"Ein Schaufensterbummel in Immensen"

Mit den heimatgeschichtlichen Stationen gab es beim Dorfspaziergang in Immensen ein Programm, das bei den Teilnehmern gut ankam. (Foto: H. Bleckwenn)

Anekdoten begeisterten beim Dorfspaziergang

IMMENSEN (gg). Zum Dorfspaziergang mit heimatgeschichtlichen Hinweisen hatte der Arbeitskreis "Unser Dorf hat Zukunft" für Sonntagnachmittag eingeladen und damit offensichtlich einem Bedarf entsprochen, denn rund 40 Teilnehmer waren knapp zwei Stunden lang dabei. Unter dem Thema "Starke Frauen in Immensen" hatten die Arbeitskreismitglieder neun Stationen vorbereitet, an denen Beispiele für das Wirken der Frauen für die Dorfgemeinschaft und Versorgung gegeben wurden. "Vor dem Hintergrund der Dorfladeninitiative und dass es in Immensen schon fast keine Einkaufsmöglichkeiten mehr gibt, haben wir festgestellt, dass es in Immensen einmal sehr viele Läden gegeben hat. Fast alle Läden wurden von Frauen betrieben.", so der Hinweis von Arbeitskreis-Initiatorin Heidrun Bleckwenn. Ihrer Erinnerung nach gab es zeitweise fünf Lebensmittelgeschäfte gleichzeitig im gesamten Dorf verteilt. Zusätzlich sind die Läden für Fleisch, Fisch und Blumen in Erinnerung. Es gab Schuhgeschäfte ebenso wie gut sortierte Haushaltswarenläden, auch mit Werkzeugen, Schreibwaren und Geschenkartikeln. "Ich kann mich daran erinnern, noch Anfang der 60er Jahre mit meinen jüngeren Brüdern regelmäßig in der Adventszeit einen Schaufensterbummel zu den Weihnachtsauslagen mit Spielsachen unternommen zu haben", berichtet Heidrun Bleckwenn. Deutlich sei, dass die Frauen im Dorf für den täglichen Bedarf gesorgt haben. "Ab Mitte der 60er Jahre haben nur Frauen die Poststellen geführt und damit für den guten Kontakt nach Außen aufrechterhalten. Eine Gemeindeschwester sorgte für das gesundheitliche Wohl und immer waren es Frauen, die in Familien aushalfen, wenn die Hausfrau und Mutter krankheitsbedingt ausfiel", erklärt die Initiatorin. Sie erinnert auch an Marianne Graßmann, die im Jahr 1992 als erste Frau die Grundschule leitete. Ihren Nachfolgerinnen sei es zu verdanken, dass sich Porjekte wie die Schülerlotsenhilfe bis heute fortgesetzt haben. Heidrun Bleckwenn selbst ist ebenfalls eine Frau, die eine Männerdomäne aufbrach. Im Jahr 1991 errang sie ein Ortsrat, das sie zehn Jahre lang inne hatte. Im Jahr 2001 wurde sie Ortsbürgermeisterin. Mit dem Dorfspaziergang nun gab es Gelegenheit, an Hildegard Mahn zu erinnern, die vor einigen Wochen gestorben ist. Heidrun Bleckwenn erklärt: "Sie hat über 25 Jahren bei uns im Dorf gelebt. Kaum einer hat gewusst, was für eine hervorragende Künstlerin mit Ausstellen in ganz Deutschland sie war." Weitere Stationen des Spaziergangs waren beispielsweise die historische Heißmangel, die im Jahr 1933 in Betrieb ging, damals unter der Regie der 1992 gestorbenen Liesbeth Bleckwenn. Erinnert wurde auch an Ruth Buchholz, die im Jahr 1964 die Gymnastik-Gruppe gründete.
Auf vielfachen Wunsch aus dem Kreis der Teilnehmer soll es eine Fortsetzung der Dorfspaziergänge geben; allerdings erst im nächsten Frühjahr.