DRK-Ortsverein übernimmt historisches Suchlisten-Material

DRK-Vorsitzender Thomas Bieber (rechts) und Schriftführer Achim Rüter beim ersten Sichten der historischen Unterlagen. (Foto: DRK Lehrte)

Unterlagen des Suchdienstes werden öffentlich ausgestellt

LEHRTE (r/kl). Beim Ortsverein Lehrte im Deutschen Roten Kreuz (DRK) sind 14 Umzugskartons mit historischem Archivmaterial des Suchdienstes eingetroffen. Die Bücher waren in Springe bei vorbereitenden Arbeiten für einen Umbau des alten Kreisverbandsgebäudes aufgetaucht und sollen künftig in Lehrte der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Bei dem Material handelt es sich um Bücher, die der Suchdienst des Roten Kreuzes in der Nachkriegszeit bis in die 60er Jahre erstellt hatte. Heimkehrer und Flüchtlinge hatten so die Gelegenheit in Bilderlisten vermisste Angehörige oder Kameraden zu identifizieren.
Bei einer ersten Sichtung der rund 200 Bücher fanden Thomas Bieber und Achim Rüter vom Ortsvereinsvorstand neben den erwarteten „Bilderlisten in Gefangenschaft Verschollener Soldaten“ weitere spannende Unterlagen, die zum Auffinden vermisster Angehöriger genutzt wurden. In separaten Büchern wurden zum Beispiel die Einheiten von 439 Divisionen in sogenannten „Einheitenrahmen“ zusammengestellt.
Ergänzend zu den Zivilverschollenenliste gab es speziell angefertigte geographische Skizzen, die den Heimkehrer gedanklich zum Ort seiner Festnahme zurückführen und die Erinnerung an seinen Weg durch die Gewahrsame wachrufen sollten.
„Für die Präsentation dieser historisch interessanten Unterlagen wurden dem DRK Lehrte bereits zwei Vitrinen gespendet. Wir haben vor, die Suchdienstbücher einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen,“ erläutert Achim Rüter vom DRK: „Das genaue Konzept wird nach Sortierung und Katalogisierung der Bücher erstellt.“
Für Menschen aus den Kriegs- und Nachkriegsgenerationen in Deutschland war der Suchdienst gleichbedeutend mit dem Roten Kreuz. Ohne den Suchdienst wären viele Familien ohne Väter geblieben, Ehefrauen ohne Männer, Kinder ohne Eltern, Mütter ohne Söhne und Töchter.
„Leid und Elend sind die Folge von Kriegen. Das Rote Kreuz ist weltweit bestrebt, Leben und Gesundheit zu schützen und der Würde des Menschen Achtung zu verschaffen. Es fördert gegenseitiges Verständnis, Freundschaft, Zusammenarbeit und einen dauerhaften Frieden unter allen Völkern.
Der DRK-Ortsverein Lehrte ist eine der ältesten Gliederungen des Roten Kreuzes in der Region Hannover und mit den rotkreuzeigenen Räumlichkeiten in der Ringstraße prädestiniert für so eine Ausstellung,“ sagt der Lehrte DRK-Vorsitzende Thomas Bieber.
Zur Vorbereitung einer Aktion zum Thema „Suchdienst – Schicksale durch Flucht und Vertreibung“ bittet das DRK-Lehrte nun Menschen, die nach dem Krieg den DRK-Suchdienst kennen gelernt und so zum Beispiel Familienangehörige wieder gefunden haben sich zu melden. Immer dienstags von 10.00 bis 12.00 Uhr im DRK-Haus Ringstraße 9 oder per eMail an Schriftfuehrer@ov-lehrte.drk.de.