Der Ball darf nicht rollen

Hart und stabil: der Bolzplatz am Wiesengrund wurde kurz nach seiner Eröffnung im vorigen Jahr kurzfristig genutzt. (Foto: Archiv Gabriele Gosewisch)

Bolzplatz am Wiesengrund mit Backofen-Effekt

AHLTEN (gg) „Schön, dass jetzt alles fertig ist“, sagte Ortsbürgermeisterin Heike Koehler Mitte Mai vorigen Jahres bei der Eröffnung des Bolzplatzes am Wiesengrund. Vollendet sollte sein, was eine jahrelange Vorbereitung, mysteriöse Baugrund-Probleme und eine außergewöhnlich lange Bauzeit hatte. Sie ahnte an diesem warmen Frühlingstag 2019 noch nicht, dass die Pannen-Serie bis heute andauern würde. Schon wenige Wochen nach der Eröffnung sperrte die Stadtverwaltung den Bolzplatz und untersagte die Nutzung, weil die Asphaltschicht fleckig wurde. Der Ball hätte zwar rollen und das Bolzen Spaß machen können auf dem schönen neuen Platz, zehn Meter breit und zwanzig Meter lang mit hohem Fangzaun, aber die Flecken sollten nicht sein. Im Verlauf des Jahres war der Platz weiterhin gesperrt. Die von der Stadtverwaltung beauftragte bauausführende Firma hatte zwar nachgebessert, optisch entstand ein Asphalt-Flickenteppich, dann kamen die Infektionsschutzmaßnahmen, jetzt gibt es wieder Bitumenflecken. „Es ist unfassbar“, sagt Heike Koehler jetzt mit betretener Stimme, die ahnen lässt, wie unangenehm die Sache für sie ist. Als Ortsbürgermeisterin ist sie für Fragen der Bürger da, muss erklären, wofür eigentlich keine nachvollziehbaren Gründe mehr zu finden sind. „Wie kann es sein, dass das alles so lange dauert?“, fragt sie selbst.
Zum Sachverhalt gibt es seitens der Stadtverwaltung eine Stellungnahme. Fabian Nolting, Fachdienstleiter Steuerungsunterstützung im Rathaus, schreibt: „Beim Bolzkäfig wurden bei einem Vor-Ort-Termin leider Mängel an der Asphaltdecke festgestellt. Es sind erneut Bitumenflecken an der Oberfläche vorhanden, die wie bereits vor rund einem Jahr kurz nach der Eröffnung klebrig sind und eine Absperrung der Anlage bis auf weiteres erforderlich machen. Der Bolzkäfig ist aktuell ohnehin wegen der Corona-Pandemie nicht in Betrieb. Aktuell prüft die Rechtsabteilung den Sachverhalt und das weitere Vorgehen.“
Der Bau des Bolzplatzes mit Fangzaun hat 195.000 Euro gekostet. Der Asphalt wirkt mit der gespeicherten Strahlungsenergie der Sonne wie ein Backofen. Dort zu spielen, wenn erlaubt, ist eine extrem Schweiß treibende Angelegenheit - so der Tenor unter den Nutzern. Vor Baubeginn wurde auf der Fläche mit atmendem Naturboden viel Fußball gespielt, was aber aus versicherungsrechtlichen Gründen in der Stadtverwaltung als problematisch eingestuft wurde. Die damalige Argumentation: "Über Unebenheiten könnten Nutzer fallen." "Dies gehörte auf dem weichen Wiesenstück früher tatsächlich zum Spiel dazu. Auf Asphalt gibt es schmerzhafte Schürfwunden", sagen die hauptsächlich jugendlichen Nutzer übereinstimmend.