"Durch Musik werden Fremde zu Freunden"

Da berühren sich Himmel und Erde: Musikschulleiterin Nana Zeh geht in ihrer Kanzelrede auf den Zusammenhang von Musik und Spiritualität ein. (Foto: Wiebke Molsen)

Musikschulleiterin Nana Zeh hält die Kanzelrede in der Matthäuskirche

LEHRTE (wim). "Beim Musizieren teilen wir unsere Gefühle mit anderen und verbinden uns mit ihnen auf einer tieferen Ebene – dadurch werden Fremde zu Freunden.", so beschreibt Nana Zeh, Leiterin der Musikschule Hannover Ostkreis, den Zusammenhang von Musik und Spiritualität. In der Kanzelrede, die sie am Sonntag in der Matthäuskirche gehalten hat, ging sie zudem auf die Gemeinsamkeiten von Musikschule und Kirche ein: „Erstens geht man freiwillig hin und zweitens um mit anderen etwas zusammen zu machen.“ In der Musikschule Ostkreis sind das monatlich immerhin 1.600 Schüler, zwischen einem und über 90 Jahren alt, die Freude daran haben, zusammen zu musizieren. Auch in die Kirche würden viele Menschen wegen der Musik kommen. „Da gibt es eine lange gemeinsame Geschichte“, sagte sie. Die Geschichte der Musikschule Ostkreis umfasst immerhin 40 Jahre. Die Kanzelrede bildete den würdigen Abschluss in diesem Jubiläumsjahr und wurde von zahlreichen Musikern begleitet.
Seit 2016 ist Nana Zeh Leiterin der Musikschule Ostkreis. Sie selbst ist in einer musikalischen Familie mit zwei älteren Schwestern aufgewachsen und konnte als Kind eher Noten als Buchstaben lesen. „Die Instrumente sind mir zugeflogen“, erinnert sich die Musikerin, die neben Klavier, Saxophon und Blockflöte auch alle brasilianischen Percussioninstrumente beherrscht. Dies ist hauptsächlich auf ihre zweite musikalische Heimat in Rio de Janeiro zurückzuführen, wo sie zehn Jahre gelebt hat. Mit dem Karneval in Rio, wo 70.000 Menschen zusammen singen, verbindet Nana Zeh ein ganz besonderes spirituelles Gefühl. „Musik stellt die Verbindung zwischen den Menschen und Gott her“, ist sie sich sicher. Musik und Religion hätten zudem die gleichen Wurzeln und könnten Gefühle auslösen, die nur schwer zu beschreiben seien.
„Die Musik hat die Fähigkeit, uns dorthin zu führen, wo wir sonst nicht hinkommen“, sagte Nana Zeh. In der modernen Zeit fülle Musik oft auch ein spirituelles Vakuum. Da würden Popstars wie Götter verehrt und zu Konzerten gepilgert. „Musik ist für die Menschen mehr als nur ein schönes Hobby“, machte Nana Zeh deutlich. Mit Musik entdeckten Kinder ihr eigenes Ich. Sie fördere die Sprachentwicklung, die Denkfähigkeit und das Sozialverhalten. Für alle Gefühlslagen gäbe es die richtige Musik. Sie sei daher mehr als die Summe ihrer Noten: „Musik verbindet uns mit der Zukunft und mit der Vergangenheit. Wer Musik macht, merkt das“, so ihre Botschaft für eine musikalische Weihnachtzeit in der Gemeinschaft.