Ein Blütenfließband ist entstanden

Björn Rohloff (links) und Jürgen Buchholz bei der Überprüfung der Projekt-Fläche an der Kolshorner Straße. (Foto: Gabriele Gosewisch)
 
Malven und Kornblumen sind derzeit in der Blüte vereint. (Foto: Gabriele Gosewisch)

Region finanziert den Naturschutz der Landwirte

RÖDDENSEN (gg) Links der Kolshorner Straße setzt ein relativ kleines Feldstück ein recht großes Signal. So jedenfalls lässt sich das Urteil einer Expertenrunde zusammenfassen, die bei einem Treffen dort prüfte, welche Kräuter gewachsen sind. Die Fläche gehört Jürgen Buchholz, Bezirkslandwirt für Lehrte. Er begrüßte Joachim Hasberg, stellvertretender Geschäftsführer des Vereins Landvolk Hannover, sowie Björn Rohloff und Anton Sartisohn, Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen, und Otto Thiele, Vorsitzender der Jägerschaft im Altkreis. Die Fläche wird von der Region finanziell gefördert, ist Teil des Projekts für biologische Vielfalt. Nicht nur Jürgen Buchholz, auch rund 150 weitere Landwirte in der Region nehmen teil, davon sechs in Lehrte und drei in Sehnde. Sie haben eigene geeignete Flächen für dieses Projekt angemeldet, haben spezielle Kräutermischungen eingesät und erhalten pro Jahr einen Geldbetrag, der sich in der Höhe an dem orientiert, was sonst über die Getreideernte als Einnahme zu verbuchen gewesen wäre. 250 Hektar in der Region Hannover befinden sich auf diese Weise derzeit im Vertragsnaturschutz. Als Maßnahmenentgelt für die Leistungen der Landwirte stellt die Regionsverwaltung in diesem Jahr insgesamt 300.000 Euro zur Verfügung. Naturschutz und Pflege der Kulturlandschaft sollen gleichermaßen realisiert werden, so das Ziel der Stiftung. Das eine soll das andere nicht behindern oder ausschließen.
Auf der 4.000 Quadratmeter großen Fläche zwischen Kolshorner Straße und Acker hat Jürgen Buchholz eine Kräutermischung mit 37 Arten gesät, die sich jetzt über mehrere Jahre entwickeln können. Wohl fühlen sich hier jetzt schon zig Insekten. „In der Dämmerung und wenn es windstill ist, hört man es hier kräftiges Summen und Brummen. Richtig laut ist es“, sagt der Landwirt. Beikräuter, wie Gänsefuß und Melde, die es schaffen können, einen frisch bestellten Getreideacker zu überwuchern und daher üblicherweise mit teurem Herbizid- und Maschineneinsatz zurückgedrängt werden, haben sich auf der unbearbeiteten Fläche von selbst verabschiedet, weil andere Kräuter stärker wuchsen. Anton Satison erklärt: „Bei den Getreide-Unkräutern kann man machen, was man will, die keimen. Sie reagieren auf die Lockerung des Oberbodens bei der Saatbettvorbereitung für das Getreide.“ Klar sei, so Überzeugung in der Expertenrunde, dass es bei den in Röddensen „leichten Böden“ ohne Herbizid-Einsatz und Düngung gar keine Ernte geben würde. Umso wichtiger findet Jürgen Buchholz die Naturschutzmaßnahme, um dem was natürlich wachsen will, auch Fläche zu geben. „Und diese Fläche sieht sogar noch besonders gut aus. Ein toller Effekt“, sagt Björn Rohloff bei der Aufzählung der blühenden Arten, darunter Malven, Ringelblumen oder die wilde Möhre. Joachim Hasberg freut sich über den Zuspruch der Vertragslandwirte. Dass die Projektfläche in Summe immer größer wird, sich ein Refugium an das nächste hoffentlich bald anschließt, sei ein Beleg für ein gutes Konzept, in das auch Nabu-Hinweise eingeflossen seien, beispielsweise bei der Zielsetzung der mehrjährigen Ackerstilllegung. Der Biologie der Feldvögel und der Insekten werde damit Rechnung getragen. Unkompliziert und unbürokratisch soll die Teilnahme für interessierte Landwirte bleiben. Anton Satison erklärt: „Hier ist ein Blütenfließband entstanden. Über Monate wechseln sich die Arten in ihrer Blütezeit ab. Insekten finden Nahrung. Die ökologische Dienstleistung läuft. Schädlinge und Nützlinge regulieren sich selbst.“