„Die Holzbiene ist der Biber unter den Bienen“

Mit ihren originellen Schilderungen über die Vorlieben und Lebensweisen von Wildbienen bescherte die Biologin und Buchautorin Elke Schwarzer ihren Zuhörerinnen nicht nur einen lehrreichen, sondern auch sehr amüsanten Abend. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Die Blumen der Bienen: Gastgeberinnen Alexandra Hirndorf (links) und Stefanie Kehlenbeck freuten sich über die Ausführungen der Biologin Elke Schwarzer zur bienenfreundlichen Bepflanzung und Gestaltung von Gärten und Balkons. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Leider gibt es keinen fünften Stern für dieses ansonsten vorbildliche Bienenhotel: Holzstücke sollten immer seitlich wie vom Specht angebohrt werden, denn: „Die Risse in den Holzscheiben mögen Wildbienen gar nicht, die Legeröhren sind ja dann an der Seite offen“, erklärte die Biologin. (Foto: Susanna Veenhuis)

Biologin Elke Schwarzer berichtet über wildbienenfreundliches Gärtnern

ARPKE (sv). „Hummeln gehen schon ganz gut bei mir, mit den Wildbienen zusammen habe ich jetzt 25 Arten im kleinsten Reihenhaus-Garten aller Zeiten!“ Elke Schwarzer zuckt schmunzelnd mit den Schultern. Die rund 20 Zuhörerinnen lächeln wissend – ein Garten ist immer irgendwie zu klein, egal wofür. Bei der Biologin und Buchautorin dreht sich alles um Wildbienen, einfach nur ein Bienenhotel aufzustellen reiche bei Weitem nicht, meint sie. Mit den passenden Nektar-Pflanzen und der Bereitstellung von Baumaterial sowie dem Verzicht auf Pestizide können Hobbygärtner die fleißigen Fluginsekten unterstützen.
Anstatt diesen milden Sommerabend im eigenen Garten zu genießen, waren die Besucherinnen der Einladung von Stefanie Kehlenbeck und Alexandra Hirndorf in das Gartenzentrum Arkadia gefolgt, um sich Wissen über die mehr als 100 Arten in hiesigen Gärten vorkommenden Wildbienen anzueignen. Sie leisten neben den Honigbienen den größten Anteil der Bestäubungsarbeit in freier Natur und im Obst- und Gemüseanbau, sind dabei manchmal recht klein und nie für Menschen gefährlich, erklärt die Biologin. Am Kopf, am Körper, in Hinterbeinhaaren oder an so genannten Bauchbürsten tragen sie Pollen von Blüte zu Blüte und befruchten sie dabei. Rund 50 Prozent der kleinen Wilden möchten gerne im Boden bauen – Schwarzer hat dazu eine „Buddelkiste für Bienen“ mit trockenem Sand, Erde, etwas Lehm und ein paar Steinen eingerichtet. Aber auch schütterer Rasen bietet den Buddlern Baugrund an, indem die Sandbienen an kahlen Stellen für ihre Kinderstuben kleine Löcher bohren und die Erde daneben aufhäufeln. „Das sieht dann aus wie winzig kleine Maulwurfshaufen, achten Sie mal darauf“, sagt Elke Schwarzer ganz begeistert.
Selbst mit der Minimalversion eines Bienenhotels in Form einer quer gelegten oder aufgehängten Blechdose, in der ein paar hohle Halme stecken, ist schon etwas für die Röhrenbienen getan. „Man muss die Halme nur zusammenbinden oder so fest stopfen, dass bastelwütige Meisen sie nicht herausziehen können“, erklärt die Biologin. Deshalb seien Bienenhotels auch meist mit einem Kaninchendraht geschützt.
Neben Sandflächen werden auch Pflanzenwolle, Harz und Lehm gern zum Bohren und Bauen angenommen. „Das ist für die Insekten heute wirklich schwierig, passende Bruthöhlen zu bauen, wenn alles hart und glatt gepflastert, betoniert und zugemauert ist“, sagt Schwarzer. Mit Lehm verfugte Trockenmauern seien dagegen bei den Wildbienen sehr gefragt. Die Waldpelzbiene liebt Totholz in jedem Zustand der Verrottung, die sei auch gutes Baumaterial für die Holzbiene, die durch die Klimaerwärmung auf dem Vormarsch nach Norden sei. „Die kriegt alles klein, das ist sozusagen der Biber unter den Bienen“, bringt Schwarzer ihr Publikum mit diesem Vergleich wieder einmal zum Lachen.
Hartholzstücke mit Löchern zwischen zwei und zehn Millimetern, und zwar von der Seite wie vom Specht hineingebohrt, Bambusstücke und Röhrichtstengel, selbst leere Schneckenhäuschen dienen den Wildbienen als Kinderstube für den Nachwuchs. Wenn dann noch mit nektar- und pollenreichen Pflanzen wie Akelei und Anemone, Lavendel und Lungenkraut, Malve und Muskatellersalbei, Natternkopf und Nesselkönig, Rose und Rosmarin, Salbei und Sonnenhut, Weiden und Wiesenknopf, Ziest und Zaunrübe und vielen anderen Pflanzen in der Nähe der Insekten-Kinderzimmer der Bienen-Esstisch reich gedeckt ist, steht den nächsten Generationen nichts mehr im Weg, denn: „Eine Biene quert schonmal ungern eine Straße. Wenn sie zu weit weg ist von ihrer Brut, ist das wie ein offenes Scheunentor für Parasiten, die dort ihre eigenen Eier ablegen“, beschreibt Schwarzer Wildbienchens Nachwuchs-Sorge. Wobei rund ein Viertel der Wildbienen selbst so genannte Kuckucksbienen sind.
Bienenfreundliche Gärtnerinnen sollten darauf achten, Pflanzen mit ungefüllten Blüten zu säen und zu setzen. Wenn die Staubgefäße mit dem leckeren Pollen zu Blütenblättern umgezüchtet seien, nutze das den Insekten gar nichts, weiß die Fachfrau. „Die Bienen rackern sich daran ab, finden nichts und verstehen die Welt nicht mehr – sie haben angedockt und alles abgesucht, ist aber gar kein Pollen da! Und sowas kostet sie ja auch viel Energie!“ Beliebt seien auch Raublattgewächse wie der Rauling. „Der kann sogar den Giersch vertreiben“, sagt Schwarzer. Am wichtigsten seien Glockenblumen. „Aber nur blaue! An weißen und rosa Glockenblumen-Blüten ist nix los.“
Bereitwillig beantwortet Schwarzer die vielen Fragen ihres kleinen Auditoriums und empfiehlt, schlappen Hummeln und Bienen mit etwas Zuckerwasser, saugrüsselgerecht serviert in einem Kronkorken oder Legostein, wieder auf die Flugbahn zu helfen.
Wildbienen sind nicht in Staaten organisiert wie die Honigbiene, sondern leben einzeln. Mit einem guten Baumaterial- und Nahrungsangebot in einem Garten mit wilden Ecken und ohne Gift steht der Ansiedlung und Vermehrung der Solitärbienen nichts im Weg, und so können Gartenbesitzer – vielleicht mit Hilfe eines Buchs von Elke Schwarzer – herausfinden, ob sich die Frühlingspelzbiene, die Aschgraue, die Zweifarbige und die Rotpelzige Sandbiene, Masken- und Löcherbiene, Mörtel-, Blattschneider- und Wollbiene, Schmal-, Schenkel- und Furchenbiene bereits eingefunden haben.
Schwarzer, selbst merklich fasziniert von ihren Beobachtungen, beschreibt die Rote Mauerbiene als „den MacGyver unter den Bienen: Die nehmen alles – zur Not sogar den Gartenschlauch zum Wohnen!“ Blattschneider-Bienendrohnen haben eine Art Handschuhe an den Vorderbeinen, mit denen sie den Weibchen bei der Paarung die Augen zuhalten. Bei den Scherenbienen wiederum wäre das wirklich schade: Die schönsten Augen aller Bienen hat das Männchen der Scherenbiene und schläft – die Kitschpostkarte lässt grüßen – am liebsten in einer Glockenblumen-Blüte.
Enormen Unterhaltungswert biete die Wollbiene: „Die ist richtig böse! Mit seinem Stachel zerschreddert das Männchen regelrecht der Konkurrenz die Flügel“, berichtet die Biologin und empfiehl: „Setzen sie sich mit einem Glas Bier oder Wein vor die Trockenmauer, all diese Tiere zu beobachten ist spannender als Fernsehen!“