Ein starkes Stück über Mobbing

Lea, gespielt von Judith Mundinger, erfährt, dass die Leute, denen sie am meisten vertraut, sie hintergehen: ihre Freunde. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Viele Fragen ihres jungen, aufmerksamen Publikums hatten die Schauspieler Judith Mundinger und Richard Rabeus nach der Vorstellung zu beantworten. (Foto: Susanna Veenhuis)

„Fake“ vom Radiks-Ensemble beeindruckt Schüler sehr

LEHRTE (sv). Handys sind auf lautlos gestellt und bleiben unbeachtet; wichtige Mädchengespräche sind verstummt, und selbst die Klassenclowns halten mal die Füße ruhig: Mucksmäuschenstill war es im Kurt-Hirschfeld-Forum bei der Aufführung des Stücks „Fake“ oder „War doch nur Spaß“. In der Theaterproduktion von Karl Koch geht es um Mobbing. Offenbar ist das auch schon für die Siebtklässler ein Thema: Die Schüler des siebenten Jahrgangs von Hauptschule und Integrierter Gesamtschule verfolgen das Stück gebannt bis zum Schluss. Gymnasium und Realschule kamen in weiteren Aufführungen in den Genuss des Stücks.
Wieder einmal haben die Schulsozialarbeiter Corinna Gerardi von der IGS und Manfred Günteroth von der Hauptschule im Rahmen ihrer Präventions- und Schulsozialarbeit das Tourneetheater Radiks aus Berlin eingeladen, das die aktuellen Jugendprobleme in einer Form darstellt, mit der sich die Jugendlichen und auch die Betroffenen gut identifizieren können. Für die Achtklässler stand das Stück „Wir waren mal Freunde“ mit Themen wie soziale Kompetenz, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt am Folgetag auf dem Programm.
Für die Siebtklässler geht es diesmal um die 17-jährige Lea, die sich bei einer Model-Agentur beworben hat und nach Angaben des Managers auch genommen würde, wenn ihr Vater den Vertrag unterschreibt. Der weigert sich jedoch, aber das wird für Lea, die sich natürlich ausgebremst und unverstanden fühlt, schnell das kleinste Problem sein. Plötzlich setzt sich ein immer gewaltiger werdender Shitstorm gegen die 17-Jährige in Bewegung, sowohl in den sozialen Medien als auch ganz direkt auf dem Schulhof, der bis in ihren Freundeskreis herein reicht. Es dauert ein bisschen, bis Lea herausfindet, dass die Mobbingwelle ausgerechnet aus dem Kreis derer heraus, denen sie am meisten vertraut, losgetreten wurde. Und das alles nur, weil ihre allerbeste Freundin eifersüchtig war, denn sie war von der Model-Agentur abgelehnt worden. Sie wollte Lea nur eins auswischen und hat sie damit sogar in Lebensgefahr gebracht.
Der Mobbing-Exzess hat in dem Stück nicht nur für das Opfer und die ihm nahestehenden Menschen schlimme Folgen. Auch die Verursacher werden für ihre Untaten belangt, die Ursache und Teil einer ganz üblen, sich auch in den sozialen Medien verselbstständigenden Intrige gegen eine Gleichaltrige waren.
Bedauerlicherweise mussten die Hauptschüler direkt nach dem Stück wieder in die Schule zurückgehen; sicher hätten sie auch in der anschließenden Gesprächsrunde Fragen an die Schauspieler gehabt. Judith Mundinger und Richard Rabeus waren während des Stücks in verschiedene Charaktere geschlüpft und wirkten so privat und mit Brille wiederum ganz anders als auf der Bühne. Das faszinierte Publikum interessierte sich zunächst für deren Werdegang und die Entstehung des sehr authentisch wirkenden Theaterstücks. Nur allmählich näherten sich die Schüler dem Kernthema, das in irgendeiner Form wohl alle betraf. Einige berichteten offen, dass sie tatsächlich Opfer einer solchen Mobbing-Kampagne waren und sie mit Hilfe anderer überwinden konnten. Auch die selbstbewusste, 23 Jahre alte Schauspielerin gestand ein, an ihrer Schule gemobbt worden zu sein. Letzlich habe sie aber ihren Traum verwirklicht und sei Schauspielerin geworden - wie in dem Rap “Mein Traum“ in dem Theaterstück.