Es sollen die voraussichtlichen Auswirkungen des „Sparpaketes“ auf die Armutsentwicklung in den Städten und Gemeinden untersucht werden. Folgende Aspekte stehen hierbei am 25. Oktober im Fokus:
- Kinder-, Jugend- und Altersarmut,
- „freiwillige Leistungen“ der Kommunen,
- besondere Entwicklungen in sozialen Brennpunkten,
- Auswirkungen auf Bildungsbereiche,
- Spezielle Situation der Migrantinnen und Migranten, und
- Sport und Kultur.
Zu der Diskussionsrunde werden Vertreter der Lehrte Sozialverbände sowie Dr. Hans-Jürgen Marcus, Caritasdirektor des Caritasverbandes für die Diözese Hildesheim; Heiger Scholz, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages; Lehrtes Bürgermeisterin Jutta Voß und der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke beitragen. Einleitende Worte wird Reinhard Nold vom DGB Lehrte sprechen und die Moderation wird Volker Eggers (Gewerkschaftssekretär der DGB-Region Niedersachsen-Mitte) übernehmen.
Informationsmaterial und Broschüren können Interessierte zum Themenkomplex „Kommunale Finanzen / Sparpaket“ bei der Veranstaltung erhalten oder zur Vorbereitung auf das Thema beim DGB Lehrte per E-Mail an DGB-Lehrte@web.de anfordern. Darüber hinaus können weitere Informationen im Internet unter www.dgb-lehrte.de.ms abgerufen oder heruntergeladen werden.