Ein Thema, zwei Versammlungen

Gut besucht: Rund 150 Zuhörer informierten sich in der improvisierten Einwohnerversammlung der Bürgerinitiative in der Scheune von Bauer Böhmeke.

Stadt und Bürgerinitiative informieren über geplantes Aldi-Logistikzentrum in Aligse

ALIGSE. Der Streit um das geplante Aldi-Logistikzentrum in Aligse eskaliert weiter und entzweit zugleich den Ort: Zeitgleich informierten kürzlich Stadtverwaltung und Bürgerinitiative (BI) über den Stand der Dinge. Wirklich Neues gab es allerdings nur auf der Versammlung der BI zu erfahren. Dort stellte der Sachverständige Wulf Hahn sein Gutachten zu dem durch das Projekt zu erwartenden zusätzlichen Verkehrsaufkommen in Aligse vor. Der BI-Vorsitzende Otto Lüders hatte es in Auftrag gegeben.
Knackpunkt in der Diskussion um das geplante Aldi-Logistikzentrum ist das mögliche Verkehrsaufkommen in Aligse. Rund 1500 zusätzliche Fahrten täglich sind zu erwarten, heißt es in dem Gutachten, dass Grundlage für den derzeit ausgelegten städtischen Bebauungsplans ist. "Das sind viel zu wenige", meint der BI-Sachverständige Wulf Hahn und macht eine ganz andere Rechnung auf. Er geht von knapp 3000 zusätzlichen Fahrten aus und spart auch nicht mit Kollegenschellte: Das von der Stadt genutzte Gutachten entspricht "nicht dem Stand der Technik und die Zahlen darin passen hinten und vorne nicht." Sein Fazit: Auf Basis des dem Bebauungsplan beiliegenden Gutachtens ist "keine Abwägung möglich."
Ein Urteil, dass vor allem in Reihen der Bürgerinitiative Freude auslöst. "Nach dem neuen Gutachten kann der vorgelegte Bebauungsplan nicht verabschiedet werden", ist sich Otto Lüders sicher. Und er spart auch nicht mit Kritik an der Verwaltung: "Wir machen hier die Arbeit, die die Stadt hätte machen müssen", sagt der BI-Vorsitzende weiter.
Die Verwaltung selber will sich derzeit inhaltlich nicht zu dem Thema äußern. "Wir betrachten das neue Gutachten als eine Einwendung im Rahmen des derzeit ausgelegten Bebauungsplanes", sagt Bürgermeister Klaus Sidortschuk und sichert eine eingehende Prüfung zu. Mit einem Ergebnis kann voraussichtlich im Herbst gerechnet werden. Dann soll der Lehrter Stadtrat über den Bebauungsplan abstimmen.
Den beiden Einwohnerversammlung vorausgegangen waren einige Tage mit Telefonaten und einem regen E-Mail-Verkehr zwischen der Stadtverwaltung und der Bürgerinitiative. Die BI wollte ihr neues Gutachten im Rahmen der städtischen Einwohnerversammlung in der Aligser Sporthalle vorstellen und forderte deshalb Rederecht und einen Platz auf dem Podium. Darauf wollte sich die Verwaltung nicht einlassen. Sie pochte auf Einhaltung der Regularien. Der Aligser Ortsrat hatte die Stadt vor den Sommerferien aufgefordert, über den derzeit ausliegenden Bebauungsplan im Rahmen einer Einwohnerversammlung zu informieren. "Und genau das tuen wir", sagte Bürgermeister Klaus Sidortschuk kurz vor Beginn der Versammlung.
Bürger wollen Infos von der BI
Eine Haltung, die bei der Bürgerinitiative auf Unverständnis stößt. "Es liegen neue Fakten auf dem Tisch und die sollen die Bürger nicht erfahren", sagt Lüders mit einem Kopfschütteln. Kurzer Hand entschloss sich die Bürgerinitiative deshalb zu der zweiten Einwohnerversammlung. Keine 300 Meter entfernt vom städtischen Versammlungsort in der Aligser Sporthalle lud die BI zu ihrer Info-Versammlung in eine eilens leergeräumte Scheune an der Peiner Heerstraße ein. Darüber, an welchen Informationen die Aligser Bürger ein größeres Interesse hatten, stimmten sie mit den Füßen ab: Rund 150 Zuhörer folgten der BI-Einladung in die Scheune, während 60 Zuhörer - darunter Lehrter Ratsherren und -frauen - in der Sporthalle den städtischen Vortrag hören wollten. Bis Ende des Monats können Aligser nun bei der Stadtverwaltung etwaige Einwände gegen den ausgelegten Bebauungsplan für das geplante Logistikzentruzm in ihrem Ort vorbringen.