Elsa Pfeiffer feierte ihren 100. Geburtstag

Sie kann es nicht wirklich glauben, aber der Ballon zeigt die richtige Zahl: Elsa Pfeiffer blickt strahlend zurück auf 100 Lebensjahre. (Foto: Susanna Veenhuis)

Als „Fräulein vom Amt“ noch Telefonleitungen gestöpselt

LEHRTE (sv). An ihre Zeit auf dem Postamt in Schweinfurt kann sich Elsa Pfeiffer noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. Lachend erzählt sie von ihren Kopfhören mit Mikrofon, über die sie die Wünsche der Telefonkunden aufnahm, und über das manuelle Ein- und Ausstöpseln der Leitungen im großen Schaltschrank – in einer Reihe mit vielen Kolleginnen. „Das kennt heute kein Mensch mehr!“ Heute heißt ihr damaliger Kopfputz Headset und wird nicht nur fürs Telefonieren benutzt. Gut Jahre ist ihr Einsatz als „Fräulein vom Amt“ her, jetzt konnte die rührige Dame ihren 100. Geburtstag feiern.
Genau ein Jahr und drei Tage nach dem offiziellen Ende des ersten Weltkriegs wurde Elsa Eichhorn als jüngstes von drei Geschwistern im ostfränkischen Gochsheim bei Schweinfurt geboren. Bruder und Schwester waren acht und sieben Jahre älter als sie. „Ich wuchs als verwöhntes Nesthäkchen auf“, berichtet sie. Doch das verwöhnte Kind zeigt stabile Nerven und Einsatzfreude in der Schule mit Altersheim in Himmelkron, wo sie in der Großküche arbeitet. Als die Küchen-Schwester durch einen Beinbruch ausfällt, übernimmt sie als 18-Jährige die Leitung und kocht täglich für 80 Leute – eine Zeit, an die sie sich gern erinnert.
Auch Aschaffenburg ist einer ihrer Lieblings-Wohnorte. Damals galt sie schon als spätes Mädchen, sagt sie heute, als es mit 29 Jahren doch noch funkte: Erwin Pfeiffer, Kollege im Postdienst, erobert das Herz der Fränkin. 1949 wird geheiratet. Der Ehemann bringt Tochter Hildegard, genannt Hilde, mit in die Ehe, die Elsa Pfeiffer adoptiert. Das sportliche, Volleyball und Handball spielende Mädchen ist elf, als die Familie nach Obernburg am Main umzieht. Berufsbedingt wechselt die Familie öfter den Wohnsitz. Als Gatte Erwin schwer erkrankt und pflegebedürftig wird, mietet sich das Paar 2001 im Rosemarie-Nieschlag-Haus in Lehrte ein. Denn die Tochter wohnt mit Mann und zwei Kindern ganz in der Nähe in Ahlten.
Nach dem Tod des Gatten bleibt die agile Fränkin in dem Altersheim an der Iltener Straße. Sie hat dort Freundschaften geschlossen und engagiert sich als Vorsitzende des Heimbeirats intensiv für die Geschicke des Hauses und Interessen der Bewohner. Im damaligen Heimleiter Johannes Reese hat sie einen großen Unterstützer für ihre Anliegen. Tägliche Spaziergänge mit ihrer Freundin, die leider im vergangenen Jahr starb, gehörten zum Tagesprogramm. Mit Ablegern ihrer Geranien, aber auch Orchideen und anderen Blühpflanzen verschönerte sie die Fensterbretter in ihrem Wohntrakt. Auch ihre kleine Terrasse im mittlerweile abgerissenen Park-Trakt war stets ein Blütenmeer. Lesen, Rätselspaß und Fernsehen gehörten ebenfalls zu ihren Vorlieben. Zum Erreichen dieses Alters gehören auch offizielle Gratulanten wie beispielsweise der stellvertretende Bürgermeister Wilhelm Busch. Die angekündigte stellvertretende Regionspräsidentin Michaela Michalowitz ließ sich aus Krankheitsgründen entschuldigen, schickte aber ihren Fahrer mit Urkunde, Gratulationskarte und einem großen Geschenkkorb.
Einen Tipp für das Erreichen der dreistelligen Geburtstagszahl hat sie nicht. „Ich hab einfach nur immer weiter gemacht“, sagt die Hundertjährige, die ihren Jubeltag mit Tochter und Schwiegersohn, zwei Enkelkindern und vier Urenkeln beging. Dazu gab es von ihren Lieben unter anderem eine Torte mit einem Eichhörnchen aus Marzipan – nach ihrem Geburtsnamen.