"Erlernte Resignation der Jugend"

Andreas Zumach (von links), Antikriegshaus-präsidentin Giesela Fähndrich, Presiträger Tillmann Wörtz, Vereinsvorsitzender Berndt Waltje Jurorin Edelgard Bulmahn in der Feierstunde zur Vergabe der "Sieverhäuser Ermutigung". (Foto: Antikriegshaus)

Ehrung für "Culture Counts Foundation" für Friedensbotschaft

SIEVERSHAUSEN (r/gg). Die "Sievershäuser Ermutigung" wird seit 30 Jahren für beispielhafte Friedens- und Menschenrechts­arbeit vom Antikriegshaus Sievershausen verliehen, seit 2014 zusammen mit der Stiftung Frieden ist ein Menschenrecht. Die Ausschreibung erfolgt zu wechselnden Themen, immer stehen Frieden und Menschenrechte im Mittelpunkt. Deshalb erfolgt die Ehrung zeitnah zum Tag der Menschen­rechte am 10. Dezember. In diesem Jahr war der Preis ausgeschrieben zum Thema „Konstruktiver, konfliktsensitiver Journalismus im Bereich Krieg und Frieden“.
Geehrt wurde die von den Journalisten Michael Gleich und Tilman Wörtz ins Leben gerufene "Culture Counts Foundation" aus Weinstadt bei Stuttgart, die das Projekt "Peace counts" betreibt, in dem ein Netzwerk von Reportern, Fotografinnen, Friedenspädagogen und -forscherinnen gute und hintergründige Reportagen aus Krisen- und Konfliktregionen produziert, diese zusammen mit der Berghof Stiftung didaktisch aufbereitet und für den Bildungsbereich zur Verfügung stellt. Ein von ihnen herausgegebenes Magazin versammelt Informationen und Reportagen zu verschiedenen Themen aus Konfliktregionen. Eine gleichnamige Ausstellung der Initiative ist noch bis zum 23. Januar im Antikriegshaus zu sehen.
Das Publikum der gut besuchten Veranstaltung erlebte ein interessantes Programm, wobei das Thema "konfliktsensitiver Journalismus" von dem bekannten Journalisten Andreas Zumach intensiv beleuchtet wurde. Dieser betonte, wie wichtig die journalistischen Standards wie Allparteilichkeit, Bestätigung durch eine zweite Quelle und Vermeidung von Verzerrungen für eine Qualitäts-Berichterstattung sind und dass diese durch die heutigen Rahmenbedingungen nicht immer eingehalten werden. Er verwies auf Untersuchungen, dass die vorherrschende Negativ-Berichterstattung gerade bei jungen Menschen zu "erlernter Resignation" führt – wenn Konflikte als weitgehend unlösbar geschildert werden, kümmert man sich am besten gar nicht weiter darum – und dass demgegenüber positive Berichte, in denen Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, zu einem höheren Interesse am Geschehen und auch zu höherer eigener Handlungsbereitschaft führen. Deshalb appellierte er an die Medien, bei der Berichterstattung zu Konfliktregionen die Kriegsrahmung mit einer Friedensrahmung zu ergänzen. Allerdings ist diese durchaus mühseliger, weil das einfache Gut-Böse-Schema nicht greift und Friedensprozesse eine gute Analyse der jeweiligen Situation erfordern.
Jury-Mitglied Edelgard Bulmahn beschrieb den schwierigen Prozess der Auswahl eines Preisträgers, weil viele gute Bewerbungen eingegangen waren, und Tilman Wörtz von Culture Counts Foundation schilderte in seiner Dankesrede die Vielfalt von Projekten, die die Initiative auf den Weg gebracht hat. Er bedankte sich für die Auszeichnung und das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro, das in einem prekären Bereich wie dem unabhängigen Journalismus gut gebraucht würde. Begleitet wurde die zweistündige Veranstaltung durch Saxofon-Musik von Rieke Könecke aus Sievershausen. Nach dem offiziellen Teil wurden mit den Gästen aus nah und fern bei einem Imbiss noch viele interessante Gespräche geführt und Kontakte geknüpft.